Bleicherkind-Ausstellung eröffnet



Rheda-Wiedenbrück (rfo) - Das geheimnisvollste Werk für die Vernissagebesucher der Charakter-Design-Ausstellung im prall gefüllten Bleichhäuschen in Rheda ist wohl „Das Kellerkind“ gewesen. Künstler Frank Josten stellt es als eine Mischung aus Gespenst und gleichsam als hilflose Gestalt dar.

Ausstellungseröffnung im Bleichhäuschen: „Die Legende vom Bleicherkind“ heißt die Character-Design-Ausstellung von Frank Josten, die derzeit im Bleichhäuschen am Steinweg 4 in Rheda zu sehen ist. Das Bild zeigt zur Eröffnung Bleichhäuschen-Chefin Melanie Körkemeier und den Künstler Frank Josten.

Es ginge darum, der realen Welt etwas entgegenzusetzen. In dem Gewebe des Bildes spiegele sich die Leinenstruktur wieder, erklärte der 35-Jährige, den die Frage beschäftigt: „Was passiert mit Strichen, die sich auflösen?“. Er habe versucht, mit der Kombination aus seinen Werken und einem fiktiven Märchen, das ebenfalls ausgestellt wird, die Legende vom Bleicherkind aufleben zu lassen. Dazu präsentierte Frank Josten jedoch keine Bildergeschichte, sondern einzelne Charaktere, die in dem Märchen auftauchen. Für die Besucher der Ausstellungseröffnung lag der besondere Reiz darin, dass sie sich auf Basis der Geschichte einzelne Handlungsstränge selbst ausdenken konnten. In dem fiktiven Märchen wird die Geschichte einer Familie aufgearbeitet, die ihr Geld mit dem Bleichen von Leinen verdiente. Das Bleichhäuschen hatte die Familie von einem durchtriebenen Tuchhändler gepachtet, der mit seinem Knecht – einem Wesen von düsterer Gestalt – die Pacht eintrieb. In ihrer Machtlosigkeit ließ sich die Frau auf eine Liaison mit dem Händler ein und gebar ein Kind von ihm. Da es unentdeckt bleiben musste, wurde es im finsteren Keller versteckt und entdeckte seine Fähigkeit, Leinen auf besondere Weise erstrahlen zu lassen.

Künstler mag schwere Figuren

 Knapp vier Monate intensiver Arbeitszeit hat Frank Josten in die Ausstellung fließen lassen, durch die er eine Identifikation der Rhedaer Besucher mit dem Bleichhäuschen erreichen möchte. Auch Interessenten von außerhalb könnten die Aussagen jedoch verstehen. „Meine Lieblingsfigur ist eindeutig der farbig aquarellierte Knecht“, erklärte Frank Josten. Er sei ein Freund großer und schwerer Figuren, verriet der 35-Jährige. Er wolle das Gefühl vermitteln, die Figuren fassen zu können. Vernissagebesucher hoben besonders die Gesichtsausdrücke als gelungen hervor. Die Jahrespraktikantin im Bleichhäuschen Sara Plaszczyk betonte: „Ich finde es faszinierend, wie er den Personen, die im Märchen auftauchen, ein Bild verleiht.“

Bis 24. Februar zu sehen

Interessenten können die Ausstellung montags bis freitags von 15 bis 17 Uhr, sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung bis zum 24. Februar besuchen. Am ersten Weihnachtsfeiertag, Silvester und am 1. Januar ist das Bleichhäuschen am Steinweg 4 geschlossen.

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