Bis 2040 Energie nur aus Wind und Sonne



Freckenhorst (fen) - Das Problem ist bekannt. Die Lösungen sind vorhanden. Aber? „Aber es hapert daran, mehr zu tun“, sagt Marcel Richter. Mehr gegen den Klimawandel, gegen die Emission von Treibhausgasen. Der Freckenhorster möchte das ändern.

Von seinem Haus in Freckenhorst aus betreibt Marcel Richter derzeit die „Visioneere“.

Er hat mit zwei Mitstreitern die Firma „Visioneere“ gegründet.Der 35-Jährige ist als Klimaschutzmanager beim Kreis Warendorf eng mit dem Thema befasst. „Ich kann das nicht verstehen“, sagt er. „Wir haben da ein großes Problem mit vielen gravierenden Folgen.“ Millionenstädte werden durch die Erderwärmung im Meer versinken, Dürren Menschen dazu zwingen, sich anderswo anzusiedeln. „Gleichzeitig haben wir auch die Lösung“, betont Richter: nämlich die Erneuerbaren Energien, die in den vergangenen Jahren immer günstiger geworden seien. Somit gründeten drei Münsterländer im Juli 2018 das Start-up „Visioneere“, um selbst etwas beizutragen.

Die Idee: Bürger produzieren im Rahmen von Genossenschaften Strom aus Sonnen- und Windenergie. Andere Bürger kaufen diesen Strom, werden vielleicht auch zu Produzenten – so kann jeder Einzelne etwas beitragen zum Kampf gegen den Klimawandel. Die Visioneere sind dabei der regionale Vertriebspartner fürs Münsterland der deutschlandweit tätigen Initiative „Bürgerwerke“.

Ihr Ziel ist ambitioniert: „Bis 2040 soll sich das Münsterland zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien versorgen“, sagt Richter. Dieses Ziel wollen sie in einem ersten Schritt nun verfolgen, indem sie Unternehmen und Privatpersonen davon überzeugen, Photovoltaik-Anlagen zu installieren. „Das Potenzial ist gigantisch“, sagt der Freckenhorster. Die Preise seien inzwischen so weit gesunken, dass sich eine Anlage auch bei einem Dach in Ost-West-Richtung rentiere sowie auch dann noch, wenn in eineinhalb bis zwei Jahren die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) entfällt. Richters Idee: Privatleute könnten in erster Linie ihren eigenen Strom produzieren. Das sei nicht nur rentabel, sondern: „Es ist ein schönes Gefühl, den Strom selbst zu produzieren und zu nutzen – wie beim Gärtnern“, sagt er. Selbst hat er ebenfalls eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Auf den Dächern von Firmen, Ställen, Supermärkten oder auf dem Boden könnten Anlagen in größerem Ausmaß installiert, der von ihnen erzeugte Strom verkauft werden.

„Will vernünftige Erde übergeben“

Der Gewinn aus dem Stromverkauf fließt an die Genossenschaft, die sie weiter in Erneuerbare Energien investiert oder an ihre Mitglieder ausschüttet. Für Richter ist dies die bessere Wahl, denn: „Der Energieversorger macht etwas mit meinem Geld“, sagt er – vielleicht auch Lobbyarbeit für Atom, Kohle oder Erdgas, selbst wenn man einen Ökostromtarif gebucht hat. Deswegen wollen die Visioneere nicht mit Misch-Erzeugern zusammenarbeiten. Am Ende – nach dem Verkauf von Strom und der Errichtung weiterer Anlagen – soll irgendwann die dezentrale Versorgung mit Strom stehen.

Dass Marcel Richter die Firma gegründet hat, hat auch einen besonders wichtigen Grund: sein eineinhalbjähriger Sohn Evan. „Ich möchte mir nicht in 20 Jahren sagen lassen, dass ich zwar alles wusste, aber es mir zu anstrengend war, etwas zu tun“, sagt er. „Mir fällt keine vernünftige Ausrede ein. Ich will eine vernünftige Erde übergeben.“

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