Knoblauchkröte findet in Lippeauen ein neues Zuhause


Die mittlerweile besonders seltene Knoblauchkröte ist beim Café Lippeauenblick in Liesborn-Göttingen in ein eigens angelegtes Gewässer eingesetzt worden.

Die mittlerweile besonders seltene Knoblauchkröte ist beim Café Lippeauenblick in Liesborn-Göttingen in den Teich eingesetzt worden.

Wadersloh/Liesborn-Göttingen (gl) - Im Rahmen der Leader-Region Lippe-Möhnesee erhalten zahlreiche Projekte in Wadersloh Fördermittel der EU. Dazu zählt auch das Projekt „Naturnahe Gartengestaltung“ der Familie Baumhoer (Café Lippeauenblick) in Liesborn-Göttingen. Dabei wird der Garten mit Blick auf die Lippeauen und einem kleinen Teich neu gestaltet. 

Kürzlich sind dort junge Exemplare der europaweit geschützten Amphibienart Knoblauchkröte in ein eigens hergestelltes Gewässer unweit eingesetzt worden. Am Rande der Lippeaue sind laut Pressemitteilung gute Voraussetzungen für Tiere, die sowohl an Land als auch im Wasser aktiv sind, die Amphibien. Zu ihnen zählt die mittlerweile besonders seltene Knoblauchkröte. Durch den Verlust von Laichgewässern und die zunehmende Versiegelung der Landschaft sowie Intensivierung der Flächennutzung gingen viele Lebensräume der Art verloren. 

Lippeauenblick Teil des EU-geförderten Life-Projektes

Die Maßnahme am „Lippeauenblick“ ist Teil des von der Europäischen Union geförderten Life-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“ zum Erhalt der biologischen Vielfalt, das gemeinsam von den Ländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen umgesetzt wird. Charakteristische Biotope der atlantischen biogeographischen Region, wie Heide- und Dünenlandschaften, artenreiche Borstgrasrasen und nährstoffarme Stillgewässer, sollen laut Mitteilung dabei nachhaltig aufgewertet werden. Auch die Bestände der für diese Lebensräume typischen Arten, wie Knoblauchkröte, Kreuzkröte, Schlingnatter und Zauneidechse, sollen gestärkt werden. „Wir freuen uns, dass mit der Anlage des neuen Laichgewässers auf den Flächen der Familie Baumhoer ein weiterer wichtiger Trittstein für die Knoblauchkröte entlang der Lippeaue entstanden ist und so nun auch die Kreisgrenze zwischen Soest und Warendorf mit der Knoblauchkröte besiedelt werden kann“, sagte Projektleiter Dr. Sebastian Schmidt von der Bezirksregierung Münster. Entlang der Lippeaue konnten so bereits seit 2018 zahlreiche Land- und Wasserbiotope am Übergang von den sandigen Terrassen zur zeitweilig überfluteten Aue der Lippe neu geschaffen werden. Auch bei Baumhoers entstand in Zusammenarbeit der biologischen Station und der Bezirksregierung erst in diesem Frühjahr ein Laichgewässer sowie aus dem Aushub ein verbesserter Landlebensraum.

Aussichten für dauerhafte Ansiedlung sehr gut

Die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Warendorf sowie Vertreter der Forstverwaltung schafften die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Maßnahme im Landschaftsschutzgebiet. Die nächsten Vorkommen der Knoblauchkröte liegen mehrere Kilometer entfernt – eine natürliche Besiedlung würde vermutlich viele Jahre benötigen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, werden in den Teich diesjährige Jungtiere eingesetzt, die aus dem Laich von Tieren einer alten Population bei Lippstadt hervorgegangen sind. Sie wurden in geschützter Umgebung einer speziellen Aufzuchtstation der Nabu-Naturschutzstation Münsterland gehalten und begründen nun eine neue Population an der Kreisgrenze. 2021 wurden Erfolgskontrollen vergleichbarer „Auswilderungen“ am Lippeauenrand im Kreis Soest von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Biologischen Station Soest durchgeführt. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass alle untersuchten Gewässer an der Lippeaue von der Knoblauchkröte zur Fortpflanzung angenommen worden sind. „So sind die Aussichten für eine erfolgreiche und dauerhafte Ansiedlung der Knoblauchkröte am Standort Baumhoer ebenfalls sehr gut“, vermuten Luise Hauswirth und Norbert Menke von den Biologischen Stationen in den Kreisen Soest und Warendorf. 

Teich naturbelassenes Element eines ganzheitlichen Hofkonzeptes

Der Teich am „Lippeauenblick“ wird dort ein naturbelassenes Element eines ganzheitlichen Hofkonzeptes sein, wo biologische Landwirtschaft mit regionaler Vermarktung, aber auch ein Besuchermagnet mit saisonaler Café-Bewirtung entwickelt wird. Für große und kleine Besucher gibt es Lern- und Informationsangebote zur Vereinbarkeit von Landwirtschaft und Naturschutz. Schon längst sei der Hof Baumhoer kein Geheimtipp mehr, heißt es weiter in der Mitteilung. „Die Wertschätzung für die Schätze der Natur versuchen wir auch im Café durch die Auswahl der regionalen Produkte hervorzuheben. Unsere Gäste können mit allen Sinnen an einem idyllischen Ort genießen. Vielfalt ist ein großes Thema für uns“, erläutert Corinna Baumhoer. In Zukunft wird es am Knoblauchkröten-Gewässer eine Infotafel an einem Übersichtspunkt geben.

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