Freiwilliger Dienst bringt Erfahrungen



Wadersloh (gl) - Das Abitur hat er bestanden, doch bevor es ans Studieren geht, möchte Florian Faßbach seine Zeit für eine gute Sache einsetzen. Der 19-Jährige hat sich für den Bundesfreiwilligendienst (BFD) gemeldet und wird ab dem 1. Juli für ein Jahr im Seniorenheim St. Josef arbeiten.

„Ich arbeite bald hier“, stellt sich Florian Faßbach im Seniorenheim St. Josef Wadersloh bei Bewohnerin Elisabeth Koschinski vor. Am 1. Juli beginnt der 19-Jährige in der Einrichtung den Bundesfreiwilligendienst, der nach Aussetzung von Wehr- und Zivildienst bundesweit eingeführt wurde.

Essen austeilen, Gespräche mit den Bewohnern führen, dem Hausmeister zur Hand gehen – Florian Faßbach übernimmt dabei die typischen Aufgaben eines Zivildienstleistenden, nur mit dem Unterschied, dass er kein Zivi ist.

Der BFD auf freiwilliger Basis löst auf Bundesebene den Wehr- und Zivildienst ab. Für viele Einrichtungen eine Herausforderung, die es in Zukunft zu meistern gilt. Allein im Seniorenheim St. Josef waren zeitweise bis zu fünf Zivis beschäftigt. Der letzte Zivildienstleistende, Jan Lütkestratkötter, ist ein Freund von Florian Faßbach und hat mit seiner guten Empfehlung die Nachfolge zunächst gesichert.

Die Begleitung zum Arzt, ein Spaziergang durch den Park, ein Gang über den Wochenmarkt oder ein langes Gespräch – dafür habe man mit den Zivildienstleistenden immer ohne Probleme sorgen können, macht Einrichtungsleiter Andreas Wedeking die neuen Verhältnisse deutlich. „Die Zivis fehlen jetzt an allen Ecken und Kanten“, pflichtet im Pflegedienstleiterin Astrid Thiele-Jerome bei. Andererseits kämen durch den Bundesfreiwilligendienst auch nur Interessenten, die wirklich Lust auf die Arbeit hätten.

Florian Faßbach weiß jedenfalls, dass seine Hilfe willkommen ist, und er freut sich darauf, neue Erfahrungen sammeln zu können. Die Gespräche mit älteren Menschen machten ihm Spaß, und seit vor anderthalb Jahren seine Oma gestorben sei, fehle ihm das auch, verrät der 19-Jährige im Gespräch mit der „Glocke“. Er schätze vor allem die Lebenserfahrung von Senioren.

Und dass Senioren es ihrerseits schätzen, wenn junge Menschen im Haus ein und aus gehen, wissen Andreas Wedeking und Astrid Thiele-Jerome aus ihrer Berufspraxis. Gerade Männer seien in der Pflegebranche Mangelware und daher vor allem bei den Bewohnerinnen des Hauses gern gesehen, berichten die beiden mit einem Schmunzeln.

Mit Florian Faßbach werden sie noch einige Gespräche über dessen Einsatz im Haus führen. Eines steht aber schon jetzt fest: Der 19-Jährige wird wahrscheinlich nicht am Freitag, 1. Juli, anfangen, sondern erst am Montag – der Abiball steht an und dieses Mal gilt das Motto: erst das Vergnügen, dann die Arbeit.

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