Gutachterin schließt Spielsucht aus



Beckum/Gütersloh (mfa) - Nein, von einer Spielsucht im forensisch-psychiatrischen Sinne könne man bei dem 24-jährigen Angeklagten aus Wadersloh, dem vor der 9. Großen Strafkammer wegen räuberischer Erpressung gleich in mehreren Fällen der Prozess gemacht wird, nicht ausgehen.

Der Prozess gegen einen 24-jährigen Wadersloher wurde vor dem Landgericht Münster fortgesetzt. Die Anklage lautet: räuberische Erpressung in mehreren Fällen.

Zu dieser Einschätzung kam die Gutachterin gestern am zweiten Verhandlungstag im Landgericht in Münster. Die Ärztliche Direktorin des LWL-Zentrums für Forensische Psychiatrie in Lippstadt diagnostizierte bei dem jungen Mann zwar erkennbare Aspekte einer Persönlichkeitsstörung, die seine Taten mit deutlichen Planungsgrad oder seine Schuldfähigkeit aber nicht mindern würden.

Gleich mehrere Bäckereifilialen in Lippstadt, Wadersloh und Gütersloh (dort eine gleich zweimal) sowie ein Schuhgeschäft und eine Tankstelle hatte der Angeklagte zwischen Juli und September 2011 überfallen und in fast allen Fällen die Tageseinnahmen erbeutet. Den verschreckten erkäufern hatte er in aller Regel zur Unterstützung seiner Absichten eine Waffe präsentiert.

Mehr als 8300 Euro kamen bei diesen Beutezügen zusammen, die der 24-Jährige aber nicht vollständig in den umliegenden Spielotheken verjubelte. Wie sich im Zuge der Befragungen ergab, versuchte er damit auch, einen gewissen Teil seiner Schulden, die ihm seit Jahren über den Kopf gewachsen waren, zumindest vorübergehend abzutragen.

Nach einer holprigen Schulkarriere hatte er zwar einen Beruf erlernt und ausgeübt, war aber aufgrund von ihm dargestellten Depressionen und Versagensängsten ausgestiegen. Seinen Lebensunterhalt bestritt er in der Folgezeit durch wechselnde Tätigkeiten. Immer häufiger blieb er auch diesen Jobs fern und feierte krank.

Seinen getrennt lebenden Eltern und vor allem seiner Freundin versuchte er, seine psychischen und finanziellen Probleme zu verheimlichen. Hatte er sich im Laufe der Zeit immer mehr von seinem sozialen Umfeld abgekapselt, war er aber weiterhin seiner Mutter und seiner Freundin besonders zugetan, denen er aber längst nicht immer reinen Wein einschenkte. Familie und Freundin stehen weiterhin zu dem Mann, der Mitte September 2011 gefasst wurde und seitdem in Untersuchungshaft in Münster sitzt. Am 30. Januar wird nach den Plädoyers des Staatsanwaltes und des Verteidigers das Urteil gesprochen.

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