Bestseller-Autorin liest in Warendorf aus ihrem Buch


Nicole Staudinger hat ein neues Buch geschrieben - über das Glück. In Warendorf hat die Autorin auch von ihren Schicksalsschlägen erzählt.

Trotz zahlreicher Schicksalsschläge hat die Bestsellerautorin Nicole Staudinger ihren Humor nicht verloren. Foto: Andreas Poschmann

Warendorf (ap) - Sie hat einen Wiener Walzer zu Doris Day getanzt, Wein getrunken und ist erst um vier Uhr in der Früh zu Bett gegangen. Die Erinnerungen an den letzten Auftritt im Hotel Im Engel sind bei Nicole Staudinger noch präsent. Das ist nun zweieinhalb Jahre her. Am Dienstag gastierte die Kölnerin auf Einladung der Buchhandlung Ebbeke wieder in Warendorf. 

200 Termine wurden storniert 

Dreimal musste der Auftritt aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden. Staudinger ist, wie viele Künstler, durch ein Tal der Tränen gegangen: 200 Termine wurden storniert, sie hat sich scheiden lassen und ist nun alleinerziehende Mutter zweier Kinder. „Wenn die Bank angerufen hat, habe ich den Hörer nicht abgenommen“, sagt sie. 

Was sie denn noch so alles während der Corona-Pandemie gemacht habe, will Reinhard Hesse (Buchhandlung Ebbeke) wissen. „Ich habe viel gegessen und bin viel gelaufen.“ „Nebenbei“ hat Staudinger ein neues Buch geschrieben – „Von jetzt auf Glück“, so der Titel. Nimmt man indes Staudingers Schicksalsschläge einmal zusammen – von ihrer Krebserkrankung über die Trennung bis hin zu harten finanziellen Einschnitten durch die Pandemie – dann wirkt der Titel des Bestsellers nun doch ein wenig befremdlich. 

Staudinger ist eine „Schlagfertigkeitsqueen“

Wer so vom Schicksal gebeutelt ist, kann doch nicht ernsthaft ein Buch über das Glück schreiben, oder etwa doch? Staudinger wäre nicht die „Schlagfertigkeitsqueen“, wenn sie das nicht könnte. „Ich habe sehr viel Glück in meinem Leben gehabt“, sagt Staudinger, „zum Beispiel einen Verlag zu finden, der ein Buch herausbringen will, von dem erst zehn Seiten geschrieben sind und das zu einem Thema, das mindestens so oft behandelt wird wie das Abnehmen.“ 

Vorlesen möchte die Autorin an diesem Abend jedoch nicht ganz so viel. „Das gibt es doch alles gedruckt“. Viel lieber spricht sie über die letzte Karnevalsfeier 2020 in Köln, als sie mit einem Stehtisch noch „King of the Kneipe“ war. Dann wieder parliert sie über das Erklärbär-Syndrom, bei dem Männer erklären, wie Frau die Spülmaschine richtig einräumt, um selbst das Geschirr einfach oben drauf zu stapeln. Dem überwiegend weiblichen Publikum gefällt dieses Humor.

Zustimmung für kritische Worte 

Auch als sie ihre krasse Kritik am staatlichen Umgang mit der Kunstszene und Freiberuflern während der Pandemie deutlich äußert, bekommt sie viel Zustimmung aus dem Publikum. „Wir Künstler dürfen alles an Hilfen zurückzahlen. Kinder sind ja keine Betriebskosten und zu essen brauchen wir ja auch nichts. Ich jedenfalls zahle nichts zurück und hoffe, dass die mich in den Knast stecken“, sagt Nicole Staudinger. Sie habe während der vergangenen anderthalb Jahre zu einem ihr völlig neuen Zynismus gefunden. Ob das ein Hinweis auf ihr kommendes Buch ist, bleibt an diesem Abend jedoch offen.

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