Warendorfer schockiert vom Zustand im Flutgebiet


Ein Bild vom Katastrophengebiet drei Monate nach der Flut hat sich eine Abordnung der Warendorfer Aktion Kleiner Prinz vor Ort gemacht.

Tauschten sich über den Fortschritt im Katastrophengebiet aus: (v. l.) Sara Wessel und Annette Gies von der OKUJA, Dieter Grothues („Aktion Kleiner Prinz Warendorf“) sowie Gregor Terporten und Sybille Laubner von der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Warendorf (gl) - Die Bilder der Flutkatastrophe vor gut drei Monaten in NRW sind vielen noch präsent. Zahlreiche Hilfsmaßnahmen sind in den vergangenen Wochen bereits in den betroffenen Regionen angelaufen. Um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen, ist eine Abordnung der Warendorfer „Aktion Kleiner Prinz“ in das Katastrophengebiet Bad-Neuenahr-Ahrweiler gereist. 

Der Projektleiter der „Aktion Kleiner Prinz“, Dieter Grothues und Klaus Schäffer als beratendes Mitglied für medizinisch-psychosoziale Fragen, wollten einerseits von der Flut schwer betroffene Familien mit Kindern zwecks finanzieller Unterstützung durch die Warendorfer Hilfsorganisation aufsuchen, als auch Gespräche bezüglich bereits angelaufener Hilfsmaßnahmen fortsetzen. 

Gespräche mit Projektpartnern

Gesprächspartner vor Ort war der OKUJA, eine städtischen Einrichtung in Bad Neuenahr-Ahrweiler, die freiwillige und überwiegend kostenfreie, pädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche im Programm hat. Ein weiteres Arbeitsgespräch fand mit der Lebensberatung im Bistum Trier statt, die in Ahrweiler ihr regionales Zentrum betreibt und ihr Engagement in der Erziehungs-, Familien-, Ehe- wie Lebensberatung wahrnimmt. Sie wird sowohl vom Bistum Trier wie auch vom Kreis Ahrweiler als auch durch das Landesjugendamt gefördert wird. 

„Die Besuche bei den betroffenen Familien waren erschütternd und bewegend, das Ausmaß der wirtschaftlichen, seelischen als auch körperlichen Folgen der Katastrophe sind kaum mit Worten zu beschreiben“, betont Klaus Schäffer. Zusammengefasst sei das Leben aller, denen Grothues und Schäffer begegneten, komplett auf den Kopf gestellt worden. 

Eine Nacht verändert alles

„Beinahe alle Wurzeln zum bisherigen Leben wurden von der Flut ausgerissen – in nur einer Nacht“, so Schäffer fassungslos. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli erreichte eine bis zu 3,75 Meter hohe Flutwelle Bad Neuenahr-Ahrweiler und schwemmte das vertraute Leben und Dasein aller weg. Familien wurden durch Tod, Verletzung und Existenzvernichtung in tiefste Verzweiflung und Not gestürzt. 

„Dieses Ausmaß ist kaum zu erahnen, es sei denn, man stellt sich den schrecklichen Bildern und Eindrücken vor Ort“, fasst Schäffer zusammen. Obwohl mittlerweile schon viele Aufräum- und Instandsetzungsmaßnahmen begonnen haben, wirken die Orte an der Ahr wie ausgestorben. Presslufthammer schlagen laut aus vielen Gebäuden, man hört Trockungsanlagen rauschen oder die Motoren der Stromgeneratoren tuckern.

Wiederaufbau wird sehr lange dauern

Schäffer berichtet weiter: „In Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde außerhalb der Stadt eine Containersiedlung errichtet, wo Familien, die nicht bei Angehörigen unterkommen können, untergebracht sind. Denn der Wiederaufbau wird sehr lange dauern. Derzeit gibt es noch kein Strom- und Gasnetz für gesicherte Beheizung im nahenden Winter.“ 

Dieter Grothues und Klaus Schäffer trafen in Bad Neuenahr die Pädagoginnen Sara Wessel und Annette Gies an der OKUJA-Villa, einem Haus aus der Gründerzeit, das die Stadt als Zuhause für die Kinder- und Jugendarbeit zur Verfügung gestellt hat. Auch dieses Haus wurde schwer getroffen von der Flut, eine weitere Arbeit ist dort unmöglich. 

Jugendarbeit in drei Bauwagen

Spontan besorgte die „Aktion Kleiner Prinz“ drei Bauwagen, die hierher verbracht wurden, stattete diese mit Spielmaterialien aus, so dass die Kinder und Jugendlichen an einem sicheren Ort zumindest ein eingeschränktes Angebot für die Freizeit hatten. Nun sollen in wenigen Wochen auf dem Grundstück der Villa zusätzliche Schulcontainer aufgestellt werden, die von der Aktion für zunächst neun Monate finanziert werden, damit die OKUJA ein richtiges Winterzuhause hat. 

Mit Gregor Terporten, von der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sybille Laubner vom Gebäude- und Grundstücksmanagement wurden die vorbereitenden Maßnahmen für die Containeraufstellung besprochen. Die Freude aller war groß über diese substanzielle Hilfe aus Warendorf. Zusätzlich wurden weitere Projektentwicklungen besprochen hinsichtlich personeller Ergänzungen im sozial-pädagogischen Arbeitsbereich, da mit einem deutlich erhöhten Bedarf an Betreuungsmaßnahmen wie psychosozialer Hilfen in den kommenden Monaten gerechnet werden muss. 

Therapieräume werden Instand gesetzt

Im Haus der Lebensberatungsstelle Ahrweiler finanziert die „Aktion Kleiner Prinz“ die Instandsetzung der Therapieräume im Erdgeschoß, die durch die Flut komplett zerstört wurden. In diesen Räumen finden Förderungen für Kinder mit seelischen Beeinträchtigungen, auch als Folge der Flutkatastrophe, wie auch kommunikative als auch spielerische Trainings für Eltern und Kinder wie Jugendliche mit Förderungsbedarf statt, damit diese Familien wieder stabilisiert und gefestigt werden. 

Mit dem Leiter der Lebensberatungsstelle, Christof Ewertz, fand ein intensiver Gedankenaustausch statt über die Ziele und Möglichkeiten einer weiteren Zusammenarbeit. Die „Aktion Kleiner Prinz“ wird ihre Hilfen und Unterstützungen in der Region verlässlich und wirksam fortführen.

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