Ergreifendes Gotteslob der Domspatzen



Oelde (ug) - „Der Chor wird uns entführen in eine klangliche Welt, die Herz und Sinne erreicht und Raum schafft für das persönliche Gebet“: Pfarrer Karl Kemper hatte in seinem Grußwort dem Konzert der Regensburger Domspatzen hohe Erwartungen vorangestellt. Sie wurden in der Pfarrkirche St. Joseph voll erfüllt.

54 Stimmen zum Lobe Gottes erklangen am Montagabend in der voll besetzten Oelder St.-Joseph-Kirche beim Konzert der Regensburger Domspatzen. Mit stehend dargebrachten Ovationen bedachte das Publikum den denkwürdigen Auftritt.

Dabei wurde den Zuhörern durchaus einiges abverlangt. Roland Büchner, der in bildhafter Zeichensprache seine 56 jungen Sänger zu Höchstleistungen inspirierte, hatte ohne Konzessionen ein streng liturgisches Programm ausgewählt, das sich aus dem geistlichen Auftrag des Chores versteht.

In seinen 19 meist kurzen Musikstücken spannte es zeitlich einen weiten Bogen von den klaren barocken Strukturen eines Palestrina oder Tomas Luis de Victoria über romantische Gefühlsinnigkeit bis zur zeitgenössischen Komposition in ihren oft hohen rhythmischen Anforderungen. Vom einleitenden „Hosanna filio David“ an imponierte die ideale Ausgewogenheit zwischen den hellen Knabenstimmen mit hohen Sopranen und den grundierenden Männerstimmen im charakteristischen „weichen“ Chorklang der Regensburger in seinen dynamischen Abstufungen.

Nachhaltig beeindruckte das kraftvoll angesungene „Cruzifixus“ von Antonio Lotti, ehe Felix Mendelssohn-Bartholdy mit populären Teilen seines „Elias“- Oratoriums zu Wort kam. Johann Sebastian Bachs Motette „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“ beschloss mit den Feinheiten seines fugierten Satzes den ersten Teil. Als Zwischenmusik passte sich Gregor Lieckenbröcker an der Orgel von St. Joseph im ruhigen Duktus farbig registrierter Paraphrasen von Frescobaldi und Thayer dem Stimmungsniveau des Programms an.

 Der zweite Teil des denkwürdigen Konzerts bewies, dass sich selbst ein so traditionsbewusster Chor wie die Regensburger Domspatzen nicht allein auf rückwärts gewandte Musikpflege versteht, sondern auch Zugang findet zur anspruchsvollen Sakralmusik unserer Zeit. Dafür stand beispielhaft die verschlungene Polyphonie des „Ave stella maris“ von Trond Kverno in ihrer Mischung aus spätromantischen und norwegisch-folkloristischen Elementen ebenso wie Edvard Grieg, Morton Lauridsen oder Peter Eben mit der farbig-modernen Harmonik seines St.-Franziskus-Gesangs.

 In nahezu überirdischer Schönheit rührten die knappen 46 Takte von Mozarts „Ave verum“ ans Herz, ehe das Konzert mit der volksliedhaften Innigkeit „Der Mond ist aufgegangen“ nach dem bekannten Matthias-Claudius-Text schloss. Für die Ovationen der begeisterten Zuhörer bedankten sich die Regensburger auf ihre Weise mit Gabriel Rheinbergers „Abendlied“.

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