An der Brücke nagt der Zahn der Zeit



Harsewinkel (ack) - Andreas Kroh und Dirk Schneider gehen in die Hocke, brechen ein Stück des alten Fahrbahnbelags ab und riechen daran. Eine gut funktionierende Nase reicht, um das Ergebnis eines Schnelltests zu belegen: Teer ist vor Jahrzehnten beim Bau der Straße verwendet worden.

Das macht die Sanierung der Brücke Im Vechtel über den Abrooksbach etwas komplizierter. „Teer wird seit Anfang der 70er-Jahre nicht mehr verwendet. Seitdem nutzt man Bitumen“, erklärt Andreas Kroh von der Harsewinkeler Stadtverwaltung. Nur im Volksmund wird noch davon gesprochen, dass die Straße geteert wird. Dirk Schneider vom Ingenieurbüro Drilling und Schneider aus Delbrück sprüht derweil ein anderes Stück mit Schaum ein. Verfärbt der sich gelblich, ist das ein Indiz für Teer im Material. Auf der Brücke selbst scheint alles in Ordnung. Auf den Metern davor, die ebenfalls saniert werden sollen, aber nicht. Andreas Kroh hängt sich ans Telefon, um einen Experten zu bestellen, der noch einmal genaue Proben nimmt. Falls das Ergebnis positiv ist, muss der Schutt, in dem Teer enthalten ist, speziell entsorgt worden werden.

Zeitplan nicht über den Haufen geworfen

Den Zeitplan für die Sanierung der kleinen Brücke wirft dieser Umstand aber nicht über den Haufen. Rund fünf Wochen sind angesetzt, um das Bauwerk wieder auf den Stand der Zeit zu bringen. Mit den Jahren hat die Brücke ganz schön gelitten. Das gilt vor allem für das Geländer, das an mehreren Stellen Rost angesetzt hat. Andreas Kroh rüttelt daran und bringt das Geländer ins Schwingen. „Das darf nicht sein.“ Die Verkehrssicherheit ist gefährdet. Und das ist für den Brückenexperten ein Grund, warum jetzt etwas passieren musste. Zumal das Bauwerk zuletzt auch eine schlechtere Note (3,0) erhalten hat.

Zustand wird regelmäßig kontrolliert

Alle sechs Jahre rückt ein Ingenieurbüro an und nimmt die rund 65 Brücken im Stadtgebiet genauer unter die Lupe. Zwischendurch kontrolliert die Verwaltung den Zustand der Bauwerke. Der Brücken-Tüv vergibt auch Noten. Die Eins ist sehr gut, die Vier bedeutet, dass die Brücke umgehend gesperrt und abgerissen werden muss. Alles dazwischen bereitet den Verwaltungsmitarbeitern eher weniger Sorgen. Zumal sich der Zustand in den vergangenen Jahren deutlich gebessert hat. Ein bis zwei Bauwerke werden in jedem Jahr saniert. Insgesamt kommen die Harsewinkeler Brücken deshalb auf eine Durchschnittsnote von 2,3. Ein ordentlicher Wert. „Aber man muss dranbleiben“, sagt Andreas Kroh und wirft einen Blick auf die Brücke über den Abrooksbach. Seit 1960 ist nichts mehr groß gemacht worden. Nun ist deutlich zu sehen, dass es Zeit wird.

Hohlräumen im Beton auf der Spur

Mit vier Mann rückt der Bautrupp am Montagmorgen an. Die Baustelle wird eingerichtet. Dazu wird zunächst das Grün, das das Brückengeländer überwuchert hat, zurückgeschnitten. Danach wird das Geländer abgesägt. Es soll ebenso erneuert werden wie die Fahrbahndecke. Risse haben sich in ihr gebildet. Für Andreas Kroh ein Indiz, dass irgendetwas nicht stimmt. Der Beton wird freigelegt. Das bietet die Möglichkeit, die Brücke auf Hohlräume zu untersuchen. Es kann passieren, dass Wasser eindringt. Oder dass sich der Beton vom Eisen löst. Kommt dann Wasser hinzu und friert im Winter, werden die Schäden noch einmal größer. Und soweit will es die Kommune gar nicht erst kommen lassen. 68 000 Euro sind für die Sanierung veranschlagt. Das ist etwas mehr als üblich in den Bauerschaften. Allerdings ist das Bauwerk über den Abrooksbach auch etwas größer. Das Entfernen des alten Materials geht relativ schnell. Mit deutlich mehr Aufwand verbunden ist dann aber die eigentliche Sanierung. Da müsse auch das Wetter mitspielen, erklärt Andreas Kroh. Regen ist Mist – ebenso, wenn es zu heiß wird. Denn dann trocknet das Material mitunter zu schnell. Brückensanierungen sind eben auch eine Wissenschaft für sich.

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