Bürgermeister-Mehrheit bröckelt



Rietberg (ssn) - Die Grünen sind die Gewinner der Stadtratswahl 2020 in Rietberg. Auch die FDP darf sich freuen: Sie erlangt mit zwei Mandaten Fraktionsstärke. FWG und SPD müssen ordentlich Federn lassen, während die CDU ihr Ergebnis aus 2014 wiederholt.

Reges Interesse: Rund 120 Rietberger verfolgten am Sonntagabend live die Hochrechnungen in der Wahllobby der Stadt, die diesmal coronabedingt im Gartenschaupark stattfand. Um kurz nach 21 Uhr stand dann das finale Ergebnis fest.

Noch bevor die ersten Stimmen für das neue Stadtparlament ausgezählt sind, blickt Dr. Ute Buchheim am Sonntagabend mit Sorge auf den großformatigen Monitor, der im Gartenschaupark-Teil Mitte das Herzstück der coronabedingten Freiluft-Wahllobby bildet. „Wir haben zu wenig gemacht – und die CDU viel richtig“, meint die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Freien Wählergemeinschaft und prophezeit: „Das könnte uns drei oder vier Sitze kosten.“ Tatsächlich sind es am Ende zwei, doch mit Blick auf die weiteren Ergebnisse ist auch klar: Die Bürgermeister-Mehrheit aus FWG, Grünen und SPD trägt sich künftig nur noch mit dem Rathauschef Andreas Sunder (FWG) selbst.

Stärkste Macht bleiben souverän die Christdemokraten

Erst um kurz nach 21 Uhr steht fest, wie sich das neue Rietberger Stadtparlament zusammensetzt. Die stärkste Macht bleiben souverän die Christdemokraten. Sie holen 43,11 Prozent der Stimmen und landen damit fast punktgleich bei ihrem 2014er-Ergebnis von 43,97. Es bleibt entsprechend bei 17 Sitzen im Rat. Die FWG holt 32,38 Prozent (2014: 37,34), muss zwei Mandate abgeben und hält jetzt zwölf.

Einen kräftigen Sprung nach vorn gelingt den Grünen. Sie können ihren Stimmenanteil von 5,25 auf 11,46 Prozent mehr als verdoppeln und erhalten dafür vier Plätze (2014: zwei). Das Kunststück gelingt auch den Liberalen, die sich von 2,43 auf 4,69 Prozent verbessern und damit zwei Mandate ergattern. Nachdenkliche Gesichter gibt es am Sonntag bei der SPD: Sie büßen 2,65 ihrer ehemals elf Prozent ein und schaffen es so nur noch auf 8,35 Prozent. Im Ergebnis sind das drei statt vier Plätze im Rat.

FWG: „Wir müssen überlegen, was wir falsch gemacht haben“

„Wir nehmen es so, wie es kommt“, hatte Fraktionschef Gerd Muhle am Anfang des Abends gesagt. Als sich der Verlust immer mehr verstetigt, findet er deutlichere Worte. Er habe nie gedacht, dass die SPD ein Mandat verlieren wird: „Das wird unserer Arbeit in den vergangenen fünf Jahren nicht gerecht. Hier schlägt sich der Trend auf Bundesebene durch.“

„Wir müssen überlegen, was wir falsch gemacht haben“, gibt sich Buchheim von der ebenfalls gebeutelten FWG selbstkritisch. Grünen-Fraktionschef und stellvertretender Vorsitzender der Ökopartei, Hans-Dieter Vormittag, ist derweil überzeugt: „Wir reiten nicht auf der Welle – dieses Ergebnis haben wir uns hart erarbeitet.“ Und FDP-Vorsitzender Ralph Böwingloh freut sich: „Mit dem Gleichstand von CDU und FDP auf der einen und FWG, SPD sowie Grünen auf der anderen Seite können wir die Weichen im Rat nun neu stellen.“

Grüne knacken in 14 der 19 Bezirke die zehn Prozent

Der Verlust der Freien Wähler zeigt sich auch mit Blick auf die Stimmstärke in den einzelnen Wahlbezirken. Gewann die Partei 2014 noch sechs Direktmandate, sind es jetzt nur noch vier. Den Bezirk eins (Bokel) – dort holte Sebastian Schnusenberg 47,92 Prozent vor Judith Wulf mit 42,25 – müssen sie ebenso an die CDU abgeben wie die Nummer drei (Mastholte), wo Oliver Brinkhaus mit 57,37 Prozent klar vor Roland Potthoff (25,92) liegt. Der FWG bleiben damit die Bezirke zwei (Druffel), vier (Mastholte), 15 (Rietberg) sowie 16 (Varensell).

Die Grünen, die 2014 in allen Stimmbezirken einstellig blieben, knacken nun in 14 der 19 Bezirke die zehn Prozent – und das teils deutlich. Spitzenreiter sind die Bezirke 13 (Rietberg) und fünf (Mastholte) mit 18,67 beziehungsweise 18,23 Prozent. Die Kandidaten hinter diesem Glanzstück heißen Andreas Münster und Jonas Borgmeier.

Auch die Liberalen können fast überall Zuwächse verzeichnen

Auch die Liberalen können fast überall Zuwächse verzeichnen. Besonders üppig fallen sie in den Bezirken elf (Rietberg) mit 8,26 Prozent (2014: 3,4 Prozent) für Ratsherr Professor Dr. Manfred Niewiarra, zwölf (Rietberg) mit 9,07 (1,9) für Günter Höppner und 15 mit 6,68 (2,3) für Marc Hecker aus. Die Wahlbeteiligung lag insgesamt bei 55,6 Prozent. Vor sechs Jahren unternahmen 54,44 Prozent den Urnengang.

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