Warendorf: Um 5 Uhr morgens rappelt es vor dem Fenster


In kleinerer Ausführung, aber dennoch attraktiv wie eh und je: Der Fettmarkttrödel in der Warendorfer Altstadt begeisterte.

Kein Fettmarkt ohne die Familie: Amelie und Julia Over, Harriet Ahmer, Kirsten und Ronja de Boer sowie Carolin Ahmer (hinten stehend von links) freuen sich alljährlich bei Mutter Gerda Lange (vorne) an der Oststraße beim Trödel dabei zu sein. Foto: Rieder

Warendorf (jor) - Halb so groß, genau so toll (und voll) – so ließe sich der diesjährige Fettmarkttrödel beschreiben. Auffällig war, dass die Trödelstände nur auf jeweils einer der Straßenseiten angeordnet waren. 

Das führte zwar insgesamt zu weniger Gedränge in den Straßen, dafür aber zu ein wenig mehr davon an der jeweiligen Trödelseite. Trotzdem könnte diese Lösung erfolgversprechend für die Zukunft sein, denn dem Spaß am Suchen, Feilschen und Kaufen tat es keinen Abbruch. Nur die früher oft gefühlte unbequeme Enge fehlte an diesem Fettmarktmittwoch in der Warendorfer Innenstadt. An vielen Stellen war sogar noch Platz für weitere Trödelstände, manche Lücke hatte sich – möglicherweise wegen der nicht allzu vielversprechenden Wetterprognosen – aufgetan. 

„Alle wirken sehr zufrieden“

Offizielle Zahlen gibt es zwar nicht, aber die Zahl der Besucher schien nicht geringer als in den Vorjahren. 2020 ausgenommen, denn da lag sie coronabedingt bei Null. Entsprechend kommentierte Polizeihauptkommissar Dirk Schellhammer das Geschehen: „Man hat das Gefühl, dass alle raus wollen und alle wirken sehr zufrieden.“ Gemeinsam mit Polizeihauptkommissar Helmut Linnenbank lobte er die Besucher. Beide sprachen von einem „sehr angenehmen Publikum“. 

Trödler wecken Anwohner schon um 5 Uhr

Das war teilweise bereits sehr früh morgens unterwegs gewesen, wie Burkhard Tovar, Kaufmann und Anwohner an der Freckenhorster Straße, bestätigte. „Wir schlafen bei offenem Fenster und um 5 Uhr gingen plötzlich Geschepper und andere Geräusche los“, sagte er, konnte sich dabei aber ein fröhliches Schmunzeln nicht verkneifen. Denn er hatte sich entschieden, den Trödelstand der Familie erst um 7.30 Uhr aufzubauen. Da liefen die Geschäfte bereits – und sie liefen gut, wie er unterstrich. Zumindest war er selbst mit dem Abverkauf dessen, was sich „zuhause über Generationen angehäuft“ hatte, sehr zufrieden. 

Geld für die Kinder-Spardosen

Das war auch Familie Droste aus Milte, die am anderen Ende der Stadt ihren Stand hatte. „Fast alles leergeräumt“, bestätigte Christiane Droste, und Ludger Droste ergänzte: „Wirklich erfolgreich.“ Darüber freuen sich Luisa, Lasse und Marleen, denn „es ging ja hauptsächlich um die Kinder, das Geld wandert in die Spardosen“, wie die Eltern betonten.

Verkauf wird zur Familienangelegenheit

Mit drei bis vier Generationen war an der Oststraße 18 ein echter „Familienstand“ zu finden. Alljährlich zum Fettmarkt trödeln sie hier, und Kirsten de Boer kann sich nicht vorstellen, einen solchen Flohmarkt vor ihrem Elternhaus auszulassen. Sie seien drei Schwestern, die meist schon am Vorabend des Fettmarkttrödels zum Wein zusammenkommen und am nächsten Tag gemeinsam mit dem familiären Anhang den Trödel genießen. Auch Mutter Gerda Lange ist gerne mit von der Partie. „Die vierte Generation, die Urenkel, sind allerdings gerade mit den Männern unterwegs“, erklärte Kirsten de Boer bei der Aufstellung zum Familienfoto. 

Auch Petra Althelmig trödelt vor ihrem Elternhaus an der Emsstraße, in dessen Ladenlokal schon viele unterschiedliche Betriebe ansässig waren. Zuletzt stand es leer, aber: „Das Haus wird wieder fertig gemacht“, verspricht Althelmig. Abgesehen von ohnehin geschlossenen Ladenlokalen hatten die meisten Geschäfte in der Altstadt trotz des Trödels geöffnet und machten vermutlich ganz gute Umsätze. 

Sogar Strom und Gas waren im Angebot – der WEV City-Shop der Stadtwerke konnte sich am Mittwoch über eine rege Nachfrage freuen. „Kein Wunder“, sagte Pressesprecherin Alice Kaufmann „denn bei der aktuellen Preisentwicklung zählt der von uns angebotene Preis für Gas zum Günstigsten, was erhältlich ist –und das mit einer einjährigen Preisgarantie. Wir haben extrem günstig eingekauft“, begründete sie das lohnenswerte Angebot. 

Besucher stärken sich am gastronomischen Angebot

Neben Trödlern und Kaufleuten durften sich auch viele Gastronomen über den gelungenen Fettmarkt freuen. Einer der beliebtesten und traditionsreichsten Stände hatte sein Quartier am Heumarkt aufgeschlagen, wo der Duft der von engagierten Schützenbrüdern gebackenen Reibekuchen großen Appetit weckte. 

„Sehr lecker,“ bestätigten Ella und Gaby Bagsik den Geschmack der goldgelben und knusprigen Kartoffelplätzchen, die noch bis zum stürmischen Nachmittag zu den Favoriten des Fettmarkttrödels zählten.

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