Gänsehaut auf der Liegewiese


Die 200 Besucherinnen und Besucher erlebten beim Wald- und Wiesen-Konzert im Erlbad einen traumhaften Abend, der vier Künstler auf der hölzernen Bonsai-Bühne zusammenführte, die sonst eher weniger Berührungspunkte haben. „Opera meets Jazz“, so der Titel.

Mit ihrer Symbiose aus Jazz und klassischem Liedgut begeisterten Mike Del Ferro (Klavier), Ingo Senst (Kontrabass), Sopranistin Christina Clark und Schlagzeuger Sebastian Netta (v.l.). Dierk Hartleb

Guiseppe Verdis Trinklied aus der Oper „La Traviata“ und die Arie „L‘amour est un oiseau rebelle“ aus der Oper „Carmen“ aus der Feder von Georges Bizet: Diese beiden berühmten Arien klangen am Sonntag über die Liegewiese des Erlbades und verbanden sich mit den Geräuschen und Gerüchen der Natur. Nur ein verspäteter Helikopter versuchte sich einmal als Störenfried des Open-Air-Konzerts, als er mit respektvollem Abstand über die Freiluftarena knatterte.

Ansonsten erlebten die gut 200 Besucherinnen und Besucher einen traumhaften Abend, der vier Künstler auf der hölzernen Bonsai-Bühne zusammenführte, die sonst eher weniger Berührungspunkte haben. Unter der Überschrift „Opera meets Jazz“ hatten Schlagzeuger Sebastian Netta und Jochen Strieth aus Münster den niederländischen Pianisten Mike Del Ferro, die Sopranistin Christina Clark und Ingo Senst, Kontrabassist, zusammengebracht.

„Wir treten am liebsten in kleinen Dörfern oder Weihern auf“, schickte Konzert-Organisator Sebastian Netta bei seiner Begrüßung voraus, und man mache um die größeren Städte lieber einen großen Bogen. In den Landstädtchen wüssten die Menschen ein solches Angebot mehr zu schätzen, für das man sonst entweder in die Oper oder in einen Jazz-Club gehen muss.

In Mike Del Ferro – man kennt sich aus gemeinsamen Studientagen in Hilversum – hat Netto den kongenialen Partner, der die Arrangements schreibt und Swing- und Bebop-Rhythmen mit bekannten Arien oder Gesangsstücken aus Musicals oder Songs musikalisch verwebt. So blieb es nicht bei Verdis leicht verjazzter Arie „Libiamo ne’ lieti calici“ („Lassen Sie uns trinken“), sondern ging nahtlos über in den Song, den Ella Fitzgerald und Frank Sinatra bekannt gemacht haben „I Didn´t Know What Time It Was“ und dem Lied „I Loves You, Porgy“ aus der Gershwin-Oper „Porgy and Bess“.

Christina Clark, der erst kürzlich an der Aalto-Oper in Essen der Ehrentitel Kammersängerin verliehen worden war, führte charmant wie beredt durch das weitere Programm und leitete nach dem Auftakt mit „Summertime“ aus „Porgy and Bess“ über zum Cole-Porter-Song „Night And Day“ aus dem Musical „Gay Divorce“, der es zu Weltruf gebracht hat.

Mit dem ebenso kraftvoll wie sehnsuchtsvoll gesungenen „L´amour“ aus „Carmen“ verabschiedete sich das Quartett, wobei die Stimme der Sopranistin bei vielen eine leichte Gänsehaut hinterließ. Als sie dann in der Zugabe unter dem inzwischen aufgezogenen dunklen Abendhimmel den „Mond“ von Matthias Claudius aufgehen ließ, lagen ihr die Herzen aller endgültig zu Füßen. Luise Richard, Vorsitzende des Unternehmerinnen-Netzwerks Drensteinfurt (UND) und Kooperationspartnerin, bat die Akteure noch einmal auf die Bühne und bedankte sich für einen wunderschönen Abend. Das zweite Gastspiel der Wald- und Wiesen-Konzerte in Drensteinfurt hat Lust auf noch mehr „Music in Nature“ und eine weitere Wiederholung gemacht.

von Von Dierk Hartleb

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