„Diese Gedenkstätte ist ein Archiv“



Kreis Gütersloh (bit) - Mit einer hochrangigen wissenschaftlichen Kooperation hat der Förderverein der Gedenkstätte Stalag 326 am Lippstädter Weg in Stukenbrock-Senne am Dienstag begonnen. Es geht darum, das unter den Nationalsozialisten zentrale Rekrutierungs- und Durchgangslager für Zwangsarbeiter in Nordrhein-Westfalen in seiner gesamten Dimension zu erfassen.

Wissenschaftliche Erforschung des Durchgangslagers Stalag 326 für sowjetische Kriegsgefangene in Stukenbrock-Senne: (v. l.) Oliver Nickel (Geschäftsführer des Fördervereins), Dr. Andreas Neuwöhner (Vereinsdirektor Altertumskunde, Paderborn), Dr. Malte Thießen (Institutsleiter westfälische Regionalgeschichte, Münster), Professor Dr. Peter Fäßler (Fakultät Kulturwissenschaften, Paderborn), Dr. Burkhard Beyer (Geschäftsführer Historische Kommission, Paderborn), Dr. Marcus Weidner (wissenschaftlicher Referent Regionalgeschichte, Münster) und Jens Hecker (wissenschaftlicher Mitarbeiter Gedenkstätte Stalag 326).

Für die Wissenschaftler unter dem Dach des Landschaftsverbands ist der Öffentlichkeit längst nicht ausreichend bekannt, dass mehr als 300 000 Sowjetische Kriegsgefangene den Lagerkomplex durchliefen und von der Senne aus in den größten Ballungsraum Europas verteilt wurden. Workshops, die öffentlich zugänglich sind, werden für die nächsten zwei bis drei Jahre auf den Weg gebracht.

An dem großen Projekt sind beteiligt: Dr. Malte Thießen als Leiter des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte in Münster, Dr. Marcus Weidner, Wissenschaftlicher Referent beim Landschaftsverband, der Vereinsdirektor „Geschichte und Altertumskunde Westfalens“ in Paderborn, Dr. Andreas Neutöner, Professor Dr. Peter Fäßler von der Fakultät für Kulturwissenschaften an der Universität Paderborn und Dr. Burkhard Beyer als Geschäftsführer der Historischen Kommission in Paderborn sowie Jens Hecker als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Stalag.

Für sie zeigen Stalag 326 und der Ehrenfriedhof sowjetischer Kriegstoter nebenan exemplarisch und eindrücklich die völkerrechtswidrige Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen als eines der zentralen Verbrechen des Nationalsozialismus. Der erste Arbeitskreis soll im Sommer im Landesarchiv Detmold stattfinden. Der zweite soll sich mit baulichen Zeitzeugen in Senne beschäftigen.

Ein weiteres Thema werden audiovisuelle Medien und Fotos von Angehörigen der Opfer im Medienzentrum des Landschaftsverbands in Münster sein. Welche Kontakte es zur Bevölkerung gab und welche Auffassung diese vom Lager hatte, wird demnächst in Paderborn erkundet. Wie man mit der Erinnerungskultur und den Gräbern umgeht, dafür eignet sich das Gelände in Senne.

Dr. Weidner betont: „Es geht immer um Forschung und Vermittlung gleichzeitig.“ Dr. Neuwöhner ist sich sicher: „Diese Gedenkstätte ist ein Archiv.“ Dr. Thießen will die Gesamtentwicklung darstellen. Das geht über die Machbarkeitsstudie hinaus, die der Lenkungskreis um NRW-Landtagspräsident André Kuper (CDU) auf den Weg gebracht hat.

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