Jusos wollen junge Leute bewegen, zur Wahl zu gehen



Marco Zaremba, Vorsitzender des Jusos Wadersloh, hält SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz für einen guten Nachfolger für Angela Merkel. Das sagt er im Interview.

Im „Glocke“-Sommerinterview berichtet Marco Zaremba, Vorsitzender des Jusos Wadersloh, warum SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz in seinen Augen ein guter Nachfolger für Angela Merkel wäre und worauf die Jusos den Fokus in der Lokalpolitik legen wollen.

Wadersloh (dw) - Olaf Scholz läge bei einer Kanzler-Direktwahl im Moment vorne. Über die Bundestagswahl und lokale Themen sprach die „Glocke“ mit dem Vorsitzenden der Wadersloher Jusos, Marco Zaremba. Dabei sagte er, was die Jusos an lokalen Themen planen.

„Die Glocke“: Herr Zaremba, Ende September ist Bundestagswahl. Wie kann die SPD aus dem Dauerumfragetief herauskommen? 

Zaremba: Nun ja, zunächst sehen die Trends ja ganz positiv aus. Es ist noch etwas Zeit zum Aufholen, und wir werden viel Energie in den Wahlkampf stecken, um den Menschen zu zeigen, dass wir in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet haben. Sowohl auf Bundesebene als auch vor Ort. Dass wir das in Zukunft als SPD auch weiter machen wollen, optimalerweise ohne politische „Bremsklötze“, versteht sich von selbst. 

„Die Glocke“: Wie viel Prozent müsste die SPD holen, damit Sie sich über das Ergebnis freuen? 

Zaremba: Es geht ja nicht darum, dass ich mich persönlich über ein Ergebnis freue. Es ist eine demokratische Wahl aller Bürger und Bürgerinnen, und es wäre gut, wenn wir alle diese Wahlmöglichkeit nutzen, um über unsere Zukunft mitzuentscheiden. Ich hätte aber natürlich den Wunsch, dass es für Olaf Scholz als Bundeskanzler reicht. Seine Erfahrung, seine Zielstrebigkeit und sein Gerechtigkeitssinn sind gut für unser Land. 

„Die Glocke“: Die Nachwuchskräfte der Parteien mischen stets im Wahlkampf mit. Sie als Wadersloher Jusos auch? 

Zaremba: Selbstverständlich. Wir unterstützen wie auch die Jusos auf Kreisebene den Wahlkampf und wollen besonders junge Menschen dazu bewegen, zur Wahl zu gehen. 

„Die Glocke“: Was planen Sie im Wahlkampf in Wadersloh? 

Zaremba: Wir werden den SPD-Bundestagsabgeordneten und Kandidaten Bernhard Daldrup zum Beispiel mehrmals in Wadersloh empfangen. Der gemeinsame Kontakt ist sehr gut. An Infoständen werden wir Jusos immer wieder mit eigenen Aktionen zu finden sein. Es sind auch gemeinsame gesellige Abende in Planung. Dazu geht die inhaltliche politische Arbeit regulär weiter. Auch online habe ich persönlich einige Formate zusammen mit unserem Abgeordneten umgesetzt. Besonders freue ich mich jedoch auf unser Themen-Darts bei Aktionen, wo es für verschiedene getroffene Felder wie zum Beispiel „Legalize“, „Klima“ und „Arbeit“ unterschiedliche themenspezifische Giveaways gibt. 

„Die Glocke“: Wann geht es los? 

Zaremba: Wir sind mittendrin. Online ist der Wahlkampf bereits gestartet und auch der Straßenwahlkampf zieht langsam an. 

„Die Glocke“: Warum wäre aus Ihrer Sicht Olaf Scholz ein guter Kanzler? 

Zaremba: Erfahrung, Zielstrebigkeit und Respekt vor allen Lebenslagen. Er ist der einzige Kandidat, der ernstzunehmend staatsmännisch auftritt und hat bereits in den letzten Jahren und Monaten geliefert: Das Lieferkettengesetz, schnelle Soforthilfen für Krisengebiete und die Besteuerung von internationalen Großkonzernen sind nur einige wenige Beispiele.

„Die Glocke“: Oder hätten Sie sich jemand anderes als Scholz gewünscht? 

Zaremba: Nein. Das stand innerhalb der Partei ehrlich gesagt nicht zur Diskussion. Wir haben uns anders als andere Parteien ohne Machtkämpfe und ohne hin und her bereits vor knapp einem Jahr geschlossen für einen Kandidaten entscheiden können. Mit ihm zusammen ist ein solides Zukunftsprogramm entstanden und mit ihm werden wir Deutschland in den kommenden Jahren in allen wichtigen Fragen weiter nach vorne bringen.

„Die Glocke“: Wenn man nach den Umfragen geht, stellt die CDU ziemlich sicher den nächsten Kanzler, ganz vielleicht auch die Grünen, aber sehr wahrscheinlich nicht die SPD. Wie frustrierend ist das für Sie als Jusos? 

Zaremba: Die kurze Antwort: Wir gehen nicht nach Umfragen. Die längere Version: Es ist, glaube ich, noch nichts entschieden. Wie sicher oder unsicher Umfragen sind, hat sich in der letzten Zeit immer wieder beweisen. Die Menschen haben es am 26. September selbst in der Hand: Welche Partei wählen sie und wen wollen sie als Kanzler? Herr Laschet ist für mich persönlich keine Option – zu schwerwiegend sind die Verfehlungen der letzten Jahre. Angefangen bei den „gewürfelten“ Uni-Noten bis hin zu Unprofessionalität im Umgang mit Flutopfern. Und auch Frau Baerbock ist mit Vorsicht zu genießen. Mit dieser Einstellung bin ich im Übrigen nicht allein: Die Mehrheit hält Olaf Scholz für den besten Kanzlerkandidaten. Von Frustration ist bei meinen Mitstreitern und mir jedenfalls nichts zu spüren. 

„Die Glocke“: Ihr Antrag auf Einführung einer Mängelmelder-App wurde in der Wadersloher Politik auf unbestimmte Zeit zurückgestellt, weil die Verwaltung keine Kapazitäten zur Bearbeitung hat. Wie enttäuscht sind Sie, dass das Papier nicht beschlossen wurde? 

Zaremba: So ist es manchmal leider in der Politik. Einige Argumente waren für uns verständlicher, andere nicht so sehr. Wir werden jedenfalls weiter Gespräche führen und hoffen, dass der Antrag irgendwann doch noch umgesetzt werden kann. Das wäre ein großartiges Signal für Digitalisierung und Bürgernähe in unserer Gemeinde gewesen. 

„Die Glocke“: Dafür war Ihr Antrag auf Einführung von Pfandringen an Abfallbehältern erfolgreich. Haben Sie schon gehört, wann die installiert werden sollen? 

Zaremba: Darüber haben wir uns natürlich sehr gefreut. Es soll laut Gemeindeverwaltung bald so weit sein. Einen genauen Termin haben wir allerdings noch nicht. 

„Die Glocke“: Was war aus Ihrer Sicht der wichtigste Beschluss, den der Wadersloher Rat seit seiner Konstituierung im Herbst 2020 getroffen hat? 

Zaremba: Politik lebt nicht nur von einer Entscheidung. Jede Entscheidung, die getroffen wird und wurde, ist auf ihre Weise wichtig für das Leben in Wadersloh. Viel gravierender sind aber oft die Chancen, die nicht ergriffen werden: Wir erinnern uns da an von Schülern gewünschte und schlussendlich abgelehnte Unterstände an Bushaltestellen oder die Abschaffung von Zuschüssen für Familien zum Schulessen. Das ist ein ärgerliches Beispiel dafür, wie wenig Respekt junge Leute in der Politik manchmal bekommen. Sowas tut weh, ist aber für uns eher ein Grund, um weiter Druck zu machen und unsere Anliegen weiter zu verfolgen. 

„Die Glocke“: Welche Akzente möchten die Wadersloher Jusos in der Kommunalpolitik nach den Sommerferien setzen? Welche Themen haben Sie sich vorgenommen? 

Zaremba: Erinnerungskultur, Mobilität, junges Engagement und Freizeitmöglichkeiten sind weiterhin Themen, die bei uns in der Gemeinde einen Fokus brauchen. Wir werden entsprechende Aktionen und Initiativen starten, können aber jetzt auch schon ankündigen, dass wir bei einigen wichtigen Themen unbedingt auch den Austausch mit den anderen Parteien suchen werden, um das beste für alle in unserer Gemeinde herauszuholen.

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