Ägypter spüren dualer Ausbildung nach



Kreis Gütersloh (bit) - Als erster internationaler Besuch im „Haus der Ausbildung“  in Wiedenbrück hat sich eine hochkarätige Delegation ägyptischer Unternehmen über das System der dualen Ausbildung in Deutschland informiert. Thema war auch der soziale Dialog zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Der erste internationale Besuch im „Haus der Ausbildung“ am Sandberg in Wiedenbrück war eine Delegation ägyptischer Unternehmen; (hinten v. l.) Mounir Ibrahim Al Gazayerli (Vizepräsident des Verbands junger Unternehmen), Khaled Mamoud Khali (Mahallatex, Alexandria) und der SPD-Politiker Klaus Brandner aus Verl als Vorsitzender von Pro Bildung Egypt; rechts Bernd Link (DGB Bielefeld).

Die Initiative zu diesem Austausch ging von dem Verler SPD-Politiker Klaus Brandner aus, der Vorsitzender des Vereins Pro Bildung Egypt ist. Der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesarbeitsminister nutzt im Einsatz gegen die Jugendarbeitslosigkeit am Nil seine Erfahrungen als langjähriger Vorsitzender der Deutsch-Ägyptischen Parlamentariergruppe.

Besuch bei Pro Arbeit in Wiedenbrück

Beim Verein Pro Arbeit und im Reckenberg-Berufskolleg in Wiedenbrück sowie bei der Firma Weeke in Herzebrock (Bau von Spezialmaschinen) trat die Egytian Junior Business Association mit Vizepräsident Mounir Gazayerly als Gesprächspartner auf. Diesem Verband junger Unternehmer aus dem Land der Pharaonen komme besondere Bedeutung im Gespräch über die Zukunft zu, weil er die wichtigsten Initiativen bündele, erläutert Geschäftsführerin Bassant Helmi von Global Project Partners. Schließlich seien 60 Prozent der Ägypter zur jungen Generation zu rechnen, fügte die Organisatorin der jeweils zweieinhalbtägigen Bildungsreise in Ostwestfalen-Lippe und in Berlin hinzu.

Firmen bezahlen Lehrlinge

Die duale Ausbildung parallel in Schule und Betrieb, die sich immer wieder der wirtschaftlichen Entwicklung anpassen müsse, vermittelt laut Brandner Handlungsfähigkeit sowie Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz. Letzterer schreibt der frühere IG-Metall-Bevollmächtigte im ägyptischen Demokratisierungsprozess eine große Bedeutung zu. Unternehmer würden ihre Lehrlinge bereits bezahlen, um sich Fachkräfte für morgen zu sichern und nach der Ausbildung Einarbeitungskosten zu vermeiden, so der Verler.

Einerseits sinke die Zahl junger Leute in Zukunft, andererseits hätten eine junge Frau oder ein junger Mann mit Hochschulabschluss auch in Deutschland nicht gleich einen guten Job. Brandner führt die in Deutschland geringe Jugendarbeitslosigkeit auf die durch die duale Ausbildung erworbene Arbeitskompetenz zurück. Als Sozialpolitiker sieht er darin die Streitkultur begründet, die selbst nach heftigen Streiks eine Vereinbarung beider Seiten zum Ziel habe. Ergänzend beleuchtete der langjährige DGB-Sekretär Bernd Link aus Bielefeld das Thema Arbeitnehmer-Mitbestimmung.

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