In Diestedde geht eine Ära zu Ende



Diestedde (gl) -  Es war am 1. Oktober 1901, als Schuhmachermeister Theodor Steinbrink an der Lange Straße 35 eine Schuhmacherei öffnete. Heute, 110 Jahre später, geht in Diestedde eine Ära zu Ende. Mit Orthopädie und Schuhtechnik Steinbrink schließt ein  inhabergeführtes Fachgeschäft.

Monika Steinbrink in ihrer Welt: Seit 1978 verkauft sie an der Lange Straße in Diestedde Schuhe. In diesem Jahr wird sie 64 Jahre alt und möchte sich anderen Dingen widmen. Das kleine Geschäft an der Hauptstraße wird daher geschlossen.

Aber nicht etwa, weil die Kunden ausgeblieben sind: Monika Steinbrink arbeitet seit 1978 in dem Geschäft. Zwei Jahre zuvor hat ihr Mann Bernhard Steinbrink junior den Betrieb von seinem Vater übernommen. In diesem Jahr wird sie 64 und möchte sich anderen Dingen widmen. „Uns war klar, dass wir das Geschäft aufgeben, wenn ich hier aufhöre“, erklärt sie. Weitere Geschäfte betreibt die Familie in Ahlen, Münster und Werne. Dort sind Bernhard Steinbrink und der jüngste Sohn Arne, ebenfalls Schuhmachermeister, beschäftigt.

Rote Zahlen habe sie nie geschrieben, aber der Gewinn aus Diestedde allein hätte auch nicht gereicht, weiß Monika Steinbrink. Dafür sei der Ort dann doch zu klein, und viele, vor allem jüngere, kauften lieber in den Städten ein. „Früher war Diestedde für seine Größe ganz gut ausgestattet“, blickt sie zurück und zählt auf: die zahlreichen Gaststätten, die Bekleidungsgeschäfte Schomaker und Menke. Heute gebe es nur noch Wächter-Miele, die Apotheke, das Lebensmittelgeschäft und die Physiotherapiepraxis. Schön sei es allerdings, mit dem „Café Sonderbar“ eine neue Anlaufstelle im Ort zu haben, findet Monika Steinbrink. Wenn ein Schuhgeschäft schließe, sei das nicht so schlimm, hauptsache das Lebensmittelgeschäft bleibe erhalten.

Trotzdem wird fragt an diesem Morgen eine Kundin, wohin sie denn jetzt ihre Schuhe zur Reparatur bringen soll. Monika Steinbrink kann sie beruhigen: „Sie bringen sie einfach weiter zu uns.“ Jeden Dienstag ist das Geschäft geöffnet, dann bietet ihre Schwägerin Mechthild Kliewe Fußpflege in den Räumen nebenan. Auch der Reparaturservice soll beibehalten werden. Zu welchen Öffnungszeiten, darauf hat sich die Familie Steinbrink allerdings noch nicht festgelegt.

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