Warum Warendorf Küchen erneut insolvent ist



Warendorf Küchen ist zum dritten Mal insolvent. Im aktuellen Fall hat das auch mit China Null-Covid-Politik zu tun.

Hochwertige Küchen werden im Werk an der Bundesstraße in Warendorf produziert.

Warendorf (gl) - Die Welt ist klein geworden. Entscheidungen, die die chinesische Führung im stillen Kämmerlein trifft, können konkrete Auswirkungen auf Firmen in der Emsstadt haben. Warendorf Küchen (ehemals Miele-Küchen) hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Zum dritten Mal nach 2015 und 2019.

Großauftrag aus China bricht weg

Und wie vor drei Jahren ist nun Stefan Meyer (Pluta, Münster) zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt worden. Rechtsanwalt Meyer und sein Team seien bereits im Unternehmen vor Ort, um sich einen Überblick über die aktuelle Situation des Küchenherstellers zu verschaffen, heißt es in einer Mitteilung des Insolvenzverwalters. Grund für den Insolvenzantrag seien Liquiditätsschwierigkeiten, insbesondere bedingt durch die derzeitige wirtschaftliche Lage in China.

Dem chinesischen Investor, der das Unternehmen nach der zweiten Insolvenz im Jahr 2019 übernommen hatte, macht die chinesische Null-Covid-Politik zu schaffen. Sie habe weitreichende, negative Auswirkungen auf die dortige Baubranche, die auch maßgeblich das Projektgeschäft von Warendorf Küchen beeinflussen. Ein für November und Dezember fest geplanter Großauftrag sei auf unbestimmte Zeit in das Jahr 2023 verschoben.

Hohe Umsatzeinbußen

Diese Verschiebung habe zu erheblichen Umsatzeinbußen und folgend zu Liquiditätsengpässen geführt. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation in China habe der Gesellschafter und Investor mitgeteilt, Warendorf aktuell nicht mehr finanziell unterstützen zu können.

„Die Situation kam für mich um so mehr überraschend, da wir gerade auf einem so vielversprechenden, positiven Weg sind. Wir konnten den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr 2021 im laufenden Jahr um circa 20 Prozent erhöhen, haben ambitionierte Neukunden gewonnen und eine klare Differenzierungsstrategie entwickelt. Ich glaube fest daran, dass Warendorf zu einer der erfolgreichsten Premiummarken werden kann und hoffe stark, dass wir für diese Situation eine Lösung finden“, wird Daniel Griehl, seit Mitte 2022 Geschäftsführer der Küchenfabrik, in der Mitteilung zitiert. Griehl war vom Küchenmöbelhersteller Siematic nach Warendorf gewechselt. Jeffrey Wang wird nicht mehr als Geschäftsführer geführt.

Acht Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr

100 Beschäftigte hat das Unternehmen, das 2021 acht Millionen Euro umsetzte. Laut im Mai im Bundesanzeiger veröffentlichter Bilanz hat die Firma das Jahr 2020 mit einem Minus von rund 1,5 Millionen Euro abgeschlossen. Zahlen für 2021 hat das Unternehmen noch nicht veröffentlicht.

Die Gehälter der Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert. Die Mitarbeiter seinen auch informiert worden. Der Geschäftsbetrieb soll fortgeführt werden. „Wir werden nun schnellstmöglich alle bestehenden Aufträge analysieren und nach der ersten Bestandsaufnahme mit den Kunden Kontakt aufnehmen, um diese über den weiteren Fortgang zu informieren“, so Pluta-Anwalt Stefan Meyer. In einem ersten Schritt gehe es darum, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und anschließend die langfristige Fortführungsprognose zu prüfen.

Hilfe aus China wird es dabei vermutlich nicht geben. Derzeit deutet wenig darauf hin, dass China seine Null-Covid-Politik ändert.

Einst als Miele-Tochter gestartet

Als Miele-Tochter startet unter dem Namen „Miele – die Küche“ die Produktion von Küchen in Warendorf. Bis zum Jahr 2010: Der Name Miele verschwindet. Seitdem firmiert das Unternehmen unter dem Markennamen Warendorf.

Und seitdem hat es immer wieder Probleme gegeben, wie die beiden Insolvenzen in den Jahren 2015 und 2019 belegen. Im Dezember 2015 hatte die Firma, die auf die Produktion von hochwertigen und damit auch hochpreisigen Küchen setzt, ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung beantragt. Ursächlich für die schwierige wirtschaftliche Situation sei „ein deutlicher Rückgang in einzelnen Marktsegmenten, der durch ein dynamisch wachsendes Auslandsgeschäft bisher nicht vollständig kompensiert werden konnte“, hieß es seinerzeit. 2016 war mit Cobe Capital ein neuer Investor gefunden, die Zukunft gesichert. Bis zum Jahr 2019. Da wollte Cobe kein Geld mehr zuschießen. Seit Ende des vergangenen Jahres habe kein Konsens mehr über die weitere Finanzierung der notwendigen Investitionen gefunden werden können, teilte der Insolvenzverwalter seinerzeit mit.

Im Juni 2019 übernahm dann ein Investor aus Hongkong das Warendorfer Unternehmen.

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