Alte Techniken rund um Abtei Liesborn zum Leben erweckt


Am Museum Abtei Liesborn ließen 37 Aussteller am Samstag altes Handwerk neu aufblühen. Der Handwerksmarkt lockte viele Besucher ins Dorf.

Fleißig: Doris Haffert (l.) und Lydia Wiedau engagieren sich ehrenamtlich in der Wadersloher Spinngruppe „Faserfieber“. Foto: Inderlied

Liesborn (dali) - Obwohl der Handwerkstag nur in abgespeckter Form stattfinden konnte, hat am Samstag rund um das Museum Abtei Liesborn Hochbetrieb geherrscht. Unzählige Besucher flanierten schon zur Mittagszeit auf dem weitläufigen Gelände rund um das Gotteshaus.

37 Aussteller ließen dort alte Handwerkskünste wieder aufblühen. Aufgrund der Corona-Schutzbestimmungen spielte sich das Geschehen überwiegend an der frischen Luft ab. An den zahlreichen Ständen konnten Jung und Alt teilweise längst in Vergessenheit geratene Fertigungstechniken erleben.

Während die Erwachsenen im Angebot der fertigen Produkte stöberten, haben vor allem die jüngeren Besucher das alte Handwerk selbst ausprobiert. So konnte man bei Albert Buschherm ein eigenes Seil drehen. „Welche Farbe möchtest du denn haben“, fragte der Seiler den fünfjährigen Fabian aus Herzfeld. „Orange“, lautete die Antwort des staunenden Jungen. Als der farbige Faden an der richtigen Stelle platziert war, konnte Fabian loslegen. „Jetzt kräftig kurbeln“, gab Buschherm die Anweisung.

Aus Stein wird Kugel

„Schon meine Oma und mein Opa haben dieses Handwerk ausgeübt“, erklärte der Seiler. Ein paar Schritte klopfte der sechsjährige Thilo eifrig mit einem hölzernen Schlägel auf einen Steinbrocken ein. Ganz nach dem Motto: selbst ausprobieren. „Er hat gefragt, wie man aus einem Stein eine Kugel macht. Das fand er ganz toll“, erklärte sein Vater.

Jochen Wolnin bot derweil an seinem Stand Armreife an, die er aus alten Suppenlöffeln gefertigt hat. „Die Löffel sind ungefähr 150 Jahre alt“, wusste der Kunsthandwerker aus Warstein zu berichten. Je älter das Material für die handgefertigte Unikate ist, desto schwieriger sei es zu bekommen. „Da muss man seine Quellen haben“, wollte Wolnin nicht mehr verraten: „Man kennt jemanden, der jemanden kennt.“

88 Fäden verwoben 

Fest die Fäden in der Hand, oder besser gesagt auf dem eigens gefertigten Webstuhl, hatte Henrike Faust. „Das ist eine alte Handwerkskunst aus dem frühen Mittelalter“, erklärte die Wadersloherin das Brettchenweben. 88 Fäden werden zu langen Bändern verwoben. Damit verzierte man früher Kleidung. „Im türkischen Raum werden heute noch mit dieser Technik Teppiche gewebt“, so Henrik Faust.

Neuer Museumsleiter mit gutem Bauchgefühl

Die Erleichterung darüber, dass rund um das Museum Abtei Liesborn endlich wieder Veranstaltungen stattfinden können, war allerorts zu spüren. Auch mit der Anzahl der Besucher waren die Organisatoren hochzufrieden. „Ich hatte ein Bauchgefühl, dass viele Menschen kommen würden“, sagte Dr. Sebastian Steinbach. Für den neuen Museumsleiter war der Handwerksmarkt die zweite Veranstaltung, die durchgeführt werden konnte. Deshalb sei er stolz auf sein Team, dass sie den traditionellen Markt „kurzfristig aus dem Boden gestampft haben.“ Er selbst ließ es sich nicht nehmen, interessierte Kunsthandwerkliebhaber durch eine „sprichwörtliche Reise ins mittelalterliche Handwerk“ mitzunehmen.

Die Besucher konnten aber nicht nur den Drechslern, Seifensiedern, Seilern, Stuhlflechtern oder Hutmachern über die Schulter schauen, sondern auch selbst kreativ werden. So wurden im Kreuzgang mehrere Workshops angeboten, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Die Qualität der verschiedenen Gewerbe überzeugte Dr. Sebastian Steinbach. „Es gibt sehr hochwertige Angebote, die man nicht auf jedem Handwerksmarkt findet“, berichtete der Museumsleiter erfreut.

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