Entdeckungstour im Wahrzeichen


Es hätte nicht viel gefehlt, dann wäre sie verschwunden gewesen. Doch das konnte gerade noch verhindert werden. Anlässlich des 375-jährigen Bestehens der Alten Post laden der Arbeitskreis Geschichte des Heimatvereins und der Kunstverein am Sonntag zur Entdeckungstour ein.

Hoffen am Sonntag auf zahlreiche Interessierte Besucher in der Alten Post (v.l.) Ulla Blanke, Helmut Winterscheid, Waltraud Havers, Kurt Schmitz, Christa Heistermann und Liane Schmitz. Wiesrecker

Sie gilt als eines der bemerkenswertesten Fachwerkgebäude des Münsterlandes. Und sie ist für einen relativ kleinen Ort doch ungewöhnlich groß und mit ihren mehrstufigen Giebeln sehr schmuckvoll gestaltet. Aber wer hatte 1647 und damit im Jahr 29 des 30-jährigen Krieges, wohl so viele Taler besessen, dass er sich einen solchen Bau leisten konnte und wollte? Die in verschiedenen Heften und Artikeln als Bauherren des heute als „Alte Post“ bekannten Gebäudes bezeichneten Personen schienen dem Arbeitskreis Geschichte des Heimatvereins nicht sehr wahrscheinlich. Zweifel, die Anlass genug waren, sich im Jahr des 375. „Geburtstages“ des Hauses einmal intensiv mit dessen Geschichte zu beschäftigen. Seit Monaten stöbern deshalb Mitglieder des Arbeitskreises in Archiven, werten alte Baupläne und Fotos aus, betrachten fast jeden Balken auf Spuren früherer Nutzungen und luden überörtlich renommierte Bauhistoriker zu einem Fachgespräch ein.

Erste Zwischenergebnisse werden sie nun im Rahmen des internationalen „Tages des offenen Denkmals“ am Sonntag (11. September) präsentieren. „So erfahren die Besucher etwas über den Bauherren und sein Leben, und welche interessanten Fachwerkkonstruktionen bei dem Bau seines Hauses verwandt wurden“, berichtet Liane Schmitz aus dem Arbeitskreis. „Interessierte können sich anhand von alten Bildern und auf einem Rundgang durchs Haus – einer ,Architektour‘ – auf bauhistorische Spurensuche begeben, denn in 375 Jahren haben sich Bautechnik und Bedürfnisse verändert.“ Die namensgebende „Karriere“ begann übrigens erst im Jahr 1851, als hier eine Posthalterei (Postfuhrdienst) betrieben wurde. Als der damalige Besitzer Trentmann 1911 damit aufhörte, fehlte eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung, und notwendige Reparaturen blieben aus. „So ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass in den dem Betonbau zugeneigten Siebzigern der Ruf nach Abriss laut wurde, auch wenn Fachleute schon 80 Jahre zuvor von einem außerordentlichen Baudenkmal mit münsterlandweiter Bedeutung sprachen“, erklärt Schmitz. Nach teils skurriler Diskussion – wie auch in der Ausstellung dokumentiert – gelang es jedoch, das heute als Wahrzeichen anzusehende Gebäude mit vielerlei Zuschüssen zu sanieren. Seitdem dient es als Bürgerhaus mit zahlreichen Funktionen. So ist es auch ein traditioneller Veranstaltungsort des Kunst- und Kulturvereins, der an diesem Tag unter dem Titel „Alte Post-Moderne“ Werke von sechs Mitgliedern – Gabriele Bierschenk, Christel Büchel, Christiana Diallo-Morick, Wolfram Heistermann, Waltraud Kunkel und Annet Van der Voort – in zum Teil sonst nicht zugänglichen Räumen präsentiert. Außerdem werden Einblicke in die stadtgeschichtliche Sammlung im ersten Obergeschoss geboten. Paul Wickern und Reinhard Bünnigmann präsentieren auf den Tischen in der Upkammer ihre Unterlagen zur Postgeschichte. Außerdem bieten Mitglieder des AK Geschichte zwischen 11.15 Uhr und 16.15 Uhr stündlich Führungen durchs Haus an.

Am kommenden Sonntag, dem internationalen „Tag des offenen Denkmals“, ist die Alte Post von 11 bis 17 Uhr für interessierte Besucher geöffnet.

von -dje/pd-

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