Eltern wollen Laurentiusschule umwandeln


Warendorf (pw) - Aus der Elternpflegschaft der Laurentius-Grundschule heraus soll ein Antragsverfahren auf den Weg gebracht werden, die katholische Bekenntnisschule zum Schuljahr 2022 / 23 in eine konfessionsfreie Gemeinschaftsschule umzuwandeln.

Als Elternvertreter stehen unter anderem (v.l.) Tobias Mörth und Chiara Köhne für die Initiative, die Warendorfer Laurentiusschule zur Gemeinschaftsschule umzuwandeln. Schulleiterin Barbara Schulze Niehues, die zum 1. August in den Ruhestand wechselt, begrüßt das Engagement der Eltern.  Foto: Wild

An der Laurentius-Grundschule hat sich eine Elterninitiative gebildet, die die Umwandlung der katholischen Bekenntnisschule in eine Gemeinschaftsschule vorschlägt. Einer bereits angelaufenen Informations-Offensive soll ein offizielles Antragsverfahren und danach eine Abstimmung erfolgen mit dem Ziel, die Neuausrichtung im Sommer 2022  wirksam werden zu lassen.

Bislang nur eine Gemeinschaftsschule

<mediaobject class="imageright" id="X0.29570463654014656" type="image" uid="4383f2af-f833-4198-a79a-e73a4c6e717d" url="http://ecms.die-glocke.de/alfresco/d/d/workspace/SpacesStore/4383f2af-f833-4198-a79a-e73a4c6e717d/waf_laurentius_2.JPEG" uuid="4383f2af-f833-4198-a79a-e73a4c6e717d"> <element name="Unterschrift"/> <element name="Quelle"/> </mediaobject>Von den sieben Grundschulen in Trägerschaft der Stadt Warendorf ist nur die Dechant-Wessing-Schule in Hoetmar bislang eine offene Gemeinschaftsschule. Alle anderen, auch die vier in der Kernstadt, sind Konfessionsschulen: Laurentius-, Josef- und Overbergschule katholischer, die Bodelschwinghschule evangelischer Ausrichtung. 

Diese traditionelle Zuordnung dieser staatlichen Schulen ist rein ideeller Art – eine finanzielle Kostenbeteiligung der christlichen Kirchen gibt es nicht. Gleichwohl können diese erheblichen Einfluss auf die Schulen ausüben – unter anderem bei der Auswahl des Lehrpersonals. 

Gelebte Buntheit formal bestätigen

Für die Gruppe der engagierten Eltern haben gestern Schulpflegschaftsvorsitzende Chiara Köhne und Tobias Mörth, der auch Vorsitzender des Fördervereins der Schule ist, die Initiative in einem Pressegespräch begründet. Die Umwandlung zu einer Gemeinschaftsschule würde der gelebten Normalität und der bunten Vielfalt des Schulalltags, der Schüler- und Elternschaft Ausdruck verleihen.

Konfessionsübergreifender Religions- oder Ethikunterricht, orientiert am christlichen Glauben, würde auch anderen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen gerecht. Nicht zuletzt wäre die Personalpolitik frei vom Einfluss des Bischofs.

AG nennt Initiative „gemeinsam.laurentius“

Eine Arbeitsgemeinschaft, die sich nach einer intensiven Auftaktdiskussion aus der Elternpflegschaft heraus gebildet hat, nennt sich „gemeinsam.laurentius“. Ihr gehören je drei Vertreter aus den Schulstandorten Dr.-Leve-Straße und Klosterstraße an, fünf Menschen katholischen, einer evangelischen Glaubens. Aber alle glauben eines: dass eine konfessionsungebundene Öffnung das ohnehin sehr fortschrittliche Leitbild der Schule mit ihrem jahrgangsübergreifenden Unterricht und der bunten Vielfalt eher gerecht wird als die traditionelle Zuordnung.

Dabei geht es aber nicht nur um die Unterrichtspraxis, die ohnehin weltoffen ist und sich wohl nur marginal verändern würde. Auch die Tatsache, dass bei der Schulanmeldung für den Fall, dass die Zahl der Aufnahmeanträge die Kapazität der Laurentiusschule übersteigen würde, katholische Schüler im Zweifel vorgezogen würden, spielt in der Praxis längst keine Rolle mehr. Tatsächlich sind aktuell nur 44 Prozent der 180 Schüler katholisch, alle anderen gehören anderen oder gar keinen Glaubensgemeinschaften an. Muslime und Orthodoxe machen 40 Prozent der Schüler aus. 

Glauben Auswahlkriterium bei Lehrern

Was viele nicht wissen: An Bekenntnisschulen können die Kirchen Einfluss nehmen auf das Personal. So sind auch an der Laurentiusschule bei Neueinstellungen, unabhängig von ihrer fachlichen Qualifikation, katholische Bewerber vorzuziehen.

Noch drastischer ist die Lage bei der Schulleitung, für die das katholische Glaubensbekenntnis formal Voraussetzung ist, sodass andere Bewerber (eigentlich) keine Chance haben. Dass die evangelische Kathrin Sellmeier, seit zehn Jahren an der Schule, vor fünf Jahren Konrektorin wurde, ist nur der Tatsache zu verdanken, dass sich nach dreimaliger Ausschreibung der Stelle immer noch kein Mitbewerber gefunden hatte. Nur weil alle an der Schule die hochgeschätzte Sellmeier wollten und daraufhin die Schulaufsicht der Beförderung zustimmte, durfte sie es werden. Und das auch nur, weil neben dem Schulträger (Stadt Warendorf) auch das Bischöfliche Generalvikariat „ausnahmsweise“ einverstanden war.

Schulleiterinnenstelle neu zu besetzen

Wenn Schulleiterin Barbara Schulze Niehues zum 1. August in den Ruhestand wechselt, ist für die Elternpflegschaft Kathrin Sellmeier klare Favoritin für die Nachfolge. Würde die Stelle aber von der Bezirksregierung vor dem Beschluss zur Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule ausgeschrieben und es würde sich auch jemand katholischen Glaubens bewerben, wäre die Wunschkandidatin chancenlos.

Fragen und Antworten zum Verfahren

Frage: Hätten Kinder auf ihrem Bildungsweg nach der Grundschule Nachteile gegenüber Kindern von Bekenntnisschulen?

Antwort: Nein. Die Gesamtschule und die beiden Gymnasien der Stadt Warendorf werden wie Gemeinschaftsschulen geführt. Die bischöfliche Realschule bewertet bei Aufnahme alle Grundschulen der Stadt Warendorf nach den gleichen Kriterien.

Frage: Wie wäre das weitere Vorgehen?

Antwort: Wenn zehn Prozent der Eltern (also mindestens 18 Familien) im Herbst 2021 individuell (eine gemeinsame Unterschriftenliste darf nicht eingereicht werden) bei der Stadt Warendorf einen Antrag auf Umwandlung der Schule stellen, würde danach eine Abstimmung (wahrscheinlich per Briefwahl) durch alle Eltern erfolgen. Wenn mindestens 50 Prozent der Familien aktiv zustimmen, würde zum Folgeschuljahr 2022 / 23 umgewandelt werden. Wichtig: Die Nicht-Teilnahme an der Abstimmung wird als Nein-Stimme gewertet.

Frage: Welche Rechtsgrundlage regelt eine Umwandlung?

Antwort: In Nordrhein-Westfalen regelt das die Verordnung über das Verfahren zur Bestimmung der Schulart von Grundschulen und Hauptschulen. Übrigens: Bekenntnisschulen als staatliche Schulen gibt es nur noch in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen.

Eltern sollen Ideen einbringen

Die Elterninitiative möchte mit möglichst vielen Eltern der Laurentius-Grtundschüler ins Gespräch kommen. Kontaktaufnahme für Fragen und Meinungsäußerungen ist über die E-Mail-Adresse gemeinsam.laurentius@gmx.de willkommen.

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