Ein Mord von 1911 fesselt noch heute



Herzebrock-Clarholz (br) - „Das war spannende Detektivarbeit“, sagt Norbert Ellermann. Der Historiker spricht vom 23. Heimatkundlichen Beitrag der Volksbank Bielefeld-Gütersloh. Die Broschüre trägt den Titel „Tatort Herzebrock 1911 – ein Blick in die Geschichte der modernen Polizeiarbeit“.

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„Dieser Beitrag ist sehr individuell und hebt sich deutlich von allen Vorgängern ab“, sagte Norbert Deittert, Vorstandsmitglied der Volksbank am Donnerstagnachmittag bei der Vorstellung im Caspar-Ritter-von-Zumbusch-Museum. Und das ist wenig verwunderlich, denn bei der Geschichte handelt es sich nicht nur um einen Mord vor mehr als 100 Jahren im beschaulichen Herzebrock, Norbert Ellermann hat bei seinen Recherchen auch Familienforschung betrieben, denn das Mordopfer, der Polizist Richard Wilhelm Ellermann, war sein Großonkel. „Ich habe Familienmitglieder kennengelernt, von denen ich vorher nichts wusste. Sie alle haben ihren Ursprung in Herzebrock. Die Gemeinde liegt mir immer noch sehr am Herzen“, so der Historiker, der heute in Rheda-Wiedenbrück lebt.

Ausgangspunkt für seine Recherechen war die „Glocke“. „Über den Mord stand immer mal wieder etwas in der Zeitung“, berichtet Ellermann. „Das habe ich schon als Jugendlicher gelesen. Tageszeitungen sind immer noch Gold wert“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Inspiriert von den „Glocke“-Artikeln, stieg er tiefer in die Forschung ein. Dem Auditorium im Zumbusch-Haus berichtete er detailliert vom Mord, den darauffolgenden Festnahmen und den Gerichtsverhandlungen.

Im Herbst 1911 passierte in Herzebrock nicht viel – bis zum 7. November, als der Polizeisergeant Ellermann eine dreiköpfige Räuberband aus Gelsenkirchen festnehmen wollte. Der Polizist wurde von den Männern angeschossen und mit einer Eisenstange geschlagen. Noch am selben Abend starb er im St.-Josefs-Hospital.

In der Erzählung von Norbert Ellermann wird die Geschichte wieder lebendig. Sein Bericht macht Lust darauf, den Beitrag zu lesen. „Jahrzehntelange Forschungen haben sich gelohnt“, sagt Norbert Ellermann. Und er glaubt auch, dass man die Geschichte verfilmen könnte. Nicht nur er würde sich freuen, wenn es dazu käme.

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