15.000 Besucher beim Tag der Bundeswehr in Warendorf



Der „Tag der Bundeswehr“ in Warendorf war ein Erfolg. Nur die Sommerhitze verhinderte mehr besuch. Am Samstag sind rund 15.000 gekommen.

Warendorf (pw) - Mit nach offiziellen Angaben rund 15 000 Besuchern blieb der „Tag der Bundeswehr“ in Verbindung mit der „Deutschen Reservistenmeisterschaft“ am Samstag in Warendorf zwar deutlich unter den erwarteten Zahlen von 35.000 Besuchern zurück, gleichwohl fand das vielfältige Informations- und Unterhaltungsangebot dieser bundesweit einzigartigen Veranstaltung auf dem Warendorfer Lohwall viel Beifall.

Ministerin nimmt sich vier Stunden Zeit

Prominenteste Besucherin war die Bundesministerin der Verteidigung, Christine Lambrecht (SPD). Sie nahm sich zwischen den offiziellen Terminen im Besuchsprogramm viel Zeit, mit „ihren“ Soldatinnen und Soldaten ins Gespräch zu kommen. Sie bewegte sich, von einem Tross Journalisten und lokaler Prominenz begleitet, volksnah über das Gelände und stellte sich auch Gesprächen mit Bürgern. 

Pressesprecherin wehrt „Heute-Show“ ab

Nicht allerdings einem Interview mit dem Comedy-Autor und Komiker Fabian Köster. Der 26-jährige Kölner war in seiner Paraderolle als „Außenreporter“ der ZDF-Satiresendung „Heute Show“ auf dem Gelände unterwegs, scheiterte aber, als er unvermittelt die zur Bühne eilende Verteidigungsministerin interviewen wollte, an der rustikalen Abwehr ihrer Sprecherin, Fregattenkapitän Christina Routsi, die da gar nichts erst anbrennen lassen wollte. So wird es in der nächsten „Heute-Show“ wohl keinen Einspieler aus Warendorf geben – zumindest nicht mit Ministerin. 

Bei Hitze im Tarnfleck, aber nicht zugeknöpft

Auf dem Gelände bei Sonne und Temperaturen von 27 Grad im kaum vorhandenen Schatten zeigten sich die Soldatinnen und Soldaten, wenn auch im schweißtreibenden Tarnfleck, keinesfalls „zugeknöpft“. In bemerkenswerter Offenheit und sichtlich stolz sowohl auf ihren Job als auch über das ehrliche Interesse der Bevölkerung an den zahlreichen Ständen auf dem Gelände. 

Das Personal – Bundeswehr und die rund 60 weiteren Aussteller zusammengenommen, waren es rund 1500 „Diensthabende“ – hatte nicht nur alles generalstabsmäßig vorbereitet, sondern sich auch Kreatives einfallen lassen, um die Besucher, darunter viele Familien mit Kindern, nicht nur zu informieren, sondern auch aktionsreich zu unterhalten.

Riesen-Bildschirme und Live-Stream

Auf riesigen Bildschirmen wurden Interviews und Darbietungen von den einzelnen Stationen eingespielt, das Ganze auch live ins Internet gestreamt. Ein Überraschungsmoment war die Stippvisite einer mächtigen Transportmaschine A 400 M der Luftwaffe, die um 13.45 Uhr im Tiefflug, mit den Flügeln, winkend über das Veranstaltungsgelände propellerte. Es war nicht der einzige Oho- und Aha-Effekt.

Lambrecht-Motto: „Wir sind da“

„Wir sind da“, sagte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) bei ihrem Auftritt, und griff damit das Motto des Tages der Bundeswehr auf. Die oberste Dienstherrin zeigte durch eine mehr als vierstündige Präsenz auf dem Lohwall, dass sie sich dieses Motto auch persönlich zu Eigen gemacht hatte an diesem Tag. Beim Besuch der Schau könne die Bevölkerung ins Gespräch kommen mit Soldaten, die bestqualifiziert, hochmotiviert und auch kreativ seien.

Erst Kreativität aus Not, jetzt 100 Milliarden Euro

Und diese Kreativiität sei lange Jahre in der Bundeswehr auch dringend erforderlich gewesen angesichts der finanziellen Ausstattung. Sie verwies auf das kürzlich beschlossene 100-Milliarden-Euro-Sonderprogramm, das die Armee in die Lage versetzen solle, ihren Aufgaben in der Landes- und Bündnisverteidigung nachzukommen. 

Werte auch militärisch verteidigen

Gerade die vergangenen Monate hätten gezeigt: Wenn die Menschen in Frieden, Freiheit und Demokratie leben wollten, sei es notwendig, diese Werte auch gegebenenfalls mit militärischen Mitteln zu verteidigen. Das hätten viele Menschen in den vergangenen Jahren verdrängt. Angesichts der Entwicklung der aktuellen weltpolitischen Lage aber müssten auch die Bürger geradezu „einfordern“, dass die Bundeswehr angemessen ausgestattet werde, „um abzuschrecken und auch gegebenenfalls für diese Werte zu kämpfen“.

Fehlen von Schutzausrüstung „untragbar“

Und wenn sie bei Truppenbesuchen höre, es fehle selbst an elementaren Dingen bei der persönlichen Schutzausrüstung, sei das „ein untragbarer Zustand“. Jetzt, da mehr Geld bewilligt worden sei, müsse aber auch das „Beschaffungswesen“ durch Bürokratieabbau und Beschleunigung optimiert werden, um das Geld effizient einzusetzen. Dafür habe der Bundestag gerade in dieser Woche die Voraussetzungen geschaffen.

Reservisten für den Heimatschutz

Auf „Glocke“-Nachfrage, inwiefern sich die Familien von rund 900.000 aktiven Reservisten in Deutschland Sorgen machen müssen, dass diese angesichts der prekären Weltlage rekrutiert werden, antwortete Lambrecht zunächst nur mit einem „Dankeschön“ an die Reserve. Es sei „so wichtig, dass wir uns auf sie verlassen können“. Denn wenn Soldaten in Einsätze gingen, entstünden Lücken, die dann von Reservisten im „Heimatschutz“ geschlossen werden müssten: „Deshalb sind sie für uns ein wichtiges Rückgrat.“

Vorab Besuch in der Sportschule

Bevor Lambrecht auf das Veranstaltungsgelände gekommen war, hatte sie die Sportschule der Bundeswehr mit dem Zentrum für Sportmedizin in der Bundeswehr besucht. Wie eng das Band zwischen Zivilgesellschaft und Militär sei, zeige die Gastgeberschaft der Stadt Warendorf und deren gelebte Verbindung mit den Einheiten am Standort. 

Gegenseitig Wertschätzung und Unterstützung

Der Dank der Ministerin galt Stadt und Kreis Warendorf, vertreten durch Bürgermeister Peter Horstmann und Landrat Dr. Olaf Gericke, für die tatkräftige Unterstützung bei der Ausrichtung dieser Großveranstaltung. Horstmann gab den Dank zurück und betonte ebenfalls die enge Verbindung der Stadt zur Bundeswehr.

Weitere 20 Millionen Euro für Standort Warendorf

Ihre Ankündigung, dass die bessere Finanzausstattung der Armee auch in die Infrastruktur investiert werden soll, machte Lambrecht  an Warendorf deutlich. Hier seien in den vergangenen Jahren schon sechs Millionen Euro investiert worden. Und dann kündigte die Ministerin etwas an, was selbst in Warendorf bis Samstag nur wenige gewusst haben dürften: „Es werden weitere 20 Millionen Euro folgen.“ 

Auf Nachfrage bei einer Pressekonferenz äußerte sich die Ministerin nicht, in welchem Zeitraum und wofür konkret die 20 Millionen investiert werden. Nach „Glocke“-.Informationen geht es aber unter anderem um barrierefreie Gebäude, um die Rehabilitationsarbeit für einsatzgeschädigte und krankheitsbedingt beeinträchtigte Soldaten, die vom Zentrum für Sportmedizin in Kooperation mit der Sportschule therapiert werden, auszubauen.

Nicht nur in  Waffen, in Infrastruktur investieren

Es sei wichtig, Geld nicht nur in Waffen und Ausstattung der Soldaten zu stecken, sondern auch in die Infrastruktur, um als attraktiver Arbeitgeber junge Menschen für den Militärdienst zu gewinnen. 

Sportschule und Sportmedizin präsentierten sich hochinteressant, aber leider etwas abseits vom Hauptgelände jenseits des Wiesengrunds, unter anderem mit Informationen über Rehamaßnahmen für Soldaten und mit der Sportfördergruppe, darunter Promis wie der Biathlet Benedikt Doll und der Bobfahrer Matthias Sommer – zwei Wintersportler, die trotz brütender Hitze gern Werbung für ihren Sport und die Bundeswehr machten.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.