Besonders viele Minijobber im Münsterland



Greven/Münster (be) - Der typische Minijobber putzt, ist weiblich, zwischen 25 und 49 Jahre alt und lebt im Westen Deutschlands in einer ländlichen Region. Diese Beschreibung ist das Ergebnis einer Studie über Minijobs, die am Freitag in Greven vorgestellt wurde.

Minijobs wie etwa Putzstellen in Firmen und Privathaushalten bieten vielen Arbeitnehmern die Chance auf eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt.

In Auftrag gegeben hatten sie die Regionalagentur Münsterland und Jobcenter aus der Region.

Es scheint ein Widerspruch zu sein: Im wirtschaftlich gesunden Münsterland ist die Zahl der Minijobber – also der geringfügig Beschäftigten mit einem monatlichen Entgelt von höchstens 450 Euro – vergleichsweise hoch. „Mit knapp 13 Prozent aller Beschäftigten stellen die Minijobber im Münsterland im Vergleich mit anderen Regionen in Deutschland eine überdurchschnittlich große Anzahl dar“, sagte Klaus Ehling, Vorstand der Regionalagentur Münsterland, bei der Vorstellung der Studie. Zum Vergleich: NRW-weit sind nur 10,9 Prozent aller Arbeitnehmer geringfügig beschäftigt, auf Bundesebene sogar nur 9,5 Prozent.

Schmeltzer: „Häufig Verstöße gegen geltendes Recht“

NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (SPD) kritisierte, dass es immer wieder zu Verstößen gegen geltendes Recht komme. Laut der Studie erhalten 60 Prozent der geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer keinen bezahlten Urlaub. 65 Prozent wurde laut den in der Studie befragten Arbeitnehmern die gesetzlich vorgesehene Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verweigert. „Das ist ein unerfreuliches Ergebnis. Für Minijobber gelten die gleichen Regeln wie für jeden anderen Angestellten“, sagte Schmeltzer. Der Arbeitsminister betonte, dass hier „nachgesteuert“ werden müsse. Minijobber würden im Rahmen einer Kampagne mit Broschüren über ihre gesetzlichen Rechte informiert werden. Darüber hinaus will sich Schmelzer dafür einsetzen, dass Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt werden.

Schulte-Uebbing: „Minijobs schaffen Arbeitsplätze“

Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, stellte die positiven Aspekte der geringfügigen Beschäftigung in den Mittelpunkt: Minijobs seien vorrangig eine Möglichkeit, Arbeitsplätze ohne große bürokratische Hürden zu schaffen. „Es ist sicher kein perfektes Mittel“, räumte Schulte-Uebbing ein. Geringfügige Beschäftigung sei aber auch die Chance für Arbeitnehmer, wieder eine Tätigkeit in der Berufswelt zu erhalten. Den hohen Anteil an Minijobs in der Region sah der IHK-Hauptgeschäftsführer nicht negativ: „Es gibt im Münsterland eben ein großes Angebot an Arbeit.“

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