Betonleiche: Doch Tötung auf Verlangen?



Rietberg-Westerwiehe (gdd) - Überraschende Wendung im Westerwieher Betonleichen-Prozess: Am zwölften Prozesstag erklärte die Vorsitzende Richterin am Bielefelder Landgericht, im Fall einer Verurteilung des angeklagten Ehemanns komme auch „Tötung auf Verlangen, auch in Versuchsform“ in Betracht.

Darf der Angeklagte auf eine mildere Strafe hoffen? Die Anklage lautete auf Totschlag, jetzt schließt das Gericht auch Tötung auf Verlangen nicht aus.

Das bedeutet, dass der Westerwieher (68)  mit einer milderen Bestrafung rechnen könnte. Bisher, das heißt, seit Prozessbeginn am 28. September, war in der Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft von Totschlag die Rede gewesen. Auch einen versuchten Totschlag will das Gericht bei seiner Urteilsfindung, die wahrscheinlich erst im Februar – zwei Termine stehen in diesem Monat noch an – abgeschlossen sein wird, jetzt nicht ausschließen.

„Ich gehe davon aus, dass dieser rechtliche Hinweis nach Beratungen innerhalb der Kammer erfolgt ist“, resümierte gestern ein zufrieden blickender Strafverteidiger, der Bielefelder Rechtsanwalt Dr. Holger Rostek. Die neuen Anklageaspekte seien von „objektiven Ergebnissen wesentlich geprägt“ worden.

Sein Mandant habe bereits am ersten Tag seiner Vernehmung darauf hingewiesen, dass es sich beim plötzlichen Ableben seiner Gattin um Tötung auf Verlangen gehandelt habe. Mit der jetzigen „Zwischenbilanz“ der Beweisaufnahme habe er als Verteidiger auch die Aussetzung des Haftbefehls im Visier, umschrieb Dr. Rostek das Anliegen, den Westerwieher wieder auf freien Fuß zu setzen. Ein entsprechender Antrag, den 68-Jährigen über die Weihnachtsfeiertage aus der Untersuchungshaft zu entlassen, war noch im Dezember von der Strafkammer abgelehnt worden.

Abgelehnt und auch begründet hat die Kammer am Mittwoch  eine Reihe von weiteren Anträgen der Verteidigung, so auch die Kritik, es habe Fehlleistungen des als Zeugen vernommenen forensischen Experten gegeben, der Pathologe habe bei seiner Leichenschau eine „unzureichende Protokollierung“ vorgenommen. Um die Glaubwürdigkeit des Angeklagten zu beurteilen, bedürfe es nur im Ausnahmefall, für den es indessen im laufenden Verfahren keinerlei Anhaltspunkte gäbe, eines Fachmanns, schmetterte die Richterin den Antrag ab, einen solchen zu bestellen und berief sich damit „auf eigene Sachkunde“.

Allerdings soll in der nächsten Verhandlung, die am Donnerstag, 16. Januar, 9 Uhr, beginnt, ein psychiatrischer Gutachter in den Zeugenstand treten.

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