Amprion stellt erste Pläne für Stromtrasse vor



Eine der leistungsstärksten Stromautobahnen Deutschlands soll mitten durch den Kreis Warendorf führen. Gestern wurden erste Details bekannt.

Etwa so dick wie ein Oberschenkel sind die Trassenkabel, die bis 2030 den Strom von der Nordsee ins Ruhrgebiet transportieren sollen.

Dortmund (be) - Der Stromnetzbetreiber Amprion hat gestern in Dortmund erste konkrete Vorschläge zum Verlauf der Trassenkorridore vorgestellt. Nach den Planungen könnten die oberschenkeldicken Erdkabel von Norden kommend an Warendorf, Everswinkel, Sendenhorst und Beckum vorbei geführt werden. Im kommenden Frühjahr werden die Genehmigungsverfahren mit Bürgerbeteiligung gestartet. 

Strom soll 2030 fließen

Ab dem Jahr 2030 soll durch die Korridor B genannte Stromautobahn die elektrische Leistung von fünf großen Kohlekraftwerken – insgesamt vier Gigawatt – fließen. Der Strom wird an der Nordseeküste aus Windenergie gewonnen. Vorgesehen sind eine 440 Kilometer lange Erdkabelleitung von Heide (Kreis Dithmarschen) nach Marl-Polsum (Kreis Recklinghausen) sowie eine 270 Kilometer lange Leitung von Wilhelmshaven nach Hamm. Der Bau soll insgesamt sieben Milliarden Euro kosten. 

Die hellblau eingefärbte Trasse führt von Wilhelmshaven bis nach Hamm.„Unser Ziel bei der Korridorfindung war, die Eingriffe so gering wie möglich zu halten“, sagte Arndt Feldmann, Gesamtprojektleiter für Korridor B. „Aus diesem Grund sieht unsere Planung vor, beide Erdkabelverbindungen im mittleren Bereich ihrer Verläufe parallel zu verlegen.“ 

Erdkabel in 1,40 bis 1,80 Meter Tiefe

Der Strom wird über rund 30 Zentimeter dicke Kabel transportiert, die in 1,40 bis 1,80 Meter Tiefe verlegt werden sollen, wie Amprion auf Anfrage der „Glocke“ mitteilte. 

„In den kommenden Wochen suchen wir nun das Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern ebenso wie mit Behörden und Verwaltungen entlang der Trassenkorridore. Wir informieren sie über das Vorhaben und arbeiten nach ihren Anregungen und Hinweisen unsere Planung weiter aus“, erklärt Feldmann. Hierfür wird Amprion zu regionalen Informations- und Dialogterminen einladen. 

Mehrere Verlaufsvarianten

Bei den vorgestellten Trassenkorridoren handelt es sich um mehrere mögliche Verlaufsvarianten von 1000 Metern Breite, bei deren Entwicklung nach Angaben Amprions Informationen etwa zur Besiedelung oder zu Naturschutzgebieten eingeflossen sind. Im Frühjahr 2022 will Amprion nach weiteren Untersuchungen dann der Bundesnetzagentur einen ein Kilometer breiten Vorzugskorridor vorschlagen. Der Planfeststellungsbeschluss mit der genauen Streckenführung soll allerdings erst nach einer Bürgerbeteiligung 2026 stehen. 

Zusammen mit den Gleichstromkabeln will Amprion zusätzliche Leerrohre verlegen, um die Stromautobahn gegebenenfalls aufrüsten und die Leistung deutlich erhöhen zu können.

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