Anhänger feiern Björn Höcke frenetisch



Kreis Warendorf / Ahlen (pw) - Mit „Höcke-Höcke“-Rufen haben am Freitagabend mehr als 600 Anhänger der Alternative für Deutschland den Hauptredner einer Kundgebung des AfD-Bezirks Münster, den Thüringer Landtagsfraktionschef Björn Höcke, frenetisch gefeiert.

Zum Rundumschlag gegen die etablierten Parteien holte Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender der AfD Thüringen, bei seiner Rede in der Stadthalle Ahlen aus.

Seine mit Spitzen gegen das „parteipolitisch-mediale Establishment“ gespickte Rede war so recht nach dem Geschmack des Publikums, das aus ganz Westfalen, teilweise auch aus benachbarten Bundesländern angereist war. Dabei hatten sie lange auf den Hauptredner warten müssen, der mit rund einer Stunde Verspätung aus Erfurt angereist kam.

Geduld hatten die Besucher aber bereits bei der Eingangskontrolle aufweisen müssen, denn es bildete sich am Stadthalleneingang eine lange Schlange, da jeder Besucher Ausweispapiere vorzeigen musste. Das AfD-Werbeplakat im Foyer der Halle „Kein Pass, kein Eintritt: Grenzen schützen“, mit dem die Partei „illegale Masseneinwanderung“ geißeln will, bekam da eine etwas modifizierte Bedeutung.

540 Mitglieder hat der AfD-Bezirk, identisch mit dem Regierungsbezirk Münster, nach Angaben der Partei – Tendenz steigend. Steffen Christ, Sprecher des Bezirks, freute sich so viele „liebe Patrioten“ begrüßen zu können, und auch Kreissprecher Dr. Christian Blex, Landtagsabgeordneter aus Wadersloh, war sichtlich stolz auf den starken Besuch. Mit Blex, Christ, dem weiteren Redner Thomas Röckemann sowie Udo Hemmelgarn waren gleich vier AfD-Landespolitiker in der Halle, die im März an der in Politik und Medien scharf kritisierten Syrien-Reise zum Assad-Regime teilgenommen hatten.

„Merkel muss weg“-Rufe in der Stadthalle

75 Minuten redet Björn Höcke in der Stadthalle, mehrfach unterbrochen durch Jubel und Sprechchöre. Und er gibt der Masse, was sie hören will: Demokratie sei ohne Nation undenkbar, die Nation sei kein Auslauf-, sondern ein Zukunftsmodell: „Wir müssen um dieses Land kämpfen und dürfen es uns nicht aus der Hand nehmen lassen“, wettert er gegen das „Kartell der Altparteien“ und fordert von seinen Anhängern, „diesem Land wieder ein deutsches Wir-Bewusstsein zu geben“. Die zurzeit Verantwortlichen nennt er „Pseudo-Elite, ahnungslos die einen, ideologisch verbohrt die anderen, aber beide ohne historisches Tiefenbewusstsein“.

Der letzte große deutsche Politiker für Höcke ist Otto von Bismarck. Für die aktuelle Regierungschefin Angela Merkel hat er nur Spott und Häme übrig. „Merkel muss weg“-Rufe schallen durch die Stadthalle, als der in Lünen geborene AfD-Politiker ausruft: „Wir werden regiert von einer Rechtsbrecherin.“

Kein gutes Haar lässt Höcke an der Energiewende, deren Subventionierung die Volkswirtschaft und den Stromkunden ruiniere. Er prognostiziert, dass über Hartz IV schon bald mehr Ausländer alimentiert würden als Deutsche und dass die bewährten Sozialsysteme „zur Plünderung freigegeben“ seien.

Dass alles anders würde, wenn die AfD erst einmal in der Regierung wäre (aber wenn in einer Koalition, dann „nur als Seniorpartner“), hämmert er seinen Zuhörern ein. Es werde Volksentscheide auf Bundesebene geben, Parlamente müssten „dramatisch verkleinert“ werden, der Staatsfinanzierung der (Alt-)-Parteien durch politische Stiftungen sei der Garaus zu machen. Dass in der AfD selbst zurzeit über Stiftungsfinanzierung diskutiert wird, hält er nicht für einen Widerspruch, denn: „Das ist nur, um Waffengleichheit zu schaffen.“

Seine Parteifreunde fordert er auf, darauf zu achten, dass „die AfD niemals Selbstzweck“ wird. Wenn er eine Regierung führen würde, gäbe es „eine knallharte Bestenauslese“. Minister würde, wer Fachmann sei, und nicht, wer am besten taktieren und Strippen ziehen könne. Das erste Casting dafür begann am Freitagabend in Ahlen. „Zehn Minuten Zeit, um mit Björn ein Selfie zu machen“, lud die Kundgebungs-Regie ein.

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