Als Rikscha-Fahrgast werden Senioren mobil



Münster (azi) - Bei einer Fahrradtour plaudern und frische Luft genießen – was sich nach einem schlichten Vergnügen anhört, ist für viele Ältere in unerreichbare Ferne gerückt. „Jeder hat das Recht auf Wind im Haar“, findet aber die Initiative „Radeln ohne Alter“ und lädt Senioren in die Rikscha ein.

Vorbild Essen: Seit 2016 fahren ehemalige Langzeitarbeitlose Senioren in der Rikscha. Bald soll es das Angebot auch in Münster geben.

Erfunden im Jahr 2013 in Dänemark, soll die Idee vom Sommer an auch in Münster Realität werden. Möglich macht es der Verein „Chance“, der Langzeitarbeitslosen Gelegenheit gibt, in sogenannten 1,50-Euro-Jobs wieder Fuß zu fassen in einer Tagesstruktur.

Langzeitarbeitslose sollen Senioren fahren

„Die Teilnehmer dieser Arbeitsgelegenheit werden Bewohner aus Seniorenheimen mit der Elektrorikscha abholen und in einer kleinen Gruppe Touren durch Münster unternehmen“, erklärt Rainer Wick, Geschäftsführer von „Chance“. Die Kosten für das Angebot übernimmt die münstersche Stiftung Magdalenenhospital, der Lohn der Teilnehmer wird aus Bundesmitteln gezahlt.

In Essen gibt es schon seit 2016 ein ganz ähnliches Projekt. „Das habe ich mir angeschaut, der Besuch hat mich sehr berührt“, sagt Wick. Nicht nur, weil es Menschen, die selbst kaum noch mobil sind, wieder in Bewegung bringt. Sondern auch, weil es neue Beziehungen stiftet. „Es entsteht ein tolles Miteinander zwischen Fahrgästen und Rikscha-Fahrern. Und wenn mal kein Fahrrad-Wetter ist, kann die Begleitung auch anders stattfinden – man kann etwas spielen oder vorlesen.“

Fünf Rikschas sollen über Münsters Straßen rollen

Fünf Rikschas sollen in Betrieb gehen, eine davon wird auch für einen Rollstuhl geeignet sein. Zehn Fahrer, die jeweils 20 Stunden in der Woche arbeiten und sich dabei gerne sozial einbringen wollen, werden der Verein „Chance“ und das Jobcenter aussuchen.

Am Anfang wird ein Fahrtraining stehen. „Mit den Rikschas muss man vorher üben, um sicher durch die Stadt zu kommen. Außerdem brauchen die Teilnehmer Wissen in Erster Hilfe“, so Wick. Sind alle Teilnehmer geschult, stehen vormittags Touren über die Promenade oder zum Aasee auf dem Programm, nachmittags die Wartung der Fahrzeuge.

Das Projekt „Radeln ohne Alter“ gibt es in mehr als 70 dänischen Städten, aber auch in vielen anderen Ländern Europas, in Neuseeland und Kanada. In Deutschland sind die Rikschas unter anderem in Hamburg, Wiesbaden und Lippstadt unterwegs. Nicht immer sind es ehemalige Langzeitarbeitslose, die alten Menschen eine solche Radtour ermöglichen. Mitmachen kann jeder, der seine Passagiere langsam, sicher und freundschaftlich chauffiert.

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