Mühlenfeldstraße in Wadersloh ist der Lieblingsplatz 


Mit der Mühlenfeldstraße verbindet Johannes Brand die schöne Zeit seiner Kindheit und Jugend. Die Straße ist sein Lieblingsplatz.

Mit der Mühlenfeldstraße in Wadersloh verbindet Johannes Brand die schöne Zeit seiner Kindheit und Jugend. Sie ist sein Lieblingsplatz. Foto: C. Schulte

Johannes Brand verbindet mit der Mühlenfeldstraße die schöne Zeit seiner Kindheit und Jugend – er spaziert heute noch gerne auf den Wegen seiner Vergangenheit. Die Straße ist sein Lieblingsplatz in Wadersloh.

Familie Brand ist eine alt eingesessene Wadersloher Familie. Von 1900 bis 1963 führte Familie Dierse, später Brand, die Bahnhofsgaststätte (das heutige „Stellwerk“). In der dazugehörigen Wohnung verbrachte Johannes Brand seine ersten Lebensjahre. „Der heutige Dart-Raum war früher unser Wohnzimmer“, berichtet er schmunzelnd. „Als kleiner Junge bin ich gerne auf meinem Stoffesel durch die Kneipe meiner Eltern gefahren, weil die Leute mir immer etwas Geld zugesteckt haben, weil sie mich so süß fanden.“ Das Leben kann halt so einfach sein, wenn man ein Kind ist.

1963 verkauften seine Eltern die Kneipe aber – und die Familie zog an die Mühlenfeldstraße in das erste und damals einzige Wohnhaus, das kein Bauernhof war. „Damals sah das hier alles noch völlig anders aus“, weiß Johannes Brand. Dort, wo heute Aldi und Rewe stehen, war Weideland für Kühe – und man konnte direkt auf die Grundschule gucken. Deshalb verbrachte er mit seinen Freunden dort in der Natur seine Zeit.

Vielen Waderslohern als Musiker bekannt

Johannes Brand ist den meisten Waderslohern als Musiker bekannt. Er gehörte in den 1970er-Jahren zu den ersten in der Großgemeinde, die Folk- und Rockkonzerte veranstalteten. Seine erste Band Klangholz besteht bis heute, allerdings unter dem Namen Sex Comes Later. Im Laufe der Jahre haben die Musiker mehr als 30 Mal auf der Bühne gestanden.

Brand hatte ein vielfältiges Leben. Er begann als Polizist in Duisburg, studierte dann Politik und Anglistik in Paderborn und Hannover. Er arbeitete in Hamburg zwölf Jahre als Redakteur für ein Szene-Magazin. Das öffnete ihm unter anderem die Türen in die Musikerszene. In dieser Zeit spielte er als Gitarrist in der Hamburger Band Cavern Kids.

Ende der 1990er-Jahre zog er aus familiären Gründen ins Rheinland und eröffnete eine Gitarrenschule, mit der er mehr als zehn Jahre seine Familie ernährte. Auf alle n seinen Lebenswegen hat er nie den Bezug zur Heimat verloren und seine Freundschaften in Wadersloh gepflegt, die ihm bis heute ein wichtiger Bezugspunkt geblieben sind.

„Musik verbindet die Menschen“

Seit 2013 ist der Wadersloher Johannes Brand mit seinen Mitsingkonzerten unterwegs. Er begeistert Jung und Alt mit liebevoll ausgewählten Musikprogrammen, die dazu einladen, lautstark mitzusingen und in alten Zeiten zu schwelgen. „Musik verbindet die Menschen auf eine ganz besondere Weise“, findet Brand. „Und deshalb sind mir diese Abende so wichtig.“

Seit einigen Jahren sieht man ihn wieder häufig in Wadersloh. Mehrmals die Woche geht er in der Mühlenfeldstraße spazieren und sitzt besonders gerne auf der Bank vor Oentrups Hof. „Hier ist der Kern meiner Heimat“, erklärt er und schaut über das Feld. „Wenn ich durch die Felder gehe, am Rottbach entlang schlendere und das Wasser plätschern höre und vor allem diese herrliche Ruhe genieße, dann finde ich das richtige Tempo für meine Lieder. Für die, die ich selbst komponiere, und für die, die ich an Mitsingabenden begleite.“ Die Natur inspiriere ihn stets. Da er sowohl im Rheinland als auch in Wadersloh lebt, erfährt er stets die Unterschiede. „Nach meinen Auftritten im Rheinland komme ich nach Wadersloh, um mich zu entspannen.“

Wenn Johannes Brand durch die Mühlenfeldstraße schlendert und von früher erzählt, bekommt er ein spitzbübisches Lächeln im Gesicht und man erkennt den kleinen Jungen, der in den 1960er- und 1970er-Jahren im kleinen verschlafenen Wadersloh unterwegs gewesen ist. „Früher, als es noch ordentlich Schnee im Winter gab, sind wir hier auf Skiern unterwegs gewesen, und im Sommer sind wir Seifenkistenrennen gefahren.“

Als man aus dem Bach noch trinken konnte

Der Bachlauf im Vogelbusch führte damals noch bis zum Rottbach hinunter, wurde aber durch die Flurbereinigung kanalisiert. „Das Wasser war so klar, dass wir aus dem Bach trinken konnten“, schwärmt der Musiker. „Die Hecken hingen romantisch blühend über dem Bach, so dass man sich darunter verstecken konnte.“ Er erzählt von den Zeiten, in denen der Rottbach noch so viel Wasser hatte, dass man sogar darin schwimmen konnte, und davon, dass die heutigen Äcker zu großen Teilen Weideland mit Gemüseanbau und Obstbäumen waren. Auch wenn die Mühlenfeldstraße heute etwas anders aussehe als damals, habe sie ihren Zauber und ihre natürliche Schönheit nicht verloren, findet er. „Nirgendwo ist der Himmel so sternenklar“, meint Brand: „Hier gibt es keine Straßenlaternen und keinen Smog. Es ist einfach noch ein kleines Stückchen heile Welt.“ Und eben weil es so schön ist, bestehen auch seine vier Söhne mindestens zweimal im Jahr auf ein Männertreffen in Wadersloh, um außer guten Gesprächen und kleinen Jam-Sessions die Ruhe und die Natur zu genießen.

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