Das Weihnachtslied aus Gütersloh



Gütersloh (dop) - Es gehört zu Weihnachten wie der Tannenbaum und die Kerzen: das Lied „Ihr Kinderlein kommet“. Wie „Stille Nacht“ ist es nahezu überall auf der Welt bekannt. Dabei wissen die wenigsten, dass es seinen Siegeszug von Gütersloh aus angetreten hat.

In Gütersloh setzte der Lehrer Friedrich Heinrich Eickhoff 1829 ein Kindergedicht des Augsburger Domherrn von Schmid mit einer bekannten Melodie des Hofkapellmeisters J. A. P. Schulz zusammen. Sein „Ihr Kinderlein kommet“ wurde zu einem der erfolgreichsten Weihnachtslieder.

Es war ein harter Winter 1829/30, als der Lehrer Friedrich Heinrich Eickhoff unten, in der kleinen, aber warmen Stube des Kaufmanns Barth an der Kirchstraße saß – dort, wo heute die Einfahrt zum Parkhaus des Parkhotels ist. Eickhoff hockte dort, weil oben in seiner Wohnung die Tapeten gerissen wären, wenn er geheizt hätte. So zumindest ist es in seinen Erinnerungen im Stadtarchiv nachzulesen.

Friedrich Heinrich Eickhoff wurde am 13. Oktober 1807 in Soest geboten. Er absolvierte dort eine Lehrerausbildung und nahm nach einer kurzen Stippvisite als Hauslehrer in Galen bei Wesel 1829 das Angebot seines früheren Schulfreunds, des Gütersloher Volksschulrektors Ernst Buschmann an, zweiter Lehrer an der Bürgerschule zu werden. Eickhoff unterrichtete erst im alten Küsterhaus, später an der Kökerstraße 10 (heute Gaststätte Fasan). Daneben war er als Küster und Organist der Evangelischen Kirchengemeinde tätig. 1846 heiratete er Friederike Bertelsmann, die älteste Tochter seines Verlegers Carl Bertelsmann. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Seine Verdienste als Herausgeber christlicher Lieder sind nach dem Ende der Erweckungsbewegung weitgehend in Vergessenheit geraten.

Der Lehrer schmökerte in den Erziehungslehren des bayrischen Pfarrers Denzel, der ein Gedicht vom Augsburger Domherrn Christoph von Schmid für den Religionsunterricht empfahl: „Ihr Kinderlein kommet“. Eickhoff war von dem Text sofort angetan und überlegte, ob er sich nicht auch zum Singen für seine Schüler eignen würde. Denn der Rhythmus der Zeilen passte gut zu dem damals bekannten Lied „Wie reizend, wie wonnig ist alles umher“. Es stammte von dem Lüneburger Johann Abraham Peter Schulz, Kapellmeister am Königshof in Kopenhagen, der auch die Melodie zu „Der Mond ist aufgegangen“ schrieb.

Eickhoff zögerte nicht lange, sprach mit seinem Freund und Vorgesetzten Ernst Buschmann, Rektor der Volksschule an der Kökerstraße, über sein Vorhaben und begann das Lied mit seinen Schülern einzustudieren, wobei er die Schlusstöne der Melodie leicht veränderte. Am Weihnachtsmorgen 1829 überraschte er die Eltern und übrigen Kirchgänger in der heutigen Apostelkirche mit der Uraufführung von „Ihr Kinderlein kommet“. Von da an war das Lied aus der Adventszeit in Gütersloh nicht mehr wegzudenken.

Eickhoff veröffentlichte es 1832 in seiner Sammlung „60 deutsche Lieder für 30 Pfennig“, die sein späterer Schwiegervater Carl Bertelsmann in seinem damals noch jungen Verlag druckte. Mit 25 000 Exemplaren sollte es sein erster Bestseller werden. Damit nicht genug. Auch Pastor Volkening, Symbolfigur der Erweckungsbewegung, nahm „Ihr Kinderlein kommet“ mit in seine eigenen Schriften auf, erst in die „kleine“, später auch die „große Missionsharfe“. Im Lauf der Jahrzehnte ist es allein in der „kleinen Missionsharfe“ in mehr als zwei Millionen Exemplaren erschienen, was dem Lied zu einer flächendeckenden Verbreitung verhalf.

„Die Glocke“ verlost drei Weihnachtsbücher unter jenen Lesern, die eine eigene Strophe zum Lied „Ihr Kinderlein kommet“ dichten möchten. Näheres dazu lesen Sie in der Gütersloher „Glocke“ vom 14./15. Dezember.

 Friedrich Heinrich Eickhoff dichtete weiter, schuf geistliche Volkslieder und brachte den „Kinderfreund“ heraus, eines der ersten Lesebücher in Westfalen. Er starb im Alter von 78 Jahren am 22. Januar 1886 in Gütersloh.

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