Natur pur begeistert an den Lippeauen



Liesborn (rko) - Eine grüne Idylle direkt vor der Haustür, das sind die renaturierten Lippeauen im Bereich Liesborn-Göttingen. Hier gibt es an diesem Nachmittag für die Teilnehmer eines Ausflugs der Kolpingsfamilie Liesborn nicht nur die frei lebenden Rinder zu sehen.

Eine informative Führung bereitete Matthias Schaaf vom Nabu (links) den Teilnehmern eines Ausflugs der Liesborner Kolpingsfamilie.

Matthias Schaaf vom Naturschutzbund (Nabu) und Richard Hoberg, Leiter des Hegerings Liesborn-Diestedde, versorgen die Naturfreunde mit Informationen. Gleich zu Beginn macht Schaaf auf die Fanganlage für Rinder aufmerksam. Dort würden sie unter anderem für Blutproben hingebracht, und „dann geht das Rodeo los“, sagt er und lacht. Die Tiere wüssten, was sie erwarte und wehrten sich vehement. Einmal habe er einen jungen Ochsen aus der Anlage freigelassen und Fotos gemacht. Der Ochse sei auf ihn zugelaufen, so dass er sich hinter eine Birke retten musste. Ein solches Verhalten sei aber sehr untypisch, da die Rinder normalerweise scheu seien, machte der Naturschützer deutlich.

Auf einem Feld stößt die Gruppe schließlich auf die frei lebenden, auerochsenähnlichen Rinder. Neugierig betrachten die Tiere die Gruppe. Die Versuche, eines der Rinder anzulocken, schlagen fehl. „Sie haben Angst, da wir so viele sind. Wäre ich alleine hier, würden sie vielleicht kommen. Eines frisst mir sogar aus der Hand“, verrät Matthias Schaaf. Die Tiere seien wichtig für das Ziel, eine Parklandschaft entstehen zu lassen: sie hielten die Vegetation flach.

An den Lippeauen gebe es auch Enten und Gänse. Da dieser Bereich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei, hätten auch scheue Arten wie die Graugänse hier ihre Brutstätten. „Mehr als zwei Storchenpaare gibt es pro Jahr aber nicht“, bedauert Schaaf. Man habe zwar durch einen Storchenmast versucht, diese Tiere zu locken, aber die Gegend sei einfach nicht ertragreich genug für Störche.

In Richtung Lippe führt ein Weg, auf dem nur wenige Pflanzen wachsen. „Der ist damals unterschottert worden“, weiß Richard Hoberg vom Hegering Liesborn-Diestedde. Um die Fließgeschwindigkeit zu begrenzen, habe man früher teure Maßnahmen unternommen. Zunächst sei es das Ziel gewesen, die Lippe schiffbar zu machen. Sie wurde begradigt und Dämme wurden errichtet. „Das Material für die Göttinger Kapelle wurde zum Beispiel mit dem Schiff über die Lippe gebracht“, berichtet Hoberg. Heute wolle man den Fluss wieder in seinen ursprünglichen Zustand bringen – dafür sei schon einiges geleistet worden.

„Dadurch, dass die Dämme aufgerissen und das Flussbreit breiter gemacht wurde, ist mehr Platz zur Überflutung“ ergänzt er. Bald sollen auch die Staustufen entfernt werden, damit alles noch stärker in den ursprünglichen Zustand kommt.

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