Rosenmontagsumzug in Milte für 2022 und 2023 abgesagt


Der Milter Rosenmontagsumzug steht vor einer ungewissen Zukunft. Für die nächsten zwei Jahre wurde er abgesagt.

Zuletzt fand der Milter Rosenmontagsumzug im vergangenen Jahr statt. Seine Zukunft ist ungewiss. Für vorerst zwei Jahre wird die Veranstaltung jetzt ausgesetzt. Damit es weitergeht, müssen sich Milter finden, die sich engagieren. Archivfoto: Kleigrewe

Milte (gl) - Der Milter Rosenmontagszug legt eine Pause ein. Weder im nächsten Jahr noch 2023 wird es den Straßenkarneval geben. Was zunächst für die nächsten zwei Jahre feststeht, kann aber auch Folgen darüber hinaus haben, wie Dietmar Knorr, Markus Borgmann und Ingo Schwien für die Milter Pappnasen mitteilen. Das endgültige Aus des Dorfkarnevals könnte besiegelt sein.

Gebeutelt von Covid und Nachwuchssorgen

In der jetzigen Zeit, gebeutelt von der Covid-19-Pandemie, sei es unmöglich, eine Veranstaltung dieses Ausmaßes stattfinden zu lassen, heißt es beim Organisationsteam. Zudem beschäftigt die Milter Narren nach eigenen Angaben ein Umstand, der auch vielen anderen Vereinen zu schaffen mache: Verantwortliche Positionen können nicht mehr besetzt werden. Scheiden Funktionsträger aus, können keine Nachfolger gefunden werden. Das sei ein Hauptgrund für die angekündigte Pause von zwei Jahren, heißt es von den Pappnasen.

Etwas Hoffnung für die Zeit danach hegen die Milter Narren nach eigenen Angaben aber noch: wenn sich womöglich neue Personen zusammenfinden, um den Milter Karneval fortzuführen. „Alle bislang aktiven Mitglieder wünschen sich, dass der Milter Karneval weiter gefeiert werden kann“, heißt es in der Mitteilung von Dietmar Knorr, Markus Borgmann und Ingo Schwien. „Nur müssen sich dazu neue interessierte Bürger finden, die ihre Ideen verwirklichen möchten und den Mut besitzen, die Verantwortung für diese Veranstaltungen zu übernehmen.“

Spontane Anfänge

Angefangen hat es in Milte mit der Narretei mit einer Hand voll Menschen, die sich im Jahr 1991 durch den Golfkrieg nicht vom Karneval abbringen lassen wollten. Aus diesem Grund trafen sie sich mit einer Mütze oder Pappnase im Hotel Biedendieck. Der Abend wurde mit Gesang und Fröhlichkeit begangen, und so kam es zur ersten Sitzung des Pappnasenvereins Milte, der stets ein „n.n.e.V.“, ein „noch nicht eingetragener Verein“, bleiben sollte.

In den folgenden Jahren erfreute sich der Karnevalsverein in Milte immer größerer Beliebtheit und einer stets wachsender Anhängerzahl. Weit mehr als 150 Mitglieder zählen die Pappnasen bis heute. Was mit einer spontanen Feier einer Clique begann, entwickelte sich zu einem festen Karnevalsbestandteil im örtlichen Veranstaltungskalender.

Prinz wird per Los gefunden

Beim traditionellen Beisammensein vor Rosenmontag wurde schnell die Idee geboren, einen Prinzen unter den Teilnehmer per Los zu ermitteln. Wer wollte, machte mit. Mit Spannung wurde dann um 23.11 Uhr der Name gezogen. Ein adrenalingeladener Moment für alle Anwärter im Lostopf. Unter großem Jubel wurde der Pappnasenprinz inthronisiert und gefeiert. Lediglich drei Aufgaben hatte dieser in der Amtszeit zu beschreiten: die Teilnahme am Milter Rosenmontagszug, den Besuch des Kinderkarnevals und die Mitarbeit im Vorstand.

Ebenso spontan wie die Gründung des Vereins war auch die Entwicklung des Milter Rosenmontags. Da die Pappnasen an diesem Tag mit ihrem Wagen beim Warendorfer Lindwurm teilnahmen, fuhren sie im Vorfeld durch die Milter Straßen. Sehr zur Freude der örtlichen Einwohner. Schnell entstand daraus in den Folgejahren ein offizieller Rosenmontagszug mit den Milter Musikzügen des Spielmannszugs, mit dem Fanfarencorps und den Dorfmusikanten.

Mit befreundeten Gruppen und Vereinen

Zudem reihten sich viele Milter Gruppen und befreundete Vereine aus den Nachbargemeinden in den morgendlichen Karnevalszug ein. Stattfinden konnte der Karnevalszug durch die „Veranstaltergemeinschaft Milter Rosenmontagszug“, einer Gruppe von Miltern, die nicht nur organisatorisch, sondern auch versicherungstechnisch mit ihrem Namen Verantwortung übernahm. Jährliche Karnevalsfeiern, Silvesterpartys und sommerliche Radtouren gehörten zum Programm der Pappnasen, die zudem die freundschaftliche Verbundenheit zur Karnevalsgesellschaft Schwarz-Gold Telgte pflegten.

Auch ernste Themen

Über die Feierlichkeiten hinaus standen auch ernste Themen auf dem Programm der Pappnasen. So organisierten sie beispielsweise im Winter 1999 eine Busfahrt nach Oelde, wo eine Typisierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) stattfand. 36 Milter machten sich schließlich auf den Weg, um sich in die Datei aufnehmen zu lassen und im Bedarfsfall zu spenden.

Alte Hasen sind ansprechbar

Für Fragen zur Zukunft des Milter Karnevals stehen allen interessierten Einwohnern die Pappnasenmitglieder Markus Borgmann, Ingo Schwien und Dietmar Knorr jederzeit zur Verfügung

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