„Am Anfang war der Backstein“



Warendorf (ap) - Mit dem Feldstein ist es ähnlich wie mit Beton: Beide Baumaterialien haben eine begrenzte Haltbarkeit und werden mit der Zeit marode. Anders verhält sich da „Kunststein“, der gebrannte Backstein. Das zeigt eine Ausstellung im Westpreußischen Landesmuseum.

Eröffneten am Samstag eine Ausstellung im Westpreußischen Landesmuseum (v.l.): Museumsdirektor Dr. Lothar Hyss, Hans-Jürgen Schuch (ehemaliger Direktor des Museums) und Dr. Ernst Gierlich von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, hier vor dem Modell des altstädtischen Rathauses zu Thorn. Bild: Andreas Poschmann

Thema der ersten Ausstellung im neuen Jahr ist die Backsteinarchitektur im Ostseeraum. Am Samstagnachmittag wurde die Schau, die noch bis zum 28. März gezeigt wird, von Museumsdirektor Dr. Lothar Hyss und Dr. Ernst Gierlich von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen eröffnet.

„Nirgendwo sonst erscheint der rot gebrannte Kunststein so allgegenwärtig, wie in der Kulturlandschaft in den Regionen des Ostseeraums, die von der Backsteinarchitektur geprägt sind“, sagte Dr. Lothar Hyss in seiner Begrüßungsansprache. Ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts sei der Backstein das bevorzugte Material für alle Bauwerke von der Kathedrale bis zum profanen Bürgerhaus in den Ländern an der Ostsee gewesen. Als bedeutende Beispiele nannte Hyss unter anderem die Marienburg in Danzig.

In seiner Einführung wagte Dr. Ernst Gierlich eine verwegene Aussage: „Am Anfang war der Backstein. Das ist zwar etwas anmaßend, aber nicht falsch.“ Immerhin sei der Backstein der älteste künstliche Baustein der Menschheit, dessen Geschichte bis in die Hochkulturen der Jungsteinzeit reiche. Vor allem die Römer hätten den Baustoff in der Antike verbreitet. Als bekanntestes Beispiel nannte Gierlich hier die Konstantinsbasilika in Trier aus dem frühen 4. Jahrhundert. Die Technik der Ziegelbrennerei wurde über die Jahre und Jahrzehnte immer weiter verfeinert und die Backsteinarchitektur zur Tradtition, die bis ins 20. Jahrhundert reichte und noch heute nachwirkt.

In der Sonderausstellung werden Dome, Klosteranlagen, Stadt- und Dorfkirchen, aber auch Burgen, Bürger- und Rathäuser von Dänemark über Deutschland bis nach Polen und Lettland vorgestellt. Die Präsentation, die von 25 Kunsthistorikern erarbeitet wurde, lädt zu einer faszinierenden Reise in die Welt der Backsteinbaukunst und ihrer Erforschung ein.

Ergänzt wird die Ausstellung mit Exponaten der Maler Ernst Kolbe, Theodor Urtnowski, Berthold Hellingrath, Otto Hamel und Friedrich Schüz aus dem Bestand des Westpreußischen Landesmuseums.

An drei Vortragsabenden soll die Materie zudem durch hochrangige Wissenschaftler vertieft werden. Gewonnen werden konnte Dr. Damian Kaufmann aus Bramsche, der am Donnerstag, 18. Februar, zum Auftakt über Form und Genese der frühen Backsteinarchitektur referieren wird. Der Hochmeisterpalast der Marienburg und dessen Raumnutzung stehen am Donnerstag, 3. März, im Mittelpunkt des Vortrags von Professor Dr. Christofer Herrmann von der Universität Danzig. Den Abschluss des Begleitprogramms bilden am Donnerstag, 17. März, „Caspar David Friederichs architektonische Visionen“, die Professor Dr. Matthias Müller von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz thematisieren wird.

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