Die wunderliche Welt der Katrin Plavcak



Gütersloh (dop) - Sie wirkt ausgesprochen agil, erzählt viel, begleitet von kleinen, schnellen Gesten. Und sie hört genau hin, immer interessiert, mit leicht schräg gelegtem Kopf und wachsamen Augen. Katrin Plavcak ist eine Weltenbeobachterin und -seziererin.

Surreale Malerei, symbollastige Collagen, surreale Filme und (Klang-)Installationen zeigt die in Berlin ansässige Künstlerin Katrin Plavcak bis zum 6. Juli im Gütersloher Kreiskunstverein.

 Eine, die Daten und Fakten, Menschen und Momente mit der gleichen Empathie wie Erlebnisse und Emotionen speichert und analysiert. Nährboden für ihren surrealen Kunstkosmos.

Einen Einblick in diese wunderliche Welt gewährt ab  Samstag, 17. Mai,  der Kreiskunstverein in seinem Domizil, dem Gütersloher Veerhoffhaus am Alten Kirchplatz. Um 18 Uhr wird dort – als Art-gerechter Vorspann zu der um 19 Uhr beginnenden „Langenachtderkunst“ die Ausstellung „Die Fernseh-Hand“ eröffnet. Sie umfasst Malerei, Collagen, textile Objekte, Videokunst und (Klang-)Installationen Arbeiten, die nicht nur aufgrund ihrer Vielfalt, sondern auch in ihrer Zusammenstellung und Symbollastigkeit verstörend wirken.

Katrin Plavcak, geboren in Gütersloh, aufgewachsen in Österreich, und ansässig in Berlin, absolvierte die Akademie der Bildenden Künste in Wien. Die mehrfach ausgezeichnete Künstlerin - unter anderem mit Österreichs renommiertestem Kunstpreis, dem Georg-Eisler-Preis - tummelt sich mit Verve in vielen Bereichen. Die 42-Jährige weiß im wahrsten Sinn des Wortes fantastisch zu fabulieren. Dazu nutzt sie Bilder, Texte, Comics, Musik, Filme und Internet, um aus all diesen Fragmenten überraschende Utopien und bizarre Botschaften zu erschaffen. Dabei offenbart sie durch die Art der Zusammenstellung die Ambivalenz, die in scheinbar offensichtlichen Dingen und vordergründigen Denkweisen steckt.

<remove class="contextmenu emphasis" spellcheck="true">Die Ausstellung Katrin Plavcak - Die Fernse-Hand mit Malerei, Collagen und Objekten ist bis zum 6. Juli im Gütersloher Veerhoffhaus, Sitz des Kreiskunstvereins, am Alten Kirchplatz zu sehen.

<remove class="contextmenu emphasis" spellcheck="true">Öffnungszeiten: Do./Fr. 15 bis 19 Uhr, Sa./So. 12 bis 19 Uhr.

<remove class="contextmenu emphasis" spellcheck="true">Künstlergespräch: Außer zur “Langenachtderkunst“ am Samstag, 17. Mai, steht Katrin Plavcak Kunstinteressenten am Sonntag, 8. Juni, ab 16 Uhr zu einem Gespräch zur Verfügung.

 Das gelingt ihr mit augenzwinkernder Leichtigkeit in ihren Erotik- und Science-Fiction-Collagen. Das wächst sich in manchem Bild wie „Gelebte Demokratie“ aber zum satirisch-politischen Seitenhieb aus: Parlamentarier mischen sich mit Tanzenden und Prügelnden zu einer absurden, von der Realität längst eingeholten Ungeheuerlichkeit. Das Konterfei eines jungen Arabers lässt Plavcak malerisch aufplatzen, um dahinter einen Vertreter der Muslim-Bruderschaft als „Big Brother“ zu orten. Zu einem Bild übers bürgerkriegsgeschüttelte Syrien gesellt sie – klangverzerrt – Disneys Heilewelt-Hymne „It’s a small world“. Und das titelgebende Werk „Die Fernseh-Hand“ ist eine großformatige Bestandsaufnahme einer omnipräsenten Kommunikationsgesellschaft: Ein Mensch, der selbst im Schlaf Fernbedienung oder Handy nicht loslassen kann, zeigt die Abhängigkeit und Verinnerlichung moderner Medien. Dass sich am Bildrand drei Magier tummeln, die dem Logo des NSA-Abhörprogramms „Mystic“ gleichen, ist Plavcaks persönliches Ausrufezeichen.

Keine Frage, die Künstlerin lädt auf intelligente Weise ein zu einem Spiel der Deutungen fragwürdiger Zeitgeist-Erscheinungen ein. In der „Langenachtderkunst“ bietet sie sich den Ausstellungsbesuchern dafür als Sparringspartner an.

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