Warendorfer Bücherei: Experten für Gespräch ausleihen


Ähnlich wie Bücher können in der Stadtbücherei Warendorf Menschen ausgeliehen werden. Und zwar für ein Gespräch.

Hoffen auf tolle Gespräche am Freitag, 17. Juni: (v. l.) die Studentinnen Melina Kortmann, Sarah Hagedorn und Elisa Rickert sowie Lisa Woitschikowski von der Stadtbücherei.

Warendorf (gl) - „Barrieren im Alltag – wer behindert wen?“ ist das Motto der sogenannten Living Library, die am Freitag, 17. Juni, von 14 bis 18 Uhr im Sophiensaal in der Warendorfer Stadtbücherei stattfindet.

Als Büchereileiterin Birgit Lücke und Lisa Woitschikowski, Medienpädagogin in der Bücherei, die E-Mail von Sarah Hagedorn, Melina Kortmann und Elisa Rickert lasen, mussten sie nach eigenen Angaben nicht lange für eine Antwort überlegen.

Die drei Studentinnen des Studiengangs Bibliothek und digitale Kommunikation an der Technischen Hochschule Köln schlugen vor, gemeinsam mit der Stadtbücherei Warendorf eine Aktion zum Thema Barrierefreiheit und Inklusion zu organisieren und durchzuführen. Was für die drei Studentinnen ein Projekt im Rahmen einer Lehrveranstaltung ist, ist für die Stadtbücherei eine Gelegenheit, ihr Angebot weiter auszubauen.

Studenten entwickeln Projekt

Melina Kortmann stammt aus Ostbevern, hat viel Zeit in ihrer Jugend in Warendorf verbracht. Auch Elisa Rickert und Sarah Hagedorn kommen aus dem Münsterland, daher war für die drei schnell klar: „Wir wollen unser Praxisprojekt gern in unserer Heimat durchführen.“ Nach einem Gespräch waren sich alle Beteiligten schnell einig: Das Projekt kommt nach Warendorf.

Die Living Library ist ein Konzept, das nach dem Prinzip einer traditionellen Leihbibliothek funktioniert. Interessierte können ein Buch ausleihen, es lesen und es nach einer gewissen Zeit wieder zurückgeben. Wenn sie möchten, können sie auch ein neues Buch entleihen. Der Unterschied zwischen der klassischen Leihbibliothek und der Living Library ist jedoch unübersehbar: In der Living Library werden keine materiellen Bücher entliehen, sondern Menschen, die sich für ein Gespräch zu einem spezifischen Thema zur Verfügung stellen.

Vorurteile abbauen

Das Ziel dabei: durch den Dialog Vorurteile in Frage stellen und abbauen. Diese „lebendigen Bücher“ gehören dabei häufig Personengruppen an, die mit Vorurteilen, Diskriminierung oder Stigmatisierung konfrontiert sind. Die Entleiher erhalten so die Möglichkeit, mit den Personen in Kontakt zu treten, mit denen sie sonst eher weniger in Kontakt treten können oder wollen und sich zu informieren. 

So wird laut einer Mitteilung der Stadtbücherei ein konstruktiver Dialog über die Vorurteile ermöglicht, die häufig zur Diskriminierung der lebendigen Bücher beitragen. „Wir haben uns sehr gefreut, als die Studentinnen mit ihrer Idee an uns herangetreten sind. Und wer weiß, vielleicht können wir das Format ja regelmäßig anbieten, wenn es gut ankommt“, erklärt Lisa Woitschikowski, die das Projekt für die Stadtbücherei betreut.

Barrierefreiheit eines der Themen

Die „lebendigen Bücher“ zu den Themen Barrierefreiheit und Inklusion haben die Organisatorinnen bereits ausfindig gemacht. Sie decken ein breites Themenspektrum ab: neben einem Fachbuch zum Thema Lernbehinderungen wie Dyskalkulie, Legasthenie und ADHS werden auch Vertreter vom Blinden- und Sehbehindertenverein Warendorf, der Freckenhorster Werkstätten und dem Verein zur Förderung der Inklusion für Menschen mit Behinderung in Ostbevern als Experten ihr Wissen mit Interessierten teilen. 

„Das Ziel sind offene Gespräche mit Menschen, nicht über Menschen. Wir sorgen vor Ort dann aber selbstverständlich auch dafür, dass unsere Bücher unbeschadet wieder zurückgegeben werden“, erklären die Studentinnen lachend.

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