Für den Ernstfall gut vorbereitet


Um 19.34 Uhr ist die Ruhe im Stewwerter Gewerbegebiet Viehfeld am Dienstagabend ruckartig vorbei. Ein Großaufgebot an Fahrzeugen der Drensteinfurter Feuerwehr, das mit Blaulicht und Martinshorn angerauscht kommt, signalisiert eine Notlage – und die wäre im Ernstfall schon eine Herausforderung für die Brandbekämpfer gewesen.

Um 19.34 Uhr ist die Ruhe im Stewwerter Gewerbegebiet Viehfeld am Dienstagabend ruckartig vorbei. Ein Großaufgebot an Fahrzeugen der Drensteinfurter Feuerwehr, das mit Blaulicht und Martinshorn angerauscht kommt, signalisiert eine Notlage – und die wäre im Ernstfall schon eine Herausforderung für die Brandbekämpfer gewesen. Denn im Rahmen einer etwas größer angelegten Übung des Löschzuges wurde eine Explosion – verursacht beim Wechseln einer Flüssiggasflasche eines Gabelstaplers – in einer Lager- und Produktionshalle von Martin Welscheit an der Schmiedestraße simuliert. Die Bilanz des Vorfalls: Drei vermisste Personen und Feuer in der Halle.

Aber von Beginn an. Es ist 18.30 Uhr bei spätsommerlichen Temperaturen um die 22 Grad, und Michael Hatwig fährt gemeinsam mit seinem Sohn Jonah am Ort des Geschehens vor. Mit im Gepäck haben die beiden mehrere Dummies sowie drei Nebelmaschinen, die die rund 1000 Quadratmeter große Halle ordentlich „verrauchen“ sollen. „Das ist total klasse hier. Das haben wir sonst selten, dass wir uns so frei bewegen dürfen“, bemerkt der Organisator beim ersten Umschauen.

Die Plätze für die Nebelmaschinen sind danach schnell gefunden. Und auch die „vermissten Personen“ werden passend platziert: Eine Puppe ist unter einem Gabelstapler auf der Verladefläche eingeklemmt. Eine andere wird weiter hinten unter einer Palette drapiert. „Braucht ihr noch eine leere Gasflasche?“, fragt Besitzer Martin Welscheit die beiden „Aufbauer“. „Ja, wenn du eine hast, gerne“, entgegnet Michael Hatwig und stellt diese wenig später direkt neben den Gabelstapler.

Sein Sohn Jonah kümmert sich währenddessen schon einmal um die Nebelmaschinen, die etwas warmlaufen und getestet werden müssen. Die Halle soll beim Eintreffen des Löschzuges schließlich komplett verraucht sein. „Wir achten beim Vorbereiten darauf, dass für die Einsatzkräfte keine Gefahrenquellen entstehen. Zudem verstecken wir die Dummies so, dass sie nicht auf den ersten Blick gefunden werden“, verrät der Organisator, der sich bei seinem Nachbarn Martin Welscheit für die Bereitstellung der Halle bedankt. „Das war selbstverständlich für mich. Hier stören wir niemanden, und so eine Übung ist ganz gut, um zu sehen, wie wir als Firma die Feuerwehr unterstützen können, falls wirklich mal der Ernstfall eintreffen sollte“, so der geschäftsführende Gesellschafter des Großhandels für Mosaik.

Zur gleichen Zeit in der Feuerwehrwache an der Konrad-Adenauer-Straße: Nach und nach trudeln die Brandbekämpfer zum regulären Übungsdienst, der alle 14 Tage stattfindet, ein. Auch Michael Hatwig ist mittlerweile eingetroffen und bittet die Einsatzkräfte zum Umziehen. „Pünktlich um 19.30 Uhr in der Halle“, betont er. Es folgt eine kurze Lagebesprechung samt Einteilung der Gruppenführer und des Einsatzleiters. „Das ist heute eine Übung für alle Führungsstufen, für den Atemschutzeinsatz und für den Brandeinsatz für alle“, erklärt der Berufsfeuerwehrmann, um dann sofort hinterherzuschieben: „Heute werden keine Türen gewaltsam geöffnet, keine brandschutztechnischen Einrichtungen betätigt, und es wird nichts kaputt gemacht sowie kein Wasser im Innenangriff abgegeben.“

Danach geht es los. Als erstes rückt das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug, kurz HLF, aus, die anderen Fahrzeuge folgen einige Minuten später. Am Einsatzort angekommen, erkundet ein Gruppenführer die Lage und erhält dabei Informationen von einer „studentischen Hilfskraft“. Im Anschluss geht es dann schnell: Die Einsatzkräfte nehmen unter Atemschutz mit einer Wärmebildkamera die Menschenrettung vor und bauen eine Wasserversorgung auf.

„Die erste gefundene Person muss reanimationspflichtig gerettet werden, weil der Rettungswagen noch nicht vor Ort ist“, erzählt Hatwig. Die First Responder übernehmen diese Aufgabe.

Die anderen Feuerwehrleute kümmern sich unterdessen um die Entlüftung der verrauchten Halle.

Um 20.42 Uhr hieß es dann: Übungsende – und Einsatzleiter Willi Mussenbrock zog ein positives Fazit: „Mit dem Ablauf bin ich sehr zufrieden. Wir haben die drei vermissten Personen gefunden, und auch die Wasserversorgung von zwei Seiten stimmte.“ Zudem sei der Besitzer greifbar gewesen und konnte über potenzielle Gefahrenquellen Auskunft geben. Auch der Einsatz des Feuerwehrplans zu dem Gebäude und die Kommunikation hätten gepasst.

von Von Simon Beckmann

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