Ein Blick auf den literarischen Herbst in Gütersloh



Sechs Programmpunkte sollen den literarischen Herbst der Buchhandlung Markus ausmachen. Geplant ist unter anderem ein Menü mit Blick auf die Buddenbrooks.

haben Elke (links) und Vera Corsmeyer das Programm des literarischen Herbsts im Vergleich zu den vorigen Ausgaben angesichts der Pandemie ein wenig abgespeckt. „Wir mussten uns bremsen“, sagt Elke Corsmeyer. Foto: Bussieweke

Gütersloh (sib) - Kaum zu glauben: Zuletzt 2019 hat die Buchhandlung Markus ihren literarischen Herbst veranstalten können. Dann kam Corona. Jetzt wagen Inhaberin Elke Corsmeyer und ihre Tochter Vera Corsmeyer den Schritt und planen eine sechsteilige Reihe mit literarischen Hochkarätern.

Ort des Geschehens ist in der aktuellen literarischen Reihe nicht die Buchhandlung Markus – „zugegeben ist es hier etwas beengt, um in diesen Zeiten viele Leute aufeinander treffen zu lassen“, sagt Elke Corsmeyer. Stattdessen sind vier Termine im Bambi-Kino geplant, einer im Evangelisch Stiftischen Gymnasium (ESG) und einer im Ringhotel Appelbaum. Los geht es in der kommenden Woche.

Eine außergewöhnliche Familiengeschichte

Am Donnerstag, 9. September, ist Lukas Rietzschel zu Gast – mit 27 Jahren jüngster im Bund der Eingeladenen. Er liest aus seinem zweiten Roman „Raumfahrer“: Es geht um die DDR und das, was danach kommt. Ein fiktiver junger Mann schildert seine Familiengeschichte und geht dabei auf Entdeckungsreise im Osten Deutschlands. Dabei beleuchtet er die Geschehnisse, die im Schatten der großen Schlagzeilen standen. 

Im Rahmen der Reihe „Text auf Raten“ des Literaturbüros OWL gibt es am 17. September Kulinarisches im Ringhotel Appelbaum. Präsentiert wird ein Drei-Gänge-Menü, das sich an der Tradition des Essens in Thomas Manns „Buddenbrooks“ orientiert. Schauspieler Hartmut Jonas liest aus dem Werk, während die Gäste testen, warum sich leichte Kost im Nachhinein besser anfühlt als die opulenten Festessen der Patrizierfamilie im Buch, nach denen Christian Buddenbrook immer – so steht es im Buch – „verdammt übel“ war. 

Briefroman in der Gegenwart

„I get a bird“ von Anne von Canal und Heikko Deutschmann steht am 22. September auf dem Programm. Ein fiktiver Briefwechsel, der auch im Werdegang durch das Hin- und Herschreiben von Briefen zwischen den Autoren entstanden sei. Trotz mittlerweile vor allem digitaler Kommunikation spielt das Werk in der Gegenwart. „Ich habe mich gefragt, ob ein Briefroman in unsere Zeit passt“, sagt Elke Corsmeyer. Ihre Tochter Vera erwidert: „Auf jeden Fall.“ Elke Corsmeyers Urteil: „Ein wacher und ungewöhnlicher Roman.“ 

Mit „Nicht ohne meine Kippa“ besucht Levi Israel Ufferfilge am 30. September das ESG. Darin berichtet er von den Erlebnissen, die ihm beim Tragen seiner Kippa im Alltag widerfahren. „Unser Beitrag zum Aktionsjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, erläutert Elke Corsmeyer.

„Ein Buch, das gleichzeitig unterhält, erklärt und lehrt“ 

Ein Kollege von Elke und Vera Corsmeyer – Buchhändler Edgar Rai – kommt am 5. Oktober ins Bambi-Kino. Er erzählt mit „Ascona“ die Geschichte eines der bekanntesten deutschen Schriftsteller Deutschlands: Erich Maria Remarque („Im Westen nichts Neues“) in den Vorjahren des Zweiten Weltkriegs. 

Aus „Träume und Kulissen“ liest Alida Bremer am 27. Oktober – und schließt damit den literarischen Herbst. Das Werk spiele ebenfalls zu Vorkriegszeiten im kroatischen Split und sei eine Liebeserklärung der Autorin an ihre Heimat, sagt Elke Corsmeyer. „Ein Buch, das gleichzeitig unterhält, erklärt und lehrt“, urteilt Vera Corsmeyer abschließend.

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