Bosbach mit unterhaltsamer Polit-Analyse



Beckum (scl) - Hohen Unterhaltungswert hatte sich gestern eine rekordverdächtige Zahl von Besuchern des 162. Höxberg-Gesprächs vom prominenten Festredner versprochen. Und Wolfgang Bosbach, langjähriger CDU-Bundestagsabgeordneter und zeitweise Star jeder Polit-Talkshow, enttäuschte sie nicht.

Schon beim Betreten der Aula des Berufskollegs erhielt Wolfgang Bosbach viel Beifall.

Eine Stunde lang brachte der Unionspolitiker sich und sein Publikum in Fahrt. Bosbachs Affinität zum Karneval – seine erste Büttenrede soll er schon mit zehn Jahren gehalten haben – half ihm dabei, das Beckumer Eis im Nu zu brechen. Auch unbequeme, ja beängstigende Wahrheiten wusste er so zu verkaufen, dass das Zuhören zum Vergnügen wurde.

„Europa im Stresstest“ lautete das Thema, das sich eigentlich gar nicht auf Großbritannien bezog. Dennoch griff Bosbach die aktuellen Londoner Ereignisse auf, um nach einer Hymne auf Deutschland eines klar zu machen: Noch niemals hat ein Staat die EU verlassen. Wer es tut, muss die Konsequenzen spüren. Bosbach erklärte: „Es muss einen Unterschied machen, ob man Mitglied ist oder nicht.“ Die Einigkeit der Europäer ist für ihn der einzige Weg, in der globalisierten Welt unter neuen und alten Supermächten noch Gehör zu finden. Aber mehr noch als Wirtschaftsmacht stellte der ehemalige Vize-Fraktionsvorsitzende im Bundestag andere Werte in den Fokus: „Es geht um Frieden und Freiheit.“

Den rasanten politischen Entwicklungen weltweit stellte Bosbach ein Deutschlandbild gegenüber, das von Sicherheit und Stabilität gekennzeichnet ist. Im globalen Wettbewerb aber, so machte er deutlich, muss das Land schneller werden. Viel schneller. In den klassischen Industrien noch führend, verliere Deutschland in der Informationstechnologie zunehmend an Boden. Das Gegenrezept des CDU-Politikers: „Bildung, Bildung, Bildung!“ Die wichtigste Investition sei die in die Köpfe der Kinder. Der jungen Generation stellte Bosbach am Ende ein ausgezeichnetes Zeugnis aus, verwies zudem auf eine leistungsfähige Bildungslandschaft. Auf internationaler Ebene zu bestehen, erfordere große Anstrengungen. Aber, so schloss der Redner versöhnlich: „Es ist immer noch ein Glück, in Deutschland geboren zu sein.“

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