Claas baut in Harsewinkel an Fabrik für die Zukunft



Der Umbau im Claas-Stammwerk in Harsewinkel geht voran. Und auch digital möchte sich Claas in der Zukunftsfabrik neu aufstellen.

Es geht voran: Gerade laufen in der neuen 15 000 Quadratmeter großen und 14 Meter hohen Halle die Betonarbeiten. Dort wird eine Produktionslinie für die Mähdrescher Lexion und Trion aufgebaut. Der erste Mähdrescher soll dort Anfang Dezember vom Band laufen. Foto: Aundrup

Eine „Betriebsbesichtigung“ in seinem E-Mercedes hat Minister Andreas Pinkwart bei Claas unternommen.Harsewinkel (jau) - In seinem E-Mercedes wird der NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation und Digitalisierung, Professor Dr. Andreas Pinkwart (FDP), am Dienstag durch das Claas-Stammwerk in Harsewinkel chauffiert. „Meine erste Betriebsbesichtigung im Auto“, scherzt der Minister. Überhaupt ist er bestens aufgelegt. Schließlich gibt er an diesem Morgen den Startschuss für ein aus seiner Sicht ganz besonders Zukunftsprojekt.

Es ist der Auftakt für die Datenfabrik NRW, an der auch Claas beteiligt ist. Dabei geht es um die Frage, wie die Wirtschaft in Ostwestfalen-Lippe mit Künstlicher Intelligenz die Produktion am Standort Deutschland zukunftsfähig machen kann. Konkrete Ansätze dafür entwickeln in den nächsten drei bis vier Jahren unter anderem die Unternehmen Claas und Schmitz Cargobull mit dem Fraunhofer-Institut sowie weiteren Akteuren im Zusammenschluss „It’s OWL“. 

Projekt ist Grundlage für den Umbau der Produktionen

Das Projekt ist Grundlage für den Umbau der Produktionen bei Claas und Schmitz Cargobull zu Leuchtturmfabriken. Die Datenfabrik NRW hat ein Gesamtvolumen von 14,5 Millionen Euro. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert das Ganze mit 9,2 Millionen Euro. 

Arbeiten an der Produktion von morgen: (v. l.) Jan-Hendrik Mohr, Geschäftsführer der Claas-Gruppe, NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart und Andreas Schmitz, Vorstandsvorsitzender Schmitz Cargobull im Prüfstand des Claas-Werks.Minister Pinkwart macht sich am Dienstag auch ein Bild vom Stand der Modernisierung im Claas-Werk. Im Prüfstand staunt er nicht schlecht: „Das ist ja fast wie in einem OP-Saal.“ Er lobt den Umbau: „Das hier ist ein tolles Vorhaben. Als Digitalminister sehe ich hier die digitale Fabrik der Zukunft. Als Innovationsminister sehe ich die Innovationen, die von Claas ausgehen. Und als Wirtschaftsminister sehe ich hier ein erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen. Für mich als Betriebswirt ist das eine faszinierende Welt.“ 

Digitalisierung als Treiber für die Wirtschaft

Die Digitalisierung sieht Pinkwart als Treiber für die Wirtschaft: „Dadurch ergeben sich riesige Chancen.“ Im Hinblick auf das jetzt angestoßene Projekt sagt der Wirtschaftsminister: „Das produzierende Gewerbe ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in Nordrhein-Westfalen. Das Projekt Datenfabrik NRW soll dafür sorgen, dass das auch in Zukunft so bleibt und unsere Wirtschaft bestmöglich für die digitale Transformation gerüstet ist. Ich freue mich, dass wir das Wissen und die Erfahrung von Weltmarktführern und Spitzenforschungseinrichtungen in diesem Projekt bündeln können, um die Produktion in unserem Land zukunftsfähig zu machen.“ 

In der neuen Halle: Simon Krieter (links), bei Claas als Produktionsleiter für den Umbau zuständig, mit Minister Andreas Pinkwart.Durch das Projekt soll gezeigt werden, was alles mit Künstlicher Intelligenz in Betrieben möglich ist. „Und diese Ergebnisse, die wir hier erarbeiten, wollen wir auch mit kleinen Unternehmen teilen. Auch dort gibt es einen dringenden Bedarf an Innovationen“, sagt der Geschäftsführer von „It’s OWL“, Günter Korder. „Wir wollen hier keine neue Weltformel entwickeln, aber wir wollen mutig Dinge erproben.“

Schon heute sind automatisch gesteuerte fahrerlose Transportsysteme im Einsatz

Für Stefan Schulte (Claas) kommt das Projekt Datenfabrik NRW genau zur richtigen ZeitBei der Digitalisierung fängt Claas alles andere als bei null an. Schon heute sind etwa automatisch gesteuerte fahrerlose Transportsysteme im Einsatz, die mit den tonnenschweren Erntemaschinen zwischen den einzelnen Montagestationen unterwegs sind. Das verdeutlicht Stefan Schulte, Geschäftsleitung Claas Selbstfahrende Erntemaschinen, beim Rundgang durchs Werk: „Wir sind schon gut aufgestellt. Aber das ist ein breites Feld.“ 

In Zukunft gehe es verstärkt um die digitale Vernetzung von Produktion, Werksplanung und Logistik. „Die Durchgängigkeit von Daten von den Ingenieuren bis zur Produktion ist wichtig.“ 

Digitalisierung  als Standortsicherung

Der Geschäftsführer der Claas-Gruppe, Jan-Hendrik Mohr, sieht in der Digitalisierung eine Standortsicherung. Claas produziere Mähdrescher weltweit an sechs Standorten. Und doch werde die Zukunftsfabrik in Deutschland, am Stammsitz in Harsewinkel, aufgebaut. Warum? „Weil wir hier das Epizentrum des Know-how haben. In Harsewinkel arbeiten 500 Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung. Es ist wichtig, im Bereich Digitalisierung und Künstliche Intelligenz absolut spitze zu sein. Dafür bauen wir gerade die Produktion um“, so Mohr. 

Claas investiert 44 Millionen Euro in den Umbau

Claas investiert 44 Millionen Euro in den Umbau des Harsewinkeler Werks und hat im Herzen der Mähdrescherproduktion auf 15 000 Quadratmetern eine komplett neue Halle errichtet. Derzeit laufen die Beton-Arbeiten. Und wie ist der weitere Fahrplan? Das weiß Simon Krieter, bei Claas als Produktionsleiter für den Umbau zuständig: Am 3. Dezember soll in der neuen Halle der erste Mähdrescher – ein Lexion – vom Band laufen. 

Die Arbeiten liegen im Zeitplan. Im Februar soll es eine offizielle Eröffnung geben. 

Aus zwei Linien wird eine

Vor dem Umbau gab es für die Mähdrescher zwei Produktionslinien. Jetzt wird das Ganze zu einer Linie zusammengeführt. Dort werden dann die beiden Modelle Lexion – die Premiumklasse – und der Trion – die neue gehobene Mittelklasse – von einem Band laufen. „Das ist möglich, weil ein Viertel der Teile für die beiden verschiedenen Maschinen baugleich sind“, erklärt Simon Krieter. So könne die Produktion effizienter gestaltet werden. 

Die Datenfabrik NRW ist nach Auffassung von Stefan Schulte ein wichtiger Baustein für die Umstellung der Fertigung von Claas-Mähdreschern: „Das Projekt kommt genau zur richtigen Zeit und passt hervorragend zu unserer aktuell stattfindenden Werksmodernisierung.“ Die Digitalisierung werde die Effizienz in der Fabrik weiter steigern.

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