Bon zum Brötchen direkt aufs Smartphone



Rheda-Wiedenbrück (sud) - Den Bon zum Brötchen gibt es in den 15 Filialen der Bäckerei Reker ab Anfang Januar digital. Nur auf Wunsch wird der Kassenbeleg noch gedruckt. Der Rhedaer Familienbetrieb setzt damit die bundesweite Bonpflicht um, leistet aber gleichzeitig einen Beitrag zum Umweltschutz.

Ganz unkompliziert mit dem Smartphone bezahlen können Kunden der Bäckerei Reker schon seit Längerem. Ab Januar erhalten sie auch ihren Kassenbon direkt aufs Handy. Die Brüder Andreas (l.) und Karsten Reker zeigen in der Filiale an der Herzebrocker Straße, wie es funktioniert.

„95 Prozent unserer Kunden wollen überhaupt keinen Kassenzettel“, sagt Konditormeister Andreas Reker. Ab Januar für jeden Bezahlvorgang einen Beleg auszudrucken, hätte seiner Meinung nach vor allem zu eins geführt: einem riesigen Berg Sondermüll. Denn das vom Kassensystem der Bäckerei verwendete Thermopapier sei speziell beschichtet und lasse sich deshalb nicht so einfach wiederverwerten.

Die meisten Kunden wollen keinen Kassenzettel

„Laut Gesetz besteht ab dem 1. Januar zwar eine Bonabgabepflicht für den Handel, aber keine Verpflichtung zur Annahme seitens der Kunden“, ergänzt sein Bruder Karsten Reker. „Deshalb haben wir im Vorfeld gemeinsam mit dem Anbieter unseres Kassensystems nach einer Lösung gesucht, die gesetzeskonform ist und zugleich Vorbildcharakter hat“, betont der Bäckermeister.

Kunden der Rhedaer Bäckerei haben damit ab Januar die Wahl: Sie können sich einen klassischen Beleg in Papierform ausdrucken lassen, oder aber mit ihrem Smartphone einen QR-Code einscannen, der nach Abschluss des Bezahlvorgangs auf dem Kundendisplay der Kasse erscheint. Bei letzterer Variante öffnet sich Sekundenbruchteile später der Kassenbon auf dem Handy. Ihn abspeichern, per E-Mail weiterleiten oder einfach nur kontrollieren und dann löschen – das alles ist mit dem digitalen Dokument nach Angaben der beiden Geschäftsführer Karsten und Andreas Reker möglich.

Weg der Digitalisierung konsequent gehen

Für die beiden Brüder, die den alteingesessenen Familienbetrieb gemeinsam leiten, ist die konsequent digitale Umsetzung der von der Bundesregierung verordneten Bonpflicht ein Schritt in die richtige Richtung, denn: „Die Zukunft des Bezahlens im stationären Einzelhandel ist ganz klar digital“, sagt Andreas Reker. „Nach jedem Kassenvorgang per se eine Rechnung in Papierform auszudrucken, wäre ein Rückschritt ins analoge Zeitalter.“ Hinzu komme, dass Kunden, die einen Beleg fordern, ihn später ohnehin digitalisieren müssen – beispielsweise, um ihn im Rahmen ihrer Steuererklärung beim Finanzamt einzureichen. „Das entfällt künftig“, erläutert Karsten Reker.

Für die Kunden sei das Scannen des OR-Codes mit keinem zusätzlichen Aufwand verbunden, sagt Andreas Reker. „Denn wer seinen Bon digital haben will, bezahlt in der Regel auch mit Karte, Handy oder der Smartwatch.“ Das mobile Endgerät zum Abfotografieren des Codes habe der Kunde also ohnehin schon gezückt.

Rechtssicherheit bestätigt

Dass sie sich auf rechtssicherem Terrain bewegen, haben Andreas und Karsten Reker zuvor juristisch abgeklopft. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auch auf die Vorgaben des Bundesfinanzministeriums zur Bonpflicht. „Darin wird nicht ausdrücklich gefordert, dass die Kassenbelege prinzipiell in Papierform erstellt werden müssen.“

Die Bäckerbrüder aus Rheda hoffen, dass sie in den kommenden Monaten viele Nachahmer finden – nicht nur in der eigenen Branche, sondern auch darüber hinaus. „Es gilt, Berge von unnötigerweise ausgedruckten Kassenzetteln zu vermeiden“, unterstreicht Karten Reker und verweist darauf, dass allein in seinem Betrieb pro Monat Bons mit einer Gesamtlänge von zwei Kilometern anfielen, wenn nach jedem der 160.000 Bezahlvorgänge ein Beleg gedruckt würde.

Bargeldloses Zahlen wird immer beliebter

Seit fünf Jahren forciert die Bäckerei Reker das bargeldlose Zahlen mittels EC-, Kreditkarte, Handy oder Smartwatch. Alle Kassen wurden entsprechend umgerüstet. Andreas Reker geht davon aus, dass in zwei bis drei Jahren 50 Prozent aller Einkäufe digital abgerechnet werden. Zurzeit liege der Anteil in seiner Bäckerei bei 15 Prozent. Er wünscht sich, dass andere Einzelhändler nachziehen – aus zweierlei Gründen: Einerseits entfalle das Kleingeldzählen, andererseits werde Steuerbetrug durch digitale Bezahlvorgänge unmöglich. Und genau das wolle die Regierung mit der Einführung der Bonpflicht schließlich erreichen.

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