Apotheker ohne Telefon und Internet



Warendorf (pw) - Am 29. Juni ist bei Tiefbauarbeiten auf dem Warendorfer Marktplatz ein Kabel beschädigt worden. Bis heute, zehn Wochen später, hat Apotheker Marek Nagorny (Löwen-Apotheke) weder Internet noch Telefon. Die Telekom findet den Fehler nicht.

Marek Nagorny, Inhaber der Löwen-Apotheke am Markt, hat seit zehn Wochen weder Telefon-Festnetzanschluss noch Internet. Nur über eine Rufumleitung auf ein Karten-Handy ist er erreichbar. 

Zum ersten Mal ist es schon im Januar passiert. Kaum hatten die Bauarbeiten auf dem Marktplatz begonnen, war in der Löwen-Apotheke das Telefon tot. „Kann passieren, dass ein Bagger ein Kabel trifft“, hatte sich Marek Nagorny, Inhaber der Apotheke, damals noch gedacht. Und der Schaden wurde schnell behoben – von der Telekom, bei der Nagorny damals Kunde war.

Aber das Malheur sollte kein Einzelfall bleiben. Am 29. Juni passierte es wieder. Bei erneuten Tiefbauarbeiten zwischen „Im Ort“ und „Marktsträßchen“ bohrten sich Zähne einer Baggerschaufel erneut in das in die Jahre gekommene Kupferkabel. Und seitdem hat der Geschäftsmann, der viel online bestellt und kommuniziert, kein Internet mehr – und noch nicht einmal einen Telefon-Festnetzanschluss. Heute bricht die elfte Woche an, und der Schaden ist noch immer nicht repariert. Nur dank einer Rufumschaltung auf ein eigens gekauftes Karten-Handy können Kunden Nagorny über seine normale Telefonnummer erreichen.

Gefühlt 60-mal Hotline

„Gefühlte 60 Gespräche mit der Hotline und sieben Reparaturversuche der Telekom“ seien bislang erfolglos geblieben. Offenbar findet der Telekommunikationsriese kein Rezept, um die alte Kupferleitung des Apothekers zu verarzten. Nagorny mutmaßt, dass die schleppende Bearbeitung seines Problems auch daran liegen könnte, dass er mittlerweile den Provider gewechselt und bei „Vodafone“ angeheuert hat. Und obwohl der Netzbetreiber (Telekom) verpflichtet ist, die Funktionsfähigkeit der Leitung sicherzustellen, hat Nagorny als Kunde immer wieder das Gefühl, dass Netzbetreiber und Provider wechselseitig die Verantwortlichkeiten hin und her schieben.

Auch die bauausführende Firma Rasche und der Bauleiter seitens der Stadtverwaltung, Niels Heermann, haben sich schon eingeschaltet, um der Telekom Beine zu machen. Für Heermann ist die nunmehr zehn Wochen andauernde Störung ebenso unverständlich wie überhaupt die Weigerung der Telekom, die Marktplatzbaumaßnahme als Gelegenheit zu nehmen, ihre alten Kabel in Gänze gegen neue auszutauschen. Für nächste Woche weist Heermanns Bauzeitenplan die Pflasterung der Fläche vor. Damit wäre das Problemkabel dann beerdigt. Bis das neue Pflaster irgendwann wieder aufgenommen werden muss.

Angemerkt

Zehn Wochen ist ein Geschäft am Markt ohne Internet und Telefon, weil bei den Tiefbauarbeiten ein Kabel beschädigt wurde. Das allein ist schon schlimm genug. Noch unverständlicher aber ist, dass offenbar nicht alle Versorger die günstige Gelegenheit, dass das Pflaster aufgenommen und der Untergrund tief ausgekoffert wurde, genutzt haben, um alte Leitungen zu erneuern. Die Telekom hat das nicht für nötig befunden. Und das, obwohl doch alle darüber reden, dass alte Kupferleitungen durch leistungsfähigere ersetzt werden sollen und auch die Telekom „schnelles Internet“ verspricht. Lange Leitung statt großer Leistung.

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