Eigene Karriere ist „einfach passiert“



Westkirchen (hac) - Patricia Kelly (47) gibt am Samstag, 6. Mai, ab 19 Uhr zum zweiten Mal ein Konzert in der St.-Laurentius-Kirche in Westkirchen. Es soll ein Abend mit viel Gefühl werden. Im Interview spricht sie über ihre Geschwister, das Comeback der Kelly Family und ihre wichtigste Kraftquelle.

„Europa ist meine Heimat“, sagt Patricia Kelly. Sie ist im spanischen Gamonal geboren, hat Jahre lang in Spanien, Frankreich, Irland, Holland und Belgien gelebt. Am 6. Mai gibt sie ein Konzert in Westkirchen.

„Die Glocke“: Was bedeutet es für Sie, in einer Kirche aufzutreten?

Patricia Kelly: Ich trete sehr gern in Kirchen auf, weil sie eine ganz wunderbare Atmosphäre haben. Die Akustik ist oft sehr gut. Da kommen gewisse Lieder und Gefühle besser zur Geltung. „Die Glocke“: Was bringen Sie Ihren Gästen in Westkirchen mit? Patricia Kelly: Wir sind als Trio da, spielen Klavier, Cello und Gitarre. Ich spiele zudem Bombo, eine Folklore-Trommel. Es wird eine Mischung aus selbst komponierten Liedern geben, Arrangements von meiner 2016 erschienenen CD „Grace & Kelly“ und ein paar alte Kelly-Family-Hits.

„Die Glocke“: Sie komponieren seit mehr als 20 Jahren ihre eigenen Lieder – was steckt da drin? Patricia Kelly: Meine Lieder sind ein Auszug meines Ichs. Ich komponiere alles, was in meiner Seele stattfindet. So sind die Lieder authentisch.

„Die Glocke“: Wenn man wie Sie 20 Jahre lang als Teil einer Band – der Kelly Family – auf der Bühne stand, wie ist es dann, sich als Solokünstlerin zu etablieren?

Patricia Kelly: Ich hatte keine eigene Karriere geplant. Das ist einfach passiert. Aber jedes Tier muss auch mal aus seinem Nest. Es war wichtig, dass auch wir uns von unseren Eltern lösen und unseren eigenen Weg einschlagen. Ich finde, beides hat seine Stärke. Ich fühle mich mit meinen Geschwistern auf der Bühne oder im Studio, aber auch allein  sehr wohl. Ich habe gemerkt, dass diese Solo-Geschichten einen ganz schön fordern. Man kann gemütlich werden mit drei Geschwistern links und fünf rechts. Wenn man alleine auf der Bühne steht und zwei Stunden das Publikum halten muss, ist man anders gefordert. Daran bin ich gewachsen.

„Die Glocke“: Sie haben vier Halb- und sieben Vollgeschwister...

Patricia Kelly (unterbricht): Ich habe das nie so gesehen. Wir reden auch untereinander nicht von Halbgeschwistern. Wir sind alle zusammen aufgewachsen.

„Die Glocke“: Wie ist der Kontakt zu Ihren Geschwistern heute?

Patricia Kelly: Gut. Ich habe zu allen Kontakt. Selbstverständlich versteht man sich mit manchen besser. Da wir alle musikalisch unterwegs sind und in verschiedenen Ländern leben, ist es allerdings schwierig, dass wir uns alle zur gleichen Zeit treffen.

Comeback der Kelly Family im Mai

„Die Glocke“: Mit drei Konzerten feiern Sie ab 19. Mai in Dortmund mit einem Großteil Ihrer Geschwister das Comeback der Kelly Family. Wie kam es dazu?

Patricia Kelly: Die Fans wünschen sich das seit Jahren. Es gab immer wieder Angebote. Ich war auch stets dafür, wieder gemeinsam aufzutreten. Aber viele von uns hatten jahrelang keine Lust. Es gab eben diese Lebensphase, in der wir unsere eigenen Wege gegangen sind und unsere Kinder noch kleiner waren. Jetzt haben wir wieder Platz für neue Projekte. Es liegt wohl an unserem Alter.

„Die Glocke“: Was glauben Sie, mit welchem Gefühl Sie nach so langer Musikpause als Familie die Bühne betreten werden?

Patricia Kelly: Das wird auf jeden Fall emotional. Ich hoffe, ich kann meine Tränen zurückhalten.

Eltern haben wunderbares Leben geschenkt

„Die Glocke“: Ab Mitte der 1970er-Jahre sind Sie rund 20 Jahre lang mit der Kelly Family als Straßenmusiker durch die USA und Europa gereist. Inwiefern hat Sie diese Zeit geprägt?

Patricia Kelly: Ich bin massiv geprägt worden von meiner Vergangenheit. Wir hatten eine außergewöhnliche Lebensart. Auch wenn zu Hause nicht alles perfekt lief, meine Eltern waren gute Menschen. Sie haben uns geliebt, und sie haben uns ein wunderbares Leben geschenkt. Wir sind gereist, wir haben Musik und Sprachen gelernt. Ich bin ihnen unendlich dankbar. Als ich zwölf Jahre alt war, meine Mutter starb und wir kein Geld hatten, das war eine harte Zeit. Aber man darf nicht verbittern. Ich bin gestärkt aus dieser Zeit hervorgegangen.

„Die Glocke“: Was bedeutet Ihnen Glaube?

Patricia Kelly: Für mich ist der Glaube die wichtigste Kraftquelle in meinem Leben. In der Zeit, als wir unsere Mutter verloren haben und als ich vor sieben Jahren Brustkrebs hatte, habe ich gespürt, dass meine menschliche Kraft nicht ausreicht. Ich weiß, dass mich der Glaube hält, sollte mir morgen etwas passieren.

 „Die Glocke“: Wie beschreiben Sie Ihren heutigen Lebensstil?

Patricia Kelly: Ich glaube, dass ich für einen Künstler recht normal lebe. Ich bin nicht ausgeflippt, tendiere nicht wie andere Künstler dazu, in einer Kreativwelt zu leben. Sonst hätte ich auch keinen Manager heiraten können oder wollen. Wir wohnen in einem normalen Haus in der Nähe von Düsseldorf, haben Autos und Versicherungen. Wir reisen viel. Mir ist es wichtig, unseren Söhnen, 13 und 15, die Welt zu zeigen.

„Die Glocke“: Machen die beiden auch Musik?

Patricia Kelly: Sie haben zu Hause immer gesungen und Instrumente gelernt. Iggi, der Kleine, ist ganz aktiv bei Youtube und Facebook und war gerade bei „The Voice Kids“. Ich bin stolz darauf.

Karten für das Konzert

Karten gibt es bei der Volksbank und Postfiliale Westkirchen oder bei Jenny Heinze, 0151/18456046, tickets-patriciakelly@t-online.de (Vorverkauf 22 Euro, Abendkasse 25 Euro).

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