Drohbriefe gegen Museum und Künstlerin



Ahlen (dl) - Nach anonymen Drohbriefen gegen die Künstlerin Siglinde Kallnbach (Köln) und das Kunstmuseum Ahlen wird eine Installation der aktuellen Ausstellung „Intermezzo 2019“ geschützt. Die Polizei hat ein Strafverfahren eingeleitet. Hinweise auf den Absender der Schreiben gibt es nicht.

„(H)eilig“ hat die Kölnerin Siglinde Kallnbach ihre Installation genannt, die aktuell im Ahlener Kunstmuseum zu sehen ist. Das Werk hat Kriminelle dazu bewogen, sowohl der Künstlerin als auch dem Museum zu drohen.

Nach Ende der Öffnungszeiten verschwindet die Skulptur „(H)eilig“ hinter einer Holzscheibe – als Vorsichtsmaßnahme vor einer möglichen Beschädigung oder gar Zerstörung.

Artikel bringt Skulptur mit Greta Thunberg in Verbindung

Hinter „(H)eilig“ verbirgt sich ein Staubsauger mit Engelsflügeln samt gestricktem Schädel, dessen Gesichtszüge an die Guy-Fawkes-Maske aus dem Film „V wie Vendetta“ erinnern. Anhänger der Anonymous-Bewegung traten dementsprechend maskiert auf. In einem Artikel im Vorfeld der Ausstellungseröffnung war die Skulptur in Verbindung mit der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg gebracht worden.

Diese Interpretation gefiel nicht jedem – und führte zu den Drohschreiben an das Kunstmuseum und die Kölner Künstlerin Siglinde Kallnbach. „Ich habe Greta Thunberg beim Rundgang überhaupt nicht erwähnt“, sagt die 63-Jährige im „AT“-Gespräch.

Kallnberg hat Hochachtung vor Klimaschutzaktivistin

Der Verdacht liegt nahe, dass der Absender des Schreibens, an dessen Wortlaut sich Kallnbach nicht erinnern kann („Die Drohung kam in der stressigen Phase zwischen zwei Ausstellungen“), ein Anhänger der Klimaschutzaktivistin ist.

Kallnbach stellt klar: „Ich habe Hochachtung vor Greta Thunberg und vor dem, was sie an Bewusstseinsbildung bezüglich Klima und Ökologie erreicht hat – das ist großartig.“ Dass ihr nun gedroht werde, würde Thunberg mit Sicherheit nicht gutheißen.

„Gewalt ist kein Mittel der Auseinandersetzung“

„Von ihren Hardcore-Fans, die anderen drohen, wenn sie ihre Ikone in irgendeiner Weise tangiert sehen, was dann noch nicht einmal der Wahrheit entspricht, wird sie nichts wissen wollen. Und auch wenn manche Ökofaschisten Gewalt jetzt hoffähig machen wollen, indem sie passiven Widerstand und zivilen Ungehorsam umdefinieren: Gewalt ist und bleibt kein Mittel der Auseinandersetzung.“

<mediaobject class="imageleft" id="X0.3608787364205716" idref="X0.24055671873858492" type="image" uid="774a2f7c-7acb-4967-87d8-7da269620cc0" url="http://ecms.die-glocke.de/alfresco/d/d/workspace/SpacesStore/774a2f7c-7acb-4967-87d8-7da269620cc0/img_7090.JPEG" uuid="774a2f7c-7acb-4967-87d8-7da269620cc0"> <element name="Unterschrift">Im Altbau des Ahlener Kunstmuseums werden aktuell Werke von Siglinde Kallnbach ausgestellt. Nach Ende der Öffnungszeiten wird das Schaufenster zur Installation „(H)eilig“ verdeckt.  Bild: Lange <element name="Quelle"/> </mediaobject>Mit einem unguten Gefühl fahre Kallnbach nicht nach Ahlen, wo sie am  Samstag, 21. September 2019, ab 16 Uhr eine Performance im Kunstmuseum bietet. „Ich habe weitaus schlimmere Sachen erlebt“, berichtet sie von Drohanrufen aus der rechten Szene. „Ich stehe für meine Überzeugungen ein.“

Dass das Drohschreiben aus einer Interpretation einer anderen Person resultiert, betrübt Kallnbach nicht: „Jeder kann und soll sich seinen eigenen Reim auf Kunst machen.“ Sie lobt das Kunstmuseum für die gute Zusammenarbeit und schnelle Reaktion. „Nun können die Ahlener die Installation eben nicht mehr nachts sehen.“

Mehr im „AT“ vom 21. September 2019.

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