Ausstellung macht jüdisches Leben erfahrbar


Münster (ame) - Videos, Computer-Animationen, Texte, Interviews, Musikbeispiele und Fotos - die Ausstellung „Menschen, Bilder, Orte - 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, die am Mittwoch offiziell im Landeshaus in Münster eröffnet wird, ist fast komplett digital gestaltet.

Die Ausstellung „Menschen, Bilder, Orte – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ haben (v. l.) Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Matthias Löb und  Dr. Laura Cohen vorgestellt. Eröffnet wird sie am Mittwoch.

Und doch soll die Schau vor allem Ausgangspunkt für persönliche Begegnungen und Austausch zwischen Menschen in der analogen Welt sein. Das zumindest wünschte sich Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Vorstandsvorsitzender der LWL-Kulturstiftung, gestern bei der Vorstellung der Wanderausstellung. Die stehe sinnbildlich für die Zusammenarbeit vieler Institutionen, die bundesweit mit Initiativen und Projekten das Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdischen Leben in Deutschland“ gestalten.

Deutliches Zeichen gegen erstarkenden Antisemitismus

Eine enge Partnerschaft verbindet den LWL dabei mit dem Landschaftsverband Rheinland und dem MiQua (LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln), das die Schau konzipiert hat. Sie soll, so Löb, dazu beitragen, dass Halbwissen und Gerede über Judentum der persönlichen Begegnung und einem tieferen Verständnis weichen. Damit, da war er sich mit LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger einig, setze die Ausstellung auch ein deutliches Zeichen gegen den erstarkenden Antisemitismus.

Selbstverständlich sind Ausgrenzung und Verfolgung von Juden bis zum Holocaust durch die Nazis ein wichtiges Thema der Ausstellung. Kuratorin Dr. Laura Cohen ging es aber vor allem auch darum, die Vielfalt jüdischen Lebens und jüdischer Kultur im deutschsprachigen Raum darzustellen. Ausgehend von Konstantin dem Großen, der 321 per Gesetz die Berufung von Juden in Stadträte der römischen Provinzhauptstädte ermöglichte (was als früheste Quelle die Existenz jüdischer Gemeinschaften nördlich der Alpen belegt), spannt die Schau den Bogen bis in die Gegenwart.

Vier würfelartige Ausstellungsräume

<mediaobject class="imageleft" id="X0.23347274921290406" idref="X0.6408766606930818" type="image" uid="434c1cfb-71f7-47be-b783-7ac6beccf231" url="http://ecms.die-glocke.de/alfresco/d/d/workspace/SpacesStore/434c1cfb-71f7-47be-b783-7ac6beccf231/87241.jpg" uuid="434c1cfb-71f7-47be-b783-7ac6beccf231" x0="0" x1="100" y0="0" y1="100"> <element name="Unterschrift">Um Fragen des Alltags geht es im Kubus "Leben & Miteinander". <element name="Quelle"/> </mediaobject>Dabei wird der Besucher nicht mit einer Flut von Daten und Fakten überlastet. Vier würfelartige Ausstellungsräume gliedern die Themen „Recht und Unrecht“, „Leben und Miteinander“, „Religion und Geistesgeschichte“ sowie „Kunst und Kultur“. Die mal lehrreiche, mal unterhaltsame Annäherung an die jüdische Lebenskultur gelingt multimedial anhand von Videos, Musik, Fotos und biografischen Zeugnissen konkreter Personen – ihre Reihe umfasst prominente Namen wie Moses Mendelssohn, Heinrich Heine, Edith Stein und Leo Baeck, aber auch die elfjährige Schülerin Fanja, die – als Teil eines Videoprojekts – einfach über ihren Alltag berichtet.

Für Schulen bietet das MiQua auf Anfrage umfangreiches digitales Unterrichtsmaterial.

Eröffnung mit Podiumsgespräch

Die offizielle Eröffnung der Wanderausstellung „Menschen, Bilder, Orte – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ findet heute um 17 Uhr in digitaler Form statt. Nach der Begrüßung und Eröffnung durch Matthias Löb, LWL-Direktor und Vorstandsvorsitzender der LWL-Kulturstiftung, und dem Grußwort von Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, diskutiert Journalistin Shelly Kupferberg Gedanken, Ziele und Hintergründe des Jubiläumsjahrs. Dabei ist sie im Gespräch mit Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Kulturdezernentin, Dr. Thomas Otten, Direktor MiQua (LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln), Andrei Kovacs, Leitender Geschäftsführer des Vereins „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, Alexander Sperling, Geschäftsführer des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe, und Dr. Kathrin Pieren, Leiterin Jüdisches Museum Westfalen (Dorsten). 

Streaming-Link: bit.ly/2021Wanderausstellung

Hintergrund

Bundesweit ist 2021 zum deutsch-jüdischen Festjahr ausgerufen worden: Denn seit 1700 Jahren leben Juden nachweislich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Unter dem Titel „#2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland“ widmen sich mehr als 1000 Veranstaltungen der Geschichte und dem heutigen Leben von Juden in der Republik. Erstmals hat die LWL-Kulturstiftung einen Förderschwerpunkt ausgerufen, der im Ergebnis 24 Kulturvorhaben mit mehr als 800 000 Euro unterstützt: Kultureinrichtungen, jüdische Gemeinden und ihnen nahe stehende Vereine aus 14 Orten richten in mehr als 70 Veranstaltungen den Blick auf jüdisches Leben in der Region Westfalen-Lippe. Gemeinsam mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) trägt die LWL-Kulturstiftung das bundesweite Festjahr in die Kulturnetzwerke der Region. Der LWL und die LWL-Kulturstiftung bündeln mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) ihre Aktivitäten zum Festjahr „#2021JLID“. Alle Termine und Informationen auf: www.2021juedischesleben.de

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