Diskussion um zweite Gesamtschule



Ahlen (dl) - An einer möglichen Umwandlung der Sekundar- in eine Gesamtschule scheiden sich die Geister. Obwohl der Schul- und Kulturausschuss wegen Beratungsbedarfs verschiedener Fraktionen keine Beschlussempfehlung gab, arbeiteten sich die Mitglieder mehr als zwei Stunden an diesem Thema ab.

Die Meinungen über die Umwandlung der Sekundarschule in eine Gesamtschule gingen im Schul- und Kulturausschuss in Ahlen auseinander. Das Bild zeigt (vorn, v. l.) Petra Pähler-Paul (Grüne), Heinrich Artmann (FWG) und Alfred Thiemann (BMA).

Petra Pähler-Paul (Bündnis 90/Die Grünen) hatte zu Beginn der Sitzung am Dienstag für ihren Antrag, diesen Punkt und auch die Schulentwicklungsplanung von der Tagesordnung streichen zu lassen, keine Mehrheit gefunden. So kam die Debatte nach einführenden Worten von Fachbereichsleiter Christoph Wessels ins Rollen.

Jenkel: Sollten Elternwillen ernstnehmen

 „Wir waren schon vor der Umwandlung der Realschule in die Sekundarschule für eine Gesamtschule“, sagte Reiner Jenkel (Die Linke). „Wir sollten den Elternwillen ernstnehmen, denn der Bedarf ist absolut vorhanden.“ Er schlug vor, dass die Oberstufen der Städtischen Gesamtschule und der Fritz-Winter-Gesamtschule kooperieren.

Heinrich Artmann von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) meinte: „Vor sechs Jahren haben wir der Sekundarschule zugestimmt. Jetzt ist ein Jahrgang durch, mehr aber noch nicht.“ In Ahlen gebe es ausreichend Oberstufenkapazitäten. Und weiter: Wir können jetzt nicht einfach die Sekundarschule auflösen, nur weil Schüler nicht die Schule wechseln wollen.“

„Zumutung für politische Gremien“

Als eine Zumutung für die politischen Gremien bezeichnete Pähler-Paul die Position der Bezirksregierung. „Zu Realschulzeiten wurde die Gesamtschule verworfen, und jetzt geht es auf einmal?“ Die Probleme der Sekundarschule ließen sich nicht durch eine Umwandlung lösen. Sie kritisierte, dass laut Beschlussvorlage die Städtische Gesamtschule schon 2019 an den Start gehen soll. „Wir brauchen eine öffentliche Debatte. Es gibt keinen Zeitdruck.“ Das vorgelegte Gutachten sei eher „eine geschmeichelte Schulplanung“, da unter anderem eine Befragung der Eltern von Grundschülern fehle.

Dr. Berger: Zeitplan mit Bezirksregierung abgestimmt

Bürgermeister Dr. Alexander Berger hielt dagegen: „Sämtliche Schritte sind mit der Schulentwicklungsgruppe abgestimmt worden. Die Eltern von Grundschülern sind über eine mögliche zweite Gesamtschule informiert worden, weswegen wir von einer Befragung der Grundschüler abgesehen haben. Der Elternwillen ist eindeutig.“ Alles, auch der Zeitplan, seit mit der Bezirksregierung abgestimmt worden. Rechtlich sei das Vorgehen sauber und könne somit beraten und beschlossen werden.

Mehr Zeit für den Dialog nehmen

Auch Britta Tomsa (FDP) sieht das Thema „Städtische Gesamtschule“ kritisch. „Ich glaube nicht, dass sich der Ruf bei einer anderen Schulform ändert.“ Gabi Duhme (SPD) gab zu, mit der Beschlussvorlage zu sympathisieren. Ihre Fraktion müsse sich aber noch ein Urteil bilden. „Meine persönliche Meinung ist: Wenn wir den Sekundarschul-Versuch rückgängig machen können, bin ich sofort dabei.“ Dr. Werner Klawonn (sachkundiger Bürger für die Evangelische Kirchengemeinde) forderte ebenfalls mehr Zeit für Dialog und Diskussionen. „Die Erfahrung mit Abgängern der Sekundarschule ist gering“, verwies er auf den ersten Abschlussjahrgang im Sommer. Kritisch bewertete der ehemalige Leiter des Städtischen Gymnasiums den vorgezogenen Anmeldetermin der Fritz-Winter-Gesamtschule. „Wer dort nicht angenommen wurde, kam zu uns.“

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Als Befürworter einer zweiten Gesamtschule trat Alfred Thiemann von der Bürgerlichen Mitte Ahlen (BMA) auf: „Eine Fehlentscheidung wird so wieder wettgemacht.“ Die Zurückhaltung der CDU in der Diskussion begründete Martin Hegselmann damit, dass die Fraktion über das Thema noch beraten werde. Dennoch meinte er: „Es wäre schön, wenn etwas mehr Zeit zur Verfügung stünde und nicht schon im Rat im Dezember eine Entscheidung gefällt werden muss.“ Petra Pähler-Paul (Bündnis 90/Die Grünen) ergänzte: „Wir wollen für die Sekundarschule möglichst gute Bedingungen. Ich bezweifle, dass dies durch eine gymnasiale Oberstufe und einen neuen Namen geschieht.“

„Wir entscheiden nicht, wir würfeln“

Den Befürwortern der Umwandlung hielt sie vor: „Sie schenken den Risiken null Aufmerksamkeit. Wir entscheiden nicht, wir würfeln.“ Pähler-Paul schlug vor, der Sekundarschule noch vier weitere Jahre Zeit zu geben. Die Alternative sei, den Plan mit allen Konsequenzen umzusetzen – auch wenn die ganz mutige Version darauf hinauslaufen könnte, das Städtische Gymnasium mit der Sekundarschule zusammenzulegen und die Hauptschule wegfallen zu lassen.

Mehr im „AT“ vom 29. November.

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