70 Prozent der Milchbauern geben auf



Kreis Warendorf / Warendorf (hjk) -  Umgesattelt, ohne Nachfolger, aufgegeben: Die Zahl der Milchviehbetriebe im Kreis Warendorf hat sich in 20 Jahren enorm verringert. Zählte man 1990 noch 1301 Höfe mit 20 696 Kühen, so waren es 2010 nur noch 381 Betriebe mit 12 834 Tieren – 70 Prozent weniger.

Immer weniger Milchviehhalter gibt es im Kreis Warendorf – ihre Zahl ist in den vergangenen 20 Jahren um 70 Prozent geschrumpft. Eine Entwicklung, die sich weiter fortsetzen könnte.

 „Die derzeitigen Marktbedingungen für Milcherzeuger werden über kurz oder lang zum Aussterben bäuerlicher Betriebe führen“, verweist der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber auf eine Verkleinerung des Marktes um 5,1 Prozent allein im vergangen Jahr. Schaber tritt für eine Neugestaltung des Milchmarktes ein: „Ein Modell der flexiblen Mengenanpassung.“ Tobias Schwakenberg, BDM-Sprecher im Kreis Warendorf, kennt solche Modelle aus Kanada: „Da sitzen Milchbauern, Molkereien, Handel und Verbraucher an einem Tisch, überlegen, was der Markt an Mengen verträgt und wie hoch die Produktionskosten sind – und das klappt.“ Die Produkte seien dann zwar nicht billig, aber die Preise auch für die Endkunden vertretbar, so Schwakenberg.

Weltmarktbedingungen

Die jetzige Situation, in der für 2015 sogar eine Produktion unter Weltmarktbedingungen mit Mengenfreigabe geplant sei, sorge eher dafür, dass immer mehr Milchkühe abgeschafft würden: „Das Argument, der asiatische Markt sei noch aufnahmebereit, zählt nicht – die haben uns abgeschaut, wie man Autos baut, die werden auch bald wissen, wie man Milch produziert.“ Derzeit ist der Preis für Milch, den die Erzeuger erzielen, bereits wieder leicht rückläufig. Im Dezember lag er bei 33 Cent pro Liter, davor bei 35. „Einige Molkereien haben schon Probleme, die 30 Cent zu halten“, sieht Schwakenberg diese Entwicklung mit Sorge, wobei er das Deutsche Milchkontor (Humana) noch gut aufgestellt sieht. Niedrige Erlöse, steigenden Produktions- und Energiekosten, der Zwang zur Modernisierung, wenn Ställe in die Jahre kommen – dies sind Faktoren, die Milchviehhalter im Keis Warendorf ins Grübeln über die Zukunft ihrer Höfe kommen lassen. Denn in der Region sind es hauptsächlich Familienbetriebe, Höfe, auf denen jeder mit anfasst, vom Heranwachsenden bis zum Senior. Schwakenberg: „Und wenn dann einer sagt, dass man mit 30 Cent pro Liter leben kann, dann sag ich ihm, dass er sich mal seinen Stundenlohn ausrechnen soll.“

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