Bündnis protestiert gegen Tönnies-Pläne



Gütersloh/Rheda-Wiedenbrück (din) - Gegen die beantragte Betriebsausweitung beim Fleischunternehmen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück regen sich erste Proteste. In der Gütersloher Fußgängerzone hat am Donnerstag ein „Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung“ demonstriert und Unterschriften gesammelt.

Mahnwache: Gegen die Tönnies-Pläne demonstrierten Tier- und Umweltschützer in der Gütersloher Fußgängerzone, darunter die Sprecher Camila Cirlini (l.) und Oliver Groteheide (Mitte).

Im Internet auf der Seite Change.org läuft eine Online-Petition, die bis zum Mittag knapp 3200 Nutzer unterzeichnet hatten. Weitere Aktionen in Rheda-Wiedenbrück sind geplant.

Wie berichtet, will Tönnies die Erlaubnis, im Rahmen des bestehenden Fleischwerks die tägliche Schlachtkapazität von 3000 auf 3500 Tonnen erhöhen zu dürfen. Statt etwa 26 000 Schweine würden dann am Tag bis zu 30 400 Tiere geschlachtet. Damit würde sich auch die Zahl der Lastwagen-Transporte erhöhen: zwischen 6 und 22 Uhr von 131 auf bis zu 159 Anlieferungen und bei der Auslieferung der Ware von 300 auf etwa 319.

Deswegen und weil auch Geruchsauswirkungen zu erwarten sein könnten, ist eine Erlaubnis nach dem Bundes-Immissionsschutz-Gesetz erforderlich. Das Verfahren läuft beim Kreis. Die Antragsunterlagen liegen seit dem 15. Mai bis einschließlich Mittwoch, 14. Juni, bei der Stadt Rheda-Wiedenbrück sowie in der Kreisverwaltung Gütersloh aus. Einwendungen können bis einschließlich 28. Juni bei den Behörden vorgebracht werden.

Dem „Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung“ gehören nach eigener Aussage Einzelpersonen, der Verein Fairleben sowie die Partei Die Linke im Kreis und auch Mitglieder anderer Parteien an. „Wir sind gegen die Erweiterung, weil dann noch mehr Tiere geschlachtet würden“, sagte Oliver Groteheide von Fairleben der „Glocke“. Dabei gehe es ihnen nicht nur um die Tiere, sondern auch „um den enormen Ressourcenverbrauch“. Während für die Massentierhaltung Futter angebaut werden müsse, würden gleichzeitig Kinder verhungern.

Letztlich führe eine erhöhte Produktion dazu, dass noch mehr Fleisch konsumiert werde, sagte Camila Cirlini. Schon jetzt werde ein Großteil der Produktion exportiert. „Der hohe Fleischkonsum ist der Klimakiller Nummer eins“, so Groteheide, der in Gütersloh schon für den wöchentlichen Veggie-Tag geworben hatte.

Die Tönnies-Kritiker bemängeln auch den hohen Wasserverbrauch durch das Fleischwerk. Der sei schon jetzt so hoch wie der aller anderen Firmen und Haushalte in Rheda-Wiedenbrück zusammen, so Cirlini. Nach Angaben der Linken würde der Verbrauch um 1000 auf 6500 Kubikmeter am Tag steigen.

„Auch die psychische Belastung der Bürger in Rheda-Wiedenbrück nimmt zu“, sagte Cirlini. Sie müssten den Anblick der Tiertransporte, das Quieken der Schweine und die Gerüche ertragen. Schließlich steige die Zahl der Lastwagentransporte.

Erörterung am 12. Juli

Das „Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung“ will am Samstag, 17. Juni, ab 10 Uhr auf dem Rathausplatz in Rheda demonstrieren. Für Mittwoch, 21. Juni, ist ab 20 Uhr eine Info-Veranstaltung in der Gaststätte Emsaue, Hauptstraße 92, geplant. Am Mittwoch, 12. Juli, gibt es ab 9 Uhr erneut eine Demo vor dem Rathaus in Rheda. Um 10 Uhr beginnt dort der Erörterungstermin. Einwendungen lägen bisher nicht vor, hieß es am Donnerstag beim Kreis. Aber das Interesse sei groß.

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