Betonleichen-Prozess fortgesetzt



Rietberg-Westerwiehe (gl) - Ein prominenter Zeuge hat am Donnerstag im Betonleichen-Prozess von Westerwiehe ausgesagt. Der Gütersloher Tanzschulenbesitzer Gerd Weissenberg (66) gab seine Wahrnehmung von dem Mann wider, der seine Frau erwürgt und dann einbetoniert haben soll.

Im Prozess gegen einen Westerwieher, der seine Frau auf deren Verlangen erwürgt und einbetoniert haben soll, sagte am Donnerstag ein prominenter Gütersloher aus: Tanzprofi Gerd Weissenberg (66) aus Gütersloh musste sich den Fragen der zehnten Strafkammer des Landgerichts Bielefeld stellen.

„Ich habe den Eindruck, Sie mögen ihn nicht besonders.“ Prüfend blickte Dr. Holger Rosteck, Verteidiger im Strafverfahren gegen einen 68-jährigen Westerwieher. Dann polterte Rosteck los: „Sie haben bei der polizeilichen Vernehmung einen Kübel voll Mist über meinen Mandanten gegossen.“ Die Vorsitzende Richterin verbat sich diesen Umgangston beim siebten Prozesstag vor dem Bielefelder Landgericht, der anfangs wie eine Theateraufführung auf die zahlreichen Zuschauer wirkte. Es ging um Tanz – und um Charaktermerkmale des Angeklagten.

Der frühere mehrfache deutsche Meister der Professionals, Gerd Weissenberg, trainierte in den 1970er-Jahren das ungarische Spitzenpaar nach dessen Flucht in die Bundesrepublik in seiner Gütersloher Tanzschule. Mit seiner ersten Frau wurde der spätere Wahl-Westerwieher deutscher Amateurmeister im Standard- und Lateintanz. Als ihn die Gattin verließ und mit einem Tanzprofi zusammenzog, schilderte Zeuge Weissenberg, habe er Ende der 1980er-Jahre seinen früheren Schüler mit dessen späterer zweiten Ehefrau erlebt und letztere auch damals zuletzt gesehen: „Sie waren ein gutes Tanzpaar.“ Man verlor sich aus den Augen, aber vor zwei Jahren hätte er von windigen Geschäften gehört. So hätten sich mehrere Tanzpaare des Gütersloher Tanzclubs „Grün-Weiß Casino“ über den Angeklagten beschwert: Er habe sie erst trainiert und dann als Anlagenberater um ihr Geld betrogen.

Das wollte das Gericht am Donnerstag genauer wissen. So nahmen nicht nur die beiden Verteidiger, sondern auch die Richterin und der Staatsanwalt den Zeugen gehörig in die Mangel. Sie räumten ihm, der sich an Namen und Details kaum erinnern konnte, eine Stunde Zeit ein, um nachzurecherchieren. Fazit: Strahlend legte Güterslohs prominentester Tänzer im vorgeschriebenen Zeitrahmen die von ihm geforderten Fakten nach fieberhaft geführten Telefonaten auf dem Gerichtsflur vor.

Über seine Beziehung zu dem Mann befragt, der das schwere Verbrechen bestreitet und nach wie vor behauptet, er habe seine Frau auf Verlangen getötet („Die Glocke“ berichtete), sagte Weissenberg aus, er und seine Frau Helga hätten „über Jahre hinweg keine persönliche Freundschaft“ mit dem Amateurspitzentänzer aufbauen können – „weil es dubios war, wie er sich verhalten hat“.

Telefonat als letztes Lebenszeichen

Am Donnerstag vernahm die zehnte Strafkammer des Landgerichts Bielefeld im Verfahren gegen den Mann aus Westerwiehe, der seine Frau getötet und in der Garage einbetoniert haben soll, auch eine Freundin des Ehepaars aus Rheda-Wiedenbrück. Die 61-Jährige behauptete, sie sei sich ziemlich sicher, noch am 20. Dezember mit der 63-Jährigen telefoniert zu haben. Zwischen dem 18. und 20. Dezember soll der 68-jährige Westerwieher, einst deutscher Meister im Amateurtanzen, seine Gattin nach Ansicht der Staatsanwaltschaft umgebracht haben.

Die Zeugin nannte ihre getötete Freundin eine „attraktive Frau, nicht lebenslustig, aber lebensfroh“. Als der Ehemann der Zeugin sich in Münster-Hornheide am 18. Dezember einer Krebsoperation unterzog, habe die getötete Westerwieherin angeboten, ihn am Heiligen Abend zurückzufahren. Das sei wahrscheinlich am 20. Dezember gewesen, schilderte die Zeugin im Gerichtssaal. Letztlich habe sich ihr Mann dann doch von einem Taxi bringen lassen müssen, denn die Freundin aus Westerwiehe war plötzlich nicht mehr zu erreichen.

Noch im Sommer habe sie mit der 63-Jährigen gemeinsame Spaziergänge unternommen, Feste wie „Schlemmen am Schloss“ in Rheda oder den Tierpark Nadermann besucht. Sie habe den Eindruck gehabt, dass der Angeklagte ihre große Liebe gewesen sei, gab die Zeugin zu Protokoll.

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