Abschied von Delfinen verschoben



Münster (azi) - Die Delfine Nando, Rocco und Palawas werden im Allwetterzoo Münster länger schwimmen als erwartet. Eigentlich sollte am vergangenen Sonntag ihre letzte Schau sein. Doch solange noch kein neues Zuhause für die Tümmler gefunden ist, bleiben sie in ihrem Becken.

Abschied auf Raten: Anders als zuvor angekündigt bleiben Münsters Delfine nun doch noch ein Weilchen länger im Zoo.

Ursprünglich sollten die Delfine am 6. Januar zum letzten Mal in Münster auftreten, bevor sie in andere Zoos abgegeben werden. Nun wurde der Abschied vertagt – laut Delfinarium-Betreiber Henk Hiddingh, weil noch kein künftiger Platz für die drei Tümmler gefunden sei. Dennoch sollen Rocco, Nando und Palawas Münster in Kürze verlassen – ein Schritt, die Verbände wie der Tierschutzbund begrüßen.

Bis dahin werden die Tiere weiterhin während der Vorführungen zu sehen sein. Das Datum des Transports gibt das Delfinatrium nicht bekannt – dann gäbe es vielleicht Proteste von Tierschützern, die den Ablauf stören könnten. 2013 soll die Anlage zum „Robbenhaven“ umgebaut werden – Schaus finden danach ausschließlich mit Seelöwen statt.

Kritik von Tierschützern

Seit 1974 gibt es das Delfinarium im Allwetterzoo Münster. Seitdem leben dort verschiedene Meeressäugetiere gemeinsam – zurzeit sind es Große Tümmler und Kalifornische Seelöwen. Alle Tiere wurden bereits in europäischen Zoos geboren. In Münster leben die Meeressäuger in vier Becken, die insgesamt zwei Millionen Liter Wasser fassen. Es entspricht zwar den EU-Richtlinien zur Zootierhaltung, wurde aber in jüngerer Zeit immer wieder von Tierschützern kritisiert. Hauptkritikpunkt ist der mangelnde Platz für die ausdauernden Schwimmer.

Nicht nur wegen der Delfine verzeichnete der Allwetterzoo Münster im Dezember und der ersten Januarwoche mehr Besucher als in den Vorjahren zu dieser Zeit. Grund dafür war nach eigenen Angaben die Aktion „Bezahlen Sie, was Sie wollen“.

Aktion übertrag Marketingexperten

Restaurants haben die neue Zahlmethode bereits getestet, auch Kinos haben sich herangewagt. Aber noch kein Unternehmen war mit der Aktion nach Angaben des Zoos so erfolgreich wie der Allwetterzoo Münster: Vom 1. Dezember bis zum 6. Januar konnten alle Zoobesucher selbst bestimmen, was ihnen der Rundgang wert ist. Insgesamt 75.850 Menschen nutzen diese Gelegenheit. Mit gut doppelt, eventuell dreimal so vielen Besuchern hatten Marketingexperten der Technischen Hochschule Aachen im Vorfeld gerechnet. Sie begleiten das Projekt im Zoo und werteten zuvor bereits ähnliche Aktionen im In- und Ausland wissenschaftlich aus.

In Münster aber hatten sich die Besucherzahlen im Dezember gleich verfünffacht: Knapp 11.000 Besucher zählte der Tiergarten im letzten Monat es Jahres 2011, 2012 kamen 56.000 – wobei Jahreskarteninhaber noch nicht einmal mitgezählt wurden. „Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass selbst vergleichbare Aktionen in den USA niemals eine solche Resonanz gebracht haben“, sagt Zoo-Sprecherin Ilona Zühlke.

Erfolgreichstes Wochenende zwischen den Feiertagen

Das erfolgreichste Wochenende des wirtschaftlichen Experiments lag zwischen den Feiertagen: Allein am 29. und 30. Dezember tummelten sich 15.000 Besucher im Allwetterzoo. An den ersten Januartagen kamen noch einmal knapp 20.000 hinzu. Zwar zahlten die meisten Besucher weniger als die 14 beziehungsweise sieben Euro, die normalerweise ein Zoobesuch kostet. Das zeige eine erste Analyse.

Wie viel die Besucher genau bezahlten, wolle der Zoo jetzt mithilfe der Marketingexperten der Technischen Hochschule Aachen auswerten. Dazu hatten Gäste des Zoos im Dezember und in der ersten Januarwoche Fragebögen ausgefüllt.

Wegen der wahren Besucherströme aber lohnte sich die Aktion sogar finanziell. Und sie besserte auch die Jahresstatistik auf: 2012 konnte der Zoo mit 938.360 Besuchern ein Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr (935.918) verzeichnen. Ohne das Winter-Angebot wären die Besucherzahlen also rückläufig gewesen, lautet das Fazit des Allwetterzoos.

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