Warendorf: Fahrradwerkstatt sucht Fahrräder


Wer hat Fahrräder, insbesondere für Kinder, übrig? Die Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge sucht aktuell Spenden. 

Vor Herausforderungen stellt der Ukraine-Krieg auch die Mitarbeiter der Fahrradwerkstatt: (v. l.) Norbert Breuer, Burkhard Stienemeier, Dr. Erich Tertilt, Vanessa Beer (Stadt), Willi Grothues und Heinz Voss.

Warendorf (bjo) - Deutlich über 500 Fahrräder haben die Ehrenamtlichen der Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge in den vergangenen Jahren schon herausgegeben. „Die Krieg in der Ukraine und der Zustrom neuer Flüchtlinge stellt uns vor Herausforderungen“, sagt Dr. Erich Tertilt. Gerade Fahrräder für (Schul-)Kinder werden gesucht. 

Im Keller des Schulgebäudes an der Hermannstraße, in dem auch die Schule für Musik untergebracht ist, hat die Fahrradwerkstatt seit 2017 eine dauerhafte Heimat gefunden. Mit Unterstützung der Stadt Warendorf und zahlreicher Spender konnte in den Kellerräumen eine gut ausgestattete Fahrradwerkstatt eingerichtet werden. Das Werkzeug hängt geordnet an den Wänden, Ersatzteile finden sich beispielsweise in den Schubladen eines Schranks. 

Gespendete Räder müssen nicht vollständig in Ordnung sein

Bei der Arbeit: Willi Grothues bereitet einen Kettenschutz für die Montage vor.„Jedes Fahrrad, das wir herausgeben, ist verkehrssicher“, betont Burkhard Stienemann und zeigt auf die grünen Kärtchen, die an manchen der im Lagerkeller stehenden Fahrräder hängen. „Das ist das Zeichen dafür, dass alles okay ist.“ Viele grüne Kärtchen allerdings sind derzeit nicht zu sehen in den Kellerräumen. „Wir sind auf Fahrradspenden angewiesen“, hofft Dr. Erich Tertilt darauf, dass Bürger gebrauchte und ausgemusterte Fahrräder zur Verfügung stellen – beispielsweise mit der Anschaffung eines neuen E-Bikes. 

Kein Problem sei es übrigens, wenn die gespendeten Räder nicht (vollständig) in Ordnung seien, macht Stienemann deutlich. „Notwendige Reparaturen übernehmen wir, bevor wir die Fahrräder herausgeben. 

Räder bei der Werkstatt vorbeibringen

Praktisch jedes Rad muss repariert werden“, weiß

Unter den 342 aus der Ukraine geflüchteten Menschen, die aktuell in Warendorf leben, befänden sich 102 Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren, berichtet Vanessa Beer, die bei der Stadt Warendorf Integrations- und Flüchtlingsangelegenheiten betreut. Anhand dieser Zahlen wird auch deutlich, wie groß der Bedarf an Fahrrädern und Kinderrädern aktuell ist. „Fahrradfahren ist ein Stück Freiheit“, sagt Beer. Anders als viele aus Syrien oder Afghanistan geflüchtete Frauen beherrschten die Ukrainerinnen das Radfahren auch schon. Nach wie vor seien viele der aus der Ukraine vor dem Krieg geflüchteten Menschen privat bei Gastfamilien untergebracht, sagt Vanessa Beer.

Norbert Breuer, dass oftmals die Bremsbeläge erneuert oder Reparaturen an der Lichtanlage vorgenommen werden müssen. Ganz besonders gelte das auch für manche der Fahrräder, die die Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge aus dem Bestand des städtischen Fundbüros erhalte, wenn die gefundenen Räder dort nicht abgeholt würden. 

Wer Räder spenden wolle, könne diese zu den Öffnungszeiten der Fahrradwerkstatt (dienstags 9.30 bis 11.30 Uhr und donnerstags 13.30 bis 16 Uhr) am Schulgebäude Hermannstraße 23 vorbeibringen. Auf Wunsch und nach Absprache hole man die Räder auch bei den Spendern ab, sagen Dr. Erich Tertilt (Tel. 02581/8044) und Norbert Breuer (Tel. 02581/634530).

Experten geben ihr Wissen weiter

Fahrräder für (Schul-)Kinder sind nur wenige vorhanden, weiß Burkhard Steinemeier. Deswegen bitten die Ehrenamtlichen um Spenden. Beruflich hatte übrigens keiner der 13 ehrenamtlichen Helfer, unter ihnen auch zwei Geflüchtete aus Syrien, etwas mit Fahrrädern zu tun. „Wir haben zwei Kfz-Mechaniker in unseren Reihen“, sagt Breuer und ist dankbar, dass Zweiradmeister Norbert Papenbrock in der Vergangenheit so manchen Workshop mit den Ehrenamtlichen gemacht hatte. 

Das Wissen um die Fahrradreparatur wolle man gerne an weitere ehrenamtliche Helfer weitergeben: „Wir suchen Nachwuchs“, verweist Tertilt auf das nicht gerade niedrige Durchschnittsalter der Ehrenamtlichen. Mitgeholfen werden könne auch zu anderen Zeiten. Eine Öffnung des Fahrradkellers beispielsweise am Samstag sei durchaus denkbar, sagt er.

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