Im zweiten Anlauf in den Stand


Es geht nur mit vereinten Kräften: Dass die Drensteinfurter Pfarrkirche St. Regina auch dieses Weihnachten wieder festlich-grün anmutet, ist den „Männern vom aufrechten Baum“ zu verdanken. Dabei brauchte es in diesem Jahr zwei Anläufe, um die große Tanne aufzurichten.

Sie schwankt ganz gehörig. Obwohl sechs Männer mit aller Kraft dagegenhalten. Doch die fast sieben Meter hohe Tanne will sich einfach nicht in die Senkrechte hieven lassen. Abbruch. Verstärkung wird herbeitelefoniert. Mit vier zusätzlichen Armen gelingt es schließlich: Der Baum steht. Aufrecht. Die Truppe hat ihrem Namen wieder alle Ehre gemacht. Weihnachten kann kommen.

Seit 45 Jahren sind die „Männer vom aufrechten Baum“ für den Tannenschmuck in der St.-Regina-Kirche verantwortlich. 2016 gab das Team um Alfred Graf von Looz den Job in jüngere Hände ab. Seitdem kümmern sich Antonius Stückmann und sechs weitere Helfer darum, dass die Kirche in der Weihnachtszeit feierlich-grün anmutet.

Die große Tanne, die rechts vom Altar platziert wird, haben sie tags zuvor aus Walstedde abgeholt. Eine Privatspende, für die Stückmann dankbar ist. „In Zukunft wird es wohl schwieriger, noch solche Bäume zu bekommen“, vermutet er. Die Gärten werden kleiner, die Sommer trockener, und immer mehr Schädlinge treiben ihr Unwesen, nennt der 70-Jährige Gründe. Aber dieses Jahr hat es noch geklappt mit einer passenden Tanne fürs Gotteshaus.

„Die riecht so richtig schön nach Weihnachten“, meint Mechthild Fellenberg seufzend. Die Küsterin hat so ein bisschen das Kommando an diesem Vormittag. „Wo willst du die Wurzeln hinhaben, Mechthild?“, „Was sollen wir sonst noch machen?“: Die Herrentruppe ist, unterstützt von Hausmeister Georg Maslowski, stets zu Diensten.

In der Werkstatt von Stefan Heinrich sind die neuen stabilen Metallständer für die insgesamt fünf Tannen gefertigt worden. „Die alten waren aus Holz“, berichtet Antonius Stückmann, der vor dem Gebäude erstmal die Kettensäge anwirft. Einer der Bäume ist zu groß. Damit er hinter die Krippe links vom Altar passt, muss er um knapp die Hälfte gekürzt werden. Außerdem braucht es noch Holzpflöcke, um die Stämme in den Ständern zu fixieren. Mit geübten Handgriffen sägt Stückmann diese aus einer Platte zurecht. „Das war mal der Schrank vom Pfarrer“, scherzt einer der Männer. Die gute Laune geht hier, bei aller Maloche, keinem verloren.

Gut zwei Stunden dauert es, bis die fünf Tannen – drei hat noch der Hof Jeymann beigesteuert – richtig stehen. Dann gilt es, das Herzstück der Krippe aufzustellen: die dicke Baumwurzel. Diese sowie etwa 50 kleinere Exemplare hat Theo Holle gesponsert. Unter dem Holzdach sollen Maria, Josef und das Jesuskind sowie die Heiligen Drei Könige Platz finden. Die insgesamt rund 30 Figuren bewahrt Küsterin Fellenberg in speziellen Kisten auf, fein säuberlich in Vlies gehüllt. „Damit keine Feuchtigkeit drankommt“, sagt sie und hebt als erstes den Engel aus seinem dunklen Versteck. 2010 waren die aus dem 19. Jahrhundert stammenden und von Holzwürmern zerfressenen Figuren in einem Münsteraner Atelier aufwändig restauriert worden. Seitdem dürfen sie nur noch mit Baumwollhandschuhen angefasst werden.

Den ganzen Nachmittag über sind Fellenberg und Maslowski mit dem Krippenaufbau beschäftigt. „Dafür brauchen wir Ruhe“, sagt die Küsterin. Denn wie bei einem Puzzle müssen die einzelnen Wurzeln ineinander gesteckt werden, um ein stimmiges Gesamtbild zu ergeben. Verfeinert wird das Ganze dann noch mit Moos, das Familie Woltering extra für diesen Anlass züchtet.

Derweil haben sich die „Männer vom aufrechten Baum“ nach getaner Arbeit ihre Belohnung verdient. Es gibt, das hat schon Tradition, Leberkäse im Brötchen, dazu Krautsalat. Im Januar werden sie wieder anrücken – zum Abbauen.

von Von Nicole Evering

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